OneOdio Studio Max 1 im Test: DJ-Kopfhörer mit gutem Klang, aber schwacher Stimmwiedergabe
Der OneOdio Studio Max 1 Wireless richtet sich an verschiedene Zielgruppen: DJs, die einen kabellosen Monitoring-Kopfhörer mit niedriger Latenz brauchen, Musikliebhaber, die Hi-Res Audio per LDAC wollen, und Alltagsnutzer, die einen robusten On-Ear für jede Situation suchen. Klingt beeindruckend, aber kann ein Kopfhörer in dieser Preisklasse wirklich all diese Disziplinen auf hohem Niveau bedienen? Wir haben den Studio Max 1 ausführlich getestet und durch verschiedene Genres geschickt.
OneOdio Studio Max 1
OneOdio Studio Max 1 Wireless
Verarbeitung und Design
Der Studio Max 1 wiegt knapp 330 Gramm und kommt mit Ohrmuscheln von etwa 9,5 Zentimetern Durchmesser und einer Bautiefe von rund 5 Zentimetern pro Seite. Die Ohrpolster und die Polsterung des Kopfbügels bestehen aus weichem Kunstleder, das sich angenehm auf der Haut anfühlt. Im Inneren des Kopfbügels und an den Verstellschienen setzt OneOdio auf Metall – ein Stabilitätsfaktor, der im Alltag spürbar ist. Die äußeren Schalen der Ohrhörer bestehen aus robustem Kunststoff. Ein schönes optisches Detail: Die Oberseite des Kopfbügels trägt ein rotes Stickmuster, das dem sonst schlichten Design eine individuelle Note verleiht.
Die Verarbeitung fällt insgesamt gut aus. Das Material wirkt robust, die Bauteile sind sauber miteinander verbunden, scharfe Kanten oder unangenehme Druckstellen gibt es nicht. Bei den Spaltmaßen zeigen sich minimale Unregelmäßigkeiten, die aber nicht stören. Ein klarer Kritikpunkt betrifft die Schwenk- und Drehgelenke der Ohrmuscheln: Sie bieten zu wenig Widerstand. Beim Auf- und Absetzen verdreht sich der Kopfhörer dadurch ungewollt, und es dauert jedes Mal einen Moment, bis die Ohrmuscheln wieder richtig ausgerichtet sind. Für einen Kopfhörer, der auch im DJ-Einsatz schnell auf- und abgesetzt werden soll, ist das ein spürbarer Nachteil.
Ausstattung und Lieferumfang
Beim Zubehör liefert OneOdio ein umfangreiches Paket: Im Karton liegen ein USB-A-auf-USB-C-Ladekabel, ein 3,5-Millimeter-auf-6,35-Millimeter-Klinkenkabel (3 Meter Spiralkabel), ein 3,5-Millimeter-auf-3,5-Millimeter-Klinkenkabel mit 6,35-Millimeter-Adapter (1,2 Meter Spiralkabel), der M1-Low-Latency-Transmitter und eine Transporttasche. Beide Kabel sind austauschbar. Damit deckt der Lieferumfang alles ab, was DJ- und Studioeinsätze erfordern. Die Vielseitigkeit der Anschlussmöglichkeiten ist eine echte Stärke: Bluetooth 5.3, der kabellose Dongle-Modus über den M1-Sender und der klassische Klinkenbetrieb stehen gleichzeitig zur Verfügung.
Die Transporttasche lässt sich auch als Rucksack verwenden. Sie bietet allerdings kaum Schutz. Wer den Kopfhörer regelmäßig transportiert, dürfte sich schnell nach einem besseren Case umsehen. Multipoint-Unterstützung fehlt und eine zugehörige App gibt es ebenfalls nicht. Sämtliche Einstellungen laufen über die physischen Tasten am Kopfhörer.
Tragekomfort
Trotz der Gelenk-Problematik sitzt der Studio Max 1 im Alltag recht sicher auf dem Kopf. Bei schnellen Bewegungen und im Headbang-Test rutschen die Ohrmuscheln leicht auf den Ohren hin und her, eine echte Gefahr des Herunterfallens besteht aber nicht. Selbst als Brillenträger drückt der Kopfbügel nicht zu stramm. Der Langzeitkomfort gehört zu den Stärken: Auch nach längeren Hörsessions spüren wir keinen unangenehmen Druck. Die Polsterung verteilt das Gewicht von knapp 330 Gramm gleichmäßig. Das Kunstleder der Ohrmuscheln wird bei längerer Nutzung allerdings spürbar warm.
