Test: Bea-fon M6 Smartphone

Mit dem Bea-fon M6 möchte das österreichische Unternehmen nicht mehr nur die Zielgruppe der Senioren ansprechen, sondern direkt die ganze Familie. Ob das Konzept aufgeht, oder der Nutzer Kompromisse eingehen muss, klären wir im Test

Design und Verarbeitung

Auf den ersten Blick hinterlässt das Bea-fon M6 einen ansprechenden Eindruck und erinnert in keinster Weise an ein klassisches Senioren-Handy. Stattdessen hat sich der Hersteller für ein klassisches Smartphone-Design mit abgerundeten Kanten entschieden. Die blaue schimmernde Rückseite unseres Testgeräts mit Spiegelungseffekt sticht aus der Masse hervor. Wer es lieber etwas dezenter möchte, greift zur schwarzen Variante. Das optisch ansprechende Äußere hängt auch mit den verwendeten Materialien zusammen. So sind Rückseite und Display mit Glas überzogen. Der Rahmen dazwischen besteht zwar aus Kunststoff in Metalloptik, hinterlässt jedoch ebenfalls einen wertigen Gesamteindruck. Die Kanten sind sauber verarbeitet, auffällig große Spaltmaße an den Verbindungsstellen fallen uns nicht auf. Insgesamt könnte das Gehäuse allerdings etwas stabiler sein. Bei Druck auf die Front- und Rückseite biegt sich das Smartphone recht leicht durch, Beschädigungen an Body oder Display fügen wir dem Gerät während unserer Belastungstests allerdings nicht zu.

Die Rückseite ist mit Glas überzogen. Die Lichtreflektionen sehen schick aus.

Die moderne Anmutung setzt sich auf der Frontseite fort. So beherbergt beispielsweise eine Wassertropfen-Notch die Selfie-Kamera. Trotzdem erstreckt sich der Bildschirm nicht ganz bis zu den Rändern. An der Oberseite muss der Nutzer allerdings nur schmale drei Millimeter in Kauf nehmen – genau wie an den beiden Seiten. Unter dem Display fällt der Rand mit sieben Millimetern am größten aus. Moderne Smartphones verfügen häufig über ein leicht gebogenes Display. Darauf verzichtet der Hersteller in diesem Fall jedoch, das Bea-fon M6 ist komplett flach, was wir jedoch nicht als Nachteil empfinden. Auf der Rückseite sticht vor allem die deutlich aus dem Gehäuse tretende Dual-Kamera hervor. Außerdem befindet sich hier der Fingerabdrucksensor.

Das Smartphone ist mit knapp 158 Millimetern in der Höhe, 77 Millimetern in der Breite und 8,5 Millimetern in der Tiefe vor allem in Anbetracht des großes Displays recht kompakt ausgefallen, auch wenn wir es uns etwas flacher gewünscht hätten. Das Gewicht von knapp 200 Gramm geht ebenfalls voll in Ordnung. Eine IP-Zertifizierung für Wasser- und Staubschutz hat sich Bea-fon gespart.

Bildschirm

Bea-fon M6
Die Auflösung könnte etwas höher sein, trotzdem überzeugt das Display insgesamt.

Das Bea-fon M6 verfügt über ein 16:9-Display mit einer Diagonale von 6,26 Zoll. Zudem löst der IPS-Bildschirm mit 1.520 x 720 Pixeln in HD-ready-Qualität auf. In Anbetracht der großen Bildschirmdiagonale hätte es ruhig etwas mehr sein dürften. Insgesamt überzeugt das Display aus normaler Entfernung aber durch eine scharfe Darstellung, auch wenn Kanten teilweise etwas ausfransen. Das fällt jedoch in Summe so gut wie nicht ins Gewicht.

Aber auch darüber hinaus hinterlässt der Bildschirm einen guten Eindruck. Die Maximalhelligkeit ist ordentlich, selbst bei hohem Umgebungslicht lässt sich das Display noch problemlos ablesen. Bei direkter Sonneneinstrahlung wird es dagegen schwer, der Nutzer kann Inhalte aber gerade noch erkennen. Die Ausleuchtung ist dabei recht gleichmäßig, Lichthöfe an den Rändern entdecken wir nicht. Farben stellt das Bea-fon M6 schön kräftig dar. Einzig schwarz erscheint eher als sehr dunkles Grau. An der Blickwinkelstabilität haben wir ebenfalls nicht viel auszusetzen. Bei seitlicher Betrachtung blassen die Farben zwar minimal aus, das Ablesen ist aber problemlos möglich.

Hardware

Bea-fon M6
Die Hardware ist nicht allzu leistungsfähig, für ein Einsteiger-Smartphone geht sie jedoch in Ordnung.

