EarFun Clip 2 im Test: Was leistet der Open-Ear-Clip zum günstigen Preis?
EarFun hat sich mit True-Wireless-Kopfhörern einen Namen gemacht, die viel Ausstattung, lange Laufzeiten und umfangreiche App-Funktionen in vergleichsweise günstige Modelle bringen. Mit dem Clip 2 überträgt der Hersteller dieses Prinzip auf einen Open-Ear-Clip für Alltag, Sport und Büro. Wie gut gelingt der Spagat aus offenem Tragegefühl, stabilem Sitz und überzeugendem Klang?
EarFun Clip 2 Schwarz Open-Ear Bluetooth-KopfhörerClip-On Earbuds, Hi-Res Audio mit LDAC, 12-mm-Titan-Treiber, 40 Std. Akku, IP55
EarFun Clip 2
Verarbeitung und Tragekomfort
Mit 5,5 Gramm pro Ohrhörer ist der EarFun Clip 2 sehr leicht und macht auch bei längeren Hörsessions keine Probleme. Das Ladecase misst 7,0 × 4,8 × 2,9 Zentimeter und passt problemlos in die Tasche. Im Praxistest begleitet uns der EarFun Clip 2 beim Pendeln, beim Sport und am Schreibtisch; dabei achten wir auf Sitz, Bedienung, Klang, Verbindung, Akku und Telefonie.
Das Gehäuse besteht aus mattem, leicht angerautem Kunststoff, der Bügel besitzt einen flexiblen Nickel-Titan-Kern mit weicher Silikonummantelung und schmiegt sich angenehm an die Ohrmuschel. Alles sitzt fest und sauber verbunden, nichts knarzt, keine scharfe Kante stört.
Beim Tragen spielt das Open-Ear-Konzept seine Stärke aus. Die Ohrhörer sitzen sicher und bleiben auch bei Bewegung stabil, ohne im Gehörgang zu drücken. Über Stunden bleibt der Komfort hoch, von Druckstellen oder Wärme ist nichts zu spüren. Die offene Bauweise dürfte vielen Ohrformen entgegenkommen und bleibt hygienisch, weil nichts im Ohr steckt. Für Brillenträgerinnen und Brillenträger eignet sich das Clip-Design gut, da der Gehörgang frei bleibt. Eine IP55-Zertifizierung schützt vor Staub, Schweiß und Regen. Austauschbare Silikonaufsätze gibt es bauartbedingt nicht.
Bedienung und App
Wir steuern den Kopfhörer über physische Tasten, was im Alltag problemlos funktioniert. Ein Druck startet oder pausiert die Wiedergabe und nimmt Anrufe an, zweimal Drücken regelt die Lautstärke, dreimal Drücken springt je nach Ohrhörer beziehungsweise Belegung zum nächsten oder vorherigen Titel. Langes Drücken ruft je nach Situation den Sprachassistenten auf oder lehnt einen Anruf ab. Die Belegung ist aus unserer Sicht schnell erlernt. Die Bedienelemente reagieren zuverlässig und schnell.
Deutlich mehr Möglichkeiten eröffnet die EarFun-Audio-App. Sie bietet einen Zehn-Band-Equalizer zur genauen Klanganpassung, dazu 15 Genre-Profile und sechs fertige Voreinstellungen wie Bassverstärkung. Außerdem lassen sich die Balance zwischen linkem und rechtem Ohr regeln, die Tasten neu belegen und Firmware-Updates aufspielen. Die App bietet zudem eine KI-Übersetzungsfunktion, die allerdings eine Registrierung voraussetzt; die Echtzeitübersetzung ist laut App zeitlich begrenzt kostenlos. Für ein Gerät dieser Preisklasse ist der Funktionsumfang bemerkenswert und eine große Stärke des Kopfhörers.
Klang
Klanglich liefert der EarFun Clip 2 eine gute Leistung. Die akustische Bühne wirkt breit, Instrumente und Stimmen lassen sich klar im Raum orten, und die Links-rechts-Abbildung bleibt sauber. Im 12-Millimeter-Titan-Verbundtreiber steckt die hauseigene BassSurge-Technik, die für ein offenes Modell kräftigen Bass liefert. Jeder Trommelschlag bleibt klar getrennt, ohne zu wummern oder die Mitten zuzudecken.
Die Abstimmung ist insgesamt warm, während die Höhen rund und unaufdringlich bleiben. S-Laute klingen natürlich, nichts sticht oder zischt. Bei moderater Lautstärke spielt der EarFun Clip 2 über viele Genres hinweg sauber und wenig anstrengend, Stimmen und Podcasts gibt er klar wieder. Wer ein kompatibles Android-Gerät nutzt, kann für höher aufgelöstes Bluetooth-Audio den LDAC-Codec aktivieren.