Bedienung
Die Steuerung läuft über 4 physische Tasten am Kopfhörer: eine Multifunktionstaste (MFB) für Ein/Aus, Bluetooth-Pairing, Play/Pause, Anrufe und den EQ-Bass-Modus, die Lauter- und Leiser-Tasten (kurz drücken für Lautstärke, lang drücken für Titelübersprung) sowie die Mode-Switch-Taste (B) zum Wechsel zwischen Bluetooth- und Dongle-Modus.
Das Konzept funktioniert insgesamt, bedarf aber einer längeren Eingewöhnung. Gerade die starke Mehrfachbelegung ist am Anfang nicht intuitiv: Ein kurzer Druck pausiert die Musik, ein langer Druck schaltet ein oder aus, ein Doppeldruck nimmt Anrufe an. Ohne begleitende App fehlt außerdem jede Möglichkeit, den EQ über die eingebaute Bass-Funktion hinaus anzupassen, Firmware-Updates einzuspielen oder die Tastenbelegung zu ändern.
Verbindung und Akku
Per Bluetooth 5.3 verbindet sich der Studio Max 1 zuverlässig und stabil. Im Test bleibt die Verbindung über bis zu 10 Meter bestehen, auch durch eine massive Decke hindurch. Erst beim Gang in den Keller, also durch 2 Geschossdecken, treten Aussetzer auf. Dropouts oder Stottern gibt es im normalen Betrieb nicht. Der Kopfhörer unterstützt LDAC für Hi-Res Audio über Bluetooth. Das ist ein Plus für alle, die Wert auf hohe Audioqualität bei kabelloser Wiedergabe legen.
Der M1-Low-Latency-Transmitter ist das technische Herzstück für den DJ- und Monitoring-Einsatz. Er verbindet den Kopfhörer kabellos mit Mischpulten, Verstärkern oder Audio-Interfaces – mit einer Latenz von laut Hersteller nur 20 Millisekunden. Das ist schnell genug, um beim Cueing nicht den Takt zu verlieren, und hebt den Studio Max 1 klar von normalen Bluetooth-Kopfhörern ab, die typischerweise bei 80 bis 200 Millisekunden liegen.
Beim Akku bietet der OneOdio eine der beeindruckendsten Laufzeiten auf dem Markt – zumindest laut Hersteller: Bis zu 120 Stunden im Bluetooth-Betrieb, bis zu 50 Stunden im Dongle-Modus mit dem M1-Transmitter. Im Akku-Drop-Test bei Bluetooth-Verbindung sinkt der Akkustand von 97 auf 95 Prozent nach 45 Minuten. Somit klingen die Herstellerangaben für uns realistisch. Dazu kommt eine Schnellladefunktion: 5 Minuten Laden reichen für rund 5 Stunden Wiedergabe.
Klang
Die 50-Millimeter-Treiber des Studio Max 1 liefern ein Klangbild, das bei der Raumdarstellung beeindruckt und in einem Bereich spürbar schwächelt. Die Stereoabbildung verdient Bestnoten: Die Panorama-Ortung gelingt präzise, die Phantommitte steht stabil, und die Bühne öffnet sich bemerkenswert weitläufig. Im Bühnentest können wir Objekte im Raum verfolgen – nicht nur nach links und rechts, sondern auch in der Tiefenstaffelung nach vorne und hinten.
Der Bass kommt druckvoll und präsent, ohne die anderen Frequenzbereiche zu übertönen. Die Kontur könnte allerdings etwas knackiger ausfallen. Im Basstest zeigt sich ein leicht weiches, gelegentlich verwischtes Klangbild. Dröhnen auf dem Ohr tritt dagegen nicht auf: Der Bass bleibt angenehm und kontrolliert, ohne unangenehmen Druck zu erzeugen. Bei den Höhen zeigen sich die Sibilanten gelegentlich etwas präsent, ohne aber wirklich scharf oder stechend zu werden. Der Gesamtcharakter ist neutral und ausgewogen.
Im Orchestertest liefert der Studio Max 1 ein gutes Ergebnis: Die Bühne ist klar gestaffelt, Instrumentengruppen lassen sich gut voneinander trennen. In dichten Tutti-Passagen geht aber etwas Ordnung und Feinzeichnung verloren – hier zeigen sich die Grenzen der Preisklasse. Die Dynamik ist solide, Klangfarben wirken natürlich.
Beim Genre-Test offenbart sich ein differenziertes Bild. Elektronische Musik liegt dem Studio Max 1 am besten: Subbass-Extension, Transienten und Kontrolle bei hoher Energie gelingen hervorragend. Pop funktioniert ebenfalls gut. Rock kommt mit ordentlicher Gitarrenenergie und realistischen Drums. Bei Hip-Hop fallen die Ergebnisse dagegen ab – und hier wird die zentrale Schwäche des Studio Max 1 deutlich.