Das Bea-fon M6 ist sicherlich kein Leistungswunder. Im Inneren werkelt ein Vierkern-Prozessor mit einer Taktrate von 2.0 Gigahertz. Dieser wird von zwei Gigabyte Arbeitsspeicher unterstützt. Das klingt nicht beeindruckend und ist es in der Praxis auch nicht, trotzdem kommt das Bea-fon M6 mit alltäglichen Anwendungen wie dem Surfen im Internet zurecht. YouTube-Videos laufen in 720p auch im Vollbildmodus flüssig. Anwendungen starten mit minimaler Verzögerung, aber immer noch recht zügig. Zudem kommt es beim Navigieren durch die verschiedenen Menüs hin und wieder zu Mikrorucklern. Im AnTuTu-Benchmark-Test sichert sich das Smartphone 74.141 Punkte. Gerade in Anbetracht der verbauten Hardware und des niedrigen Preises von knapp 150 Euro ein ordentlicher Wert.

Da Bea-fon das M6 als Familien-Smartphone anpreist, testen wir natürlich auch die Gaming-Funktionen. Auch hier zeigt sich das Handy in der Praxis deutlich besser als erwartet. Kleine Spiele wie Angry Birds laufen problemlos, aber auch grafisch aufwendigere Games wie Asphalt 9 Legends laufen – hier muss der Nutzer dann jedoch mit häufigen Rucklern und heruntergeschraubten Details leben. Auch das derzeit sehr beliebte Call of Duty: Mobile läuft eingeschränkt. Hardwarehungrige Spiele überfordern das Gerät naturgemäß. Aber trotzdem: Wer das Smartphone zum Zocken verwenden möchte, schaut nicht komplett in die Röhre.

Der interne Speicher ist mit 32 Gigabyte nicht gerade üppig ausgefallen. Die meisten Senioren dürften damit zwar problemlos zurechtkommen, wer jedoch viele Apps installieren oder Videos aufzeichnen möchte, stößt schnell an die Grenzen. Praktischerweise kann der Nutzer den Speicher über MicroSD-Karten noch einmal um bis zu 128 Gigabyte erweitern.  

Betriebssystem und Bedienung

Bea-fon M6
Die Bea-fon-Benutzeroberfläche zeichnet sich vor allem durch große Symbole und Buttons aus.

Bea-fon hat sich für ein klassisches Tasten-Layout entschieden. Power-Taste und Lautstärke-Wippe befinden sich also auf der rechten Seite und lassen sich mit Daumen beziehungsweise Zeigefinger problemlos erreichen. Die Knöpfe haben einen angenehmen Druckpunkt und reagieren gut. Wie bereits erwähnt befindet sich der Fingerabdrucksensor auf der Rückseite. Liegt der Finger optimal auf, erkennt er ihn zuverlässig und schaltet das Smartphone zügig frei. Sobald der Finger jedoch etwas ungünstig platziert ist, erkennt das Smartphone den Abdruck nicht an.   

Als Betriebssystem kommt grundsätzlich Android 9 von Google zum Einsatz. Allerdings hat sich Bea-fon einen Kniff überlegt, um das Gerät einer weniger Smartphone-affinen Zielgruppe zugänglicher zu machen. Auf Wunsch wechselt der Nutzer zwischen der klassischen Android-Benutzeroberfläche und der hauseigenen Bea-fon-Oberfläche. Dazu muss er allerdings immer im Einstellungsmenü unter dem Punkt „App & Benachrichtigungen“ die entsprechende Oberfläche als Standard-App festlegen. Das ist zwar etwas kompliziert, in der Praxis dürften sich jedoch die meisten für eine Variante entscheiden und nicht ständig hin und her wechseln.

Der Bea-fon-Desktop zeichnet sich vor allem durch große Symbole und Schaltflächen aus. Die Startseite bietet beispielsweise nur Platz für vier Schaltflächen. Praktischerweise lassen sich aber auch mehrere Anwendungen zu einem Ordner zusammenfassen. Auf dem Home Screen finden sich auch zusätzliche Informationen – beispielsweise zum Wetter oder zu verpassten Anrufen. Durch einen Druck auf die entsprechende Taste direkt unter der Notch öffnet sich das Schnellwahlmenü. Hier aktiviert der Nutzer unter anderem GPS, WLAN, Vibration oder Bluetooth.

Durch einen Wisch nach rechts gelangt er zu den weiteren Programmen. Hier ist pro Seite Platz für acht Schaltflächen. Eine Wischgeste nach links führt ihn zu den Fotokontakten. Jeder angelegte Kontakt lässt sich auf Wunsch mit einem Foto versehen, dass dann auf der Schaltfläche für eine einfachere Auffindbarkeit angezeigt wird. Damit richtet sich die Benutzeroberfläche vor allem an eine ältere Zielgruppe, welche die großen Symbole zu schätzen wissen dürfte. Die Bedienung ist recht intuitiv. Wer doch einmal nicht weiter kommt, kann die äußerst ausführliche Anleitung zu Rate ziehen. Diese beschreibt alle Funktionen der Bea-fon-Benutzeroberfläche en Detail und veranschaulicht sie teilweise mit Bildern – hervorragend.

Tastatur und Wahltasten wurden im Vergleich zur Startseite nicht angepasst, hier bietet jedoch bereits Android recht große Buttons. Die verschiedenen Anwendungen wie das bereits vorinstallierte WhatsApp oder Google Maps liegen natürlich ebenfalls in der Standardversion vor.