Allerdings hängt der Klang stark davon ab, wie genau der EarFun Clip 2 am Ohr sitzt: Schon minimales Verrutschen verändert vor allem die Bassintensität und die Klarheit der Stimmen deutlich. Hier lohnt es sich, nachzujustieren. Zudem bleibt der Tiefbass bauartbedingt hinter dem zurück, was geschlossene In-Ears mit abgedichtetem Gehörgang liefern.
Verbindung und Akku
Bei der Verbindung gibt es in unserem Test nichts zu beanstanden. Der EarFun Clip 2 funkt über Bluetooth 6.0, hält die Verbindung in unserem Test stabil und reicht weit durch die Wohnung. Multipoint verbindet die Ohrhörer gleichzeitig mit zwei Geräten, etwa Smartphone und Laptop, per Google Fast Pair gelingt die Kopplung mit Android besonders schnell. Für Videos und Spiele gibt es einen Modus mit geringer Latenz.
Auch beim Akku macht der EarFun Clip 2 einen guten Eindruck. Ohne LDAC hält er bis zu 11 Stunden pro Ladung und mit dem Case insgesamt rund 40 Stunden; mit dem hochauflösenden LDAC-Codec sind es bis zu 6 beziehungsweise 22 Stunden. Unser einstündiger Akkutest zeigt: Nach 60 Minuten bei mittlerer Lautstärke stehen noch 87 Prozent auf der Anzeige. Geladen wird das Case per USB-C in rund zwei Stunden, die Ohrhörer selbst in etwa einer Stunde. Alternativ lässt sich das Case induktiv per Qi-Ladepad laden.
Telefonie und Alltagstauglichkeit
Beim Telefonieren zeigt sich die deutlichste Schwäche. Vier Mikrofone mit KI-gestütztem ENC sollen Umgebungsgeräusche bei Telefonaten reduzieren, und das Telefonieren funktioniert auch: Die Verständlichkeit reicht für Anrufe im Alltag aus. An die Sprach- beziehungsweise Mikrofonqualität besserer Headsets reicht der EarFun Clip 2 allerdings nicht heran.
Im übrigen Alltag spielt die offene Bauweise ihre eigentliche Stärke aus. Weil der Gehörgang frei bleibt, nimmt man Autos, Klingeln und Warnrufe im Straßenverkehr besser wahr als mit geschlossenen In-Ears; das kann ein Sicherheitsplus beim Radfahren, Joggen oder Pendeln sein, ersetzt aber nicht die eigene Aufmerksamkeit. Im Büro bleibt man für Kolleginnen und Kollegen ansprechbar, ohne die Ohrhörer abzunehmen. Aktives Noise-Cancelling für die Wiedergabe gibt es nicht; bei Telefonaten arbeitet jedoch eine KI-gestützte Geräuschreduzierung. Zusammen mit der IP55-Zertifizierung und dem festen Sitz ergibt das einen verlässlichen Begleiter für unterwegs.
Fazit
Der EarFun Clip 2 gefällt uns im Test sehr gut. Er ist leicht, hochwertig verarbeitet und über Stunden bequem, dazu liefern App, Verbindung und Akku ein starkes Paket für die Preisklasse unter 100 Euro. Die offene Bauweise macht ihn besonders angenehm im Büro und unterwegs, weil die Umgebung hörbar bleibt. Auch klanglich liefert der Kopfhörer ein rundes Gesamtpaket.
Abstriche gibt es bei der Telefonqualität und bei der positionsabhängigen Klangabstimmung, außerdem erreicht der Tiefbass bauartbedingt nicht das Niveau geschlossener In-Ears. Für Nutzerinnen und Nutzer, die überwiegend Musik, Podcasts oder Videos hören und dabei Verkehr oder Kolleginnen und Kollegen wahrnehmen wollen, ist der EarFun Clip 2 für eine UVP von 79,99 Euro dennoch ein empfehlenswerter Open-Ear-Clip.
So testen wir Bluetooth-Kopfhörer
- +Leicht und bequem
- +Sehr gute Verarbeitung
- +Sicherer Sitz
- +Starke App-Funktionen
- +Stabile Bluetooth-Verbindung
- +Lange Akkulaufzeit
- +Kabelloses Qi-Laden möglich
- +Umgebung bleibt hörbar
- –Telefonqualität schwächelt
- –Klangqualität hängt von der Position der Hörer ab
- –Tiefbass bauartbedingt schwächer
- –Registrierung für KI-Übersetzung nötig