Sprache und Stimmen klingen über den Studio Max 1 auffällig dumpf und wenig natürlich. Das betrifft nicht nur Podcasts, sondern wirkt sich auf alle Genres mit prominenten Gesangsanteilen aus. Bei Hip-Hop leidet die Stimmpräsenz spürbar, und auch bei Pop und Rock fehlt der Stimme die letzte Klarheit und Natürlichkeit. Dieser Schwachpunkt lässt sich auch nicht per EQ-Anpassung beheben, da wie beschrieben eine App zur feinen Klangkorrektur fehlt. Für reine Musikwiedergabe instrumentaler oder elektronischer Art ist das kein Problem – wer aber Podcasts hört, viel telefoniert oder bei Musik die Stimme im Vordergrund haben möchte, stößt hier an eine klare Grenze.
Telefonie
Als Headset für Telefonate eignet sich der Studio Max 1 nur eingeschränkt. Es gibt kein separates Mikrofon mit Schwanenhals – die Sprachübertragung läuft über ein integriertes Mikrofon. Die Verständlichkeit der eigenen Stimme beim Gegenüber fällt entsprechend dumpf aus. Hintergrundgeräusche filtert der Kopfhörer dagegen zuverlässig heraus. Insgesamt taugt der Studio Max 1 für gelegentliche Kurztelefonate, als regelmäßiges Business-Headset empfehlen wir ihn aber nicht.
Passive Geräuschdämpfung
Aktives Noise Cancelling gibt es beim Studio Max 1 nicht. Dank der geschlossenen On-Ear-Bauweise schirmt der Kopfhörer Umgebungsgeräusche aber trotzdem spürbar ab – insbesondere beim Musikhören. Für den DJ-Einsatz, wo eine gewisse Abschirmung erwünscht ist, reicht das. Für den Pendleralltag in lauten Umgebungen ersetzt es ein dediziertes ANC-Modell aber nicht.
Fazit
Der OneOdio Studio Max 1 Wireless ist ein Kopfhörer mit einer beeindruckenden Feature-Liste und einer spürbaren Schwäche. Auf der Habenseite stehen eine hervorragende räumliche Abbildung mit weitläufiger Stereobühne und präziser Ortung, ein druckvoller Bass ohne Dröhnen, eine exzellente Akkulaufzeit von bis zu 120 Stunden mit Schnellladefunktion und die vielseitigste Anschlussausstattung, die wir in dieser Preisklasse gesehen haben: Bluetooth 5.3 mit LDAC, Low-Latency-Dongle, 3,5-Millimeter-Klinke und 6,35-Millimeter-Klinke. Der M1-Transmitter mit 20 Millisekunden Latenz hebt den Studio Max 1 für den DJ- und Monitoring-Einsatz klar von herkömmlichen Bluetooth-Kopfhörern ab. Dazu kommt ein hoher Langzeitkomfort und eine robuste Verarbeitung mit Metallkopfbügel.
Die Kehrseite: Sprache und Stimmen klingen durchweg dumpf und wenig natürlich – ein Problem, das sich auf Podcasts, Telefonate und alle gesanglastigen Genres auswirkt. Ohne App fehlt jede Möglichkeit zur feingranularen Klangkorrektur. Die Transporttasche schützt kaum, die Ohrpolster lassen sich nicht wechseln, und die zu lockeren Gelenkwider stände der Ohrmuscheln nerven beim Auf- und Absetzen.
Für DJs, Produzenten und Musikliebhaber, die vor allem instrumentale, elektronische oder bassintensive Musik kabellos mit niedriger Latenz hören wollen, ist der Studio Max 1 ein vielseitiger Allrounder mit einem starken Preis-Leistungs-Verhältnis. Wer aber Podcasts hört, viel telefoniert oder die Stimme als wichtigsten Teil der Musik empfindet, sollte sich nach einem Modell mit besserer Stimmreproduktion umsehen. Die dumpfe Sprachwiedergabe verhindert eine uneingeschränkte Empfehlung – und das, obwohl der Studio Max 1 in fast allen anderen Bereichen vieles richtig macht.
- +Hervorragende räumliche Abbildung
- +Präzise Ortung
- +Druckvoller Bass
- +Exzellente Akkulaufzeit
- +Schnellladefunktion
- +Vielseitige Anschlüsse
- +LDAC-Unterstützung
- +M1-Low-Latency-Transmitter
- +Stabile Bluetooth-Verbindung
- +Hoher Langzeitkomfort
- +Robuste Verarbeitung
- +Umfangreicher Lieferumfang
- –Dumpfe Stimmen
- –Telefonie eingeschränkt
- –Keine App
- –Kein Multipoint
- –Transporttasche schützt kaum
- –Lockere Drehgelenke
- –Bedienung gewöhnungsbedürftig