Zwei vor allem für Senioren interessante Funktionen stellen der Bea-fon-SOS-Notruf und die Sicherheitszone dar. Bei letztere Funktion wählt der Nutzer per GPS einen Ausgangspunkt und wählt einen Radius, der darum führt. Sobald der gewählte Bereich verlassen wird, sendet das Smartphone automatisch eine SMS an die hinterlegten Sicherheitszonen-Kontakte. Bei der SOS-Funktion lassen sich ebenfalls mehrere Kontakte speichern, die per Tastendruck hintereinander angerufen werden. In der Anleitung ist zwar von einer Notfalltaste auf der Rückseite des Geräts die Rede, diese können wir jedoch nicht entdecken. Natürlich ist das Feature aber auch über die entsprechende Schaltfläche auf dem Touchscreen erreichbar.

Kamera

Bea-fon M6
Die Dual-Kamera liefert eine ordentliche Bildqualität.

Bea-fon spendiert dem M6 eine Dual-Kamera, die insgesamt mit 13 Megapixeln auflöst – sicherlich keine Selbstverständlichkeit in diesem Preissegment. Die Zweitkamera liefert Bokeh-Effekte mit Unschärfe im Hintergrund. Die Blende ist mit f/2,0 recht lichtstark. Bei guten Lichtverhältnissen liegen die Aufnahmen im guten Mittelfeld. Es fehlt zwar etwas an Farbgenauigkeit sowie Detailzeichnung und es tritt leichtes Bildrauschen auf, doch für ein Einsteiger-Smartphone können sich die Bilder sehen lassen.

Bei ungünstigen Lichtverhältnissen nimmt die Bildqualität jedoch ab und es tritt deutliches Bildrauschen auf. Auch die Detailzeichnung nimmt hier noch einmal deutlich ab. Die Frontkamera verfügt über eine Auflösung von acht Megapixeln. Für ein schnelles Selfie ist die Linse durchaus zu gebrauchen, für mehr reicht es jedoch nicht.

Akku und Anschlüsse

Bea-fon M6
Bildschirmdiagonale6,26 Zoll (15,9 cm)
Displayauflösung1.520 x 720 Pixel
BetriebssystemAndroid 9
Interner Speicher 32 GB
Bea-fon verwendet einen Lithium-Ionen-Akku mit einer Kapazität von 3.600 mAh. Damit reiht sich das Smartphone eher im Mittelklasse-Bereich ein. Insgesamt überzeugt uns die Akkulaufzeit. Bea-fon selbst gibt die Sprechzeit mit 16 Stunden und die Standby-Zeit mit 220 Stunden an. Bei normaler Verwendung sollte der Nutzer problemlos durch den Tag kommen. Unseren Dauertest (YouTube-Videos, Gaming, Surfen im Netz) bei voller Helligkeit übersteht das Handy knapp fünf bis sechs Stunden lang mit einer Ladung – sicherlich kein Spitzenwert. Bis der komplett entleerte Akku die 100-Prozent-Marke erreicht, vergehen recht lange 3,5 Stunden. Hier macht sich die Verwendung des mittlerweile veralteten MicroUSB-Standards bemerkbar. Wir hätten uns USB-C gewünscht, zumal sich der Stecker hier nicht falsch koppeln lässt. Gerade für Senioren durchaus relevant.

Praktischerweise hat Bea-fon dem M6 einen 3,5-Millimeter-Klinkenstecker-Anschluss an der Unterseite spendiert. Darüber lassen sich Kopfhörer auch kabelgebunden mit dem Smartphone verbinden. Sicherlich eine gute Alternative zu den blechern klingenden integrierten Lautsprechern. Wer Kopfhörer kabellos verbinden möchte, verwendet die Bluetooth-Technologie, die in der Version 4.0 vorliegt. Die NFC-Funktion ist nicht vorhanden.

Fazit

Das Bea-fon M6 überzeugt durch ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Obwohl es preislich im Einsteiger-Segment angesiedelt ist, wirkt es rein optisch schon einmal deutlich wertiger. Display und Bildqualität hinterlassen ebenfalls einen guten Eindruck. Die Leistungsfähigkeit ist sicherlich nicht berauschend, aber für tägliche Anwendungen absolut ausreichend. Sogar eingeschränktes Gaming ist möglich. Die hauseigene Bea-fon-Benutzeroberfläche ist ein weiterer Pluspunkt, der vor allem Senioren ansprechen dürfte. Jüngere Nutzer verwenden das M6 einfach als herkömmliches Android-Smartphones.

Wertung

: Bea-fon M6

Bea-fon M6
  1. Verarbeitung und DesignVerarbeitung
    1,4
    • Bildschirm
      1,5
      • Hardware, Betriebssystem und Bedienung
        1,7
        • Kamera
          2,0
          • Akku und Anschlüsse
            2,1

            Pros

            • Gut angepasste Benutzeroberfläche
            • Optisch ansprechendes Design
            • Gute Verarbeitung
            • Großes Display
            • Aufwendiges Handbuch
            • Dual-Kamera

            Cons

            • Durchschnittlicher Akku
            • MicroUSB-Anschluss