XGIMI Vibe One im Test: Mini-Beamer mit Akku
Mit dem Vibe One bringt XGIMI einen tragbaren Full-HD-Beamer auf den Markt, der mit integriertem Akku, Google TV und JBL-Sound gleich auf mehreren Ebenen punkten will. Das wirft eine spannende Frage auf: Kann ein Projektor, der auch ohne Steckdose funktioniert, im kompakten Format wirklich genug Helligkeit, Bildqualität und Klang liefern, um abends auf der Couch, im Garten oder unterwegs eine echte Kinoatmosphäre zu zaubern? Oder muss der Mobilitätsgewinn am Ende doch mit deutlichen Abstrichen erkauft werden?
XGIMI Vibe OneFull HD Beamer mit 1.3:1 Projektionsverhältnis, grau
XGIMI Vibe One
Design und Verarbeitung
Optisch erinnert der Vibe One eher an eine kompakte Lampe oder einen Bluetooth-Lautsprecher als an einen klassischen Beamer. Der zylindrische Korpus sitzt in einem Bügelrahmen, der gleichzeitig als Tragegriff und Aufhängung dient und über zwei Gelenke einen Neigewinkel von bis zu 160 Grad ermöglicht. Mit Außenmaßen von etwa 30,7 x 11,5 x 13,5 Zentimetern passt der Projektor in die meisten Rucksäcke und das Gewicht von rund 1,4 Kilogramm belastet das Gepäck auch nicht immens.
Bei der Verarbeitung zeigt der Vibe One ein gemischtes Bild. Das verwendete Kunststoffgehäuse wirkt im Alltag robust, an die Qualität deutlich teurerer XGIMI-Modelle reicht der 250-Euro-Projektor jedoch nicht heran. Insbesondere der Bügel, der den Beamer trägt, fällt ab: Er lässt sich mit etwas Druck verbiegen und gibt unter Belastung ein deutlich hörbares Knarzen von sich. Die Gelenke selbst halten den Projektor dafür gut in der gewählten Position. Auch die Spaltmaße könnten gleichmäßiger ausfallen.
Aufstellung und Bedienung
In Sachen Aufstellung hat XGIMI dem Vibe One eine durchdachte Mechanik mitgegeben. Der zylindrische Standfuß mit einem Durchmesser von etwa 11 Zentimetern und gummierten Elementen auf der Unterseite bietet einen sicheren Stand auf so gut wie jeder Oberfläche. Wer es noch flexibler möchte, nutzt das Stativgewinde an der Unterseite. Über die beiden Gelenke des Bügels lässt sich der Projektor um insgesamt 160 Grad neigen, sodass sich das Bild bei Bedarf sogar direkt an die Decke werfen lässt. Diese Flexibilität gehört zu den klaren Stärken des Beamers.
Direkt am Gerät bietet XGIMI nur einen kleinen An- und Ausschalter auf der Rückseite. Der Druckpunkt geht in Ordnung, die Taste fällt aber sehr knapp aus. Wer die Fernbedienung verliert, hat damit ein Problem, denn grundlegende Tasten wie Pfeile oder eine Bestätigungstaste fehlen am Gehäuse. Angesichts der kompakten Bauform ist das nachvollziehbar, ein paar Basics hätten den Bedienkomfort im Alltag aber spürbar erhöht.
Wesentlich besser fällt das Bedienerlebnis über die mitgelieferte Fernbedienung aus. Das Tastenlayout überzeugt auf ganzer Linie, alle wichtigen Funktionen wie Home, Einstellungen, Zurück, Power, Sprachsteuerung, Trapezkorrektur und Eingangsquelle sind direkt erreichbar. Besonders praktisch sind die Direktwahltasten für YouTube, Netflix und Prime Video sowie eine zusätzliche Shortcut-Taste. Optisch wirkt die Fernbedienung nicht ganz so hochwertig wie bei anderen XGIMI-Modellen und auf eine Tastenbeleuchtung verzichtet der Hersteller. In der Praxis arbeitet sie aber sehr zuverlässig.
Bei der Ersteinrichtung setzt XGIMI auf Google TV. Wer das Betriebssystem bereits aus dem eigenen Smart-Home-Setup kennt, überträgt seinen Account samt WLAN-Daten über die Google-Home-App in wenigen Schritten. Wer Google TV erstmals nutzt, hat keinen spürbaren Geschwindigkeitsvorteil gegenüber einer klassischen Einrichtung. Dank des sehr guten Autofokus und der automatischen Trapezkorrektur ist der Vibe One trotzdem in wenigen Minuten betriebsbereit.
Ausstattung und Smart-Funktionen
Beim Thema Smart-System gehört der Vibe One zu den Besten seiner Klasse. Dank Google TV stehen praktisch alle relevanten Streaming-Anbieter direkt auf dem Beamer bereit, von Netflix über Prime Video bis YouTube und Disney+. Ein zusätzlicher Streaming-Stick ist damit überflüssig, was den Kabelsalat hinter dem Beamer angenehm reduziert.
Bei den kabelgebundenen Anschlüssen muss der Vibe One dagegen Federn lassen. An Bord sind ein HDMI-Anschluss nach dem 1.4-Standard sowie ein USB-2.0-Port mit 5 Volt und 500 Milliampere. Aufgeladen wird der Akku über einen proprietären Stromanschluss. Hier hätten wir uns einen USB-C-Eingang gewünscht. Die Nutzung der meisten Powerbanks ist so nicht möglich, was die Mobilität etwas einschränkt.
Kabellos sieht die Bilanz besser aus. Der Vibe One bringt WLAN, Bluetooth, DLNA und Google Cast mit, sodass sich Inhalte vom Smartphone, Tablet oder Laptop ohne Aufwand auf die Leinwand bringen lassen. Die automatischen Einstellfunktionen gehören erwartungsgemäß zu den Highlights des Projektors. Sowohl die vertikale als auch die horizontale Trapezkorrektur arbeiten zusammen mit dem Autofokus zügig und präzise, sodass nach jedem Aufstellen ein scharfes, geometrisch korrektes Bild an der Wand steht. Vermisst haben wir lediglich eine Hinderniserkennung und einen Augenschutz.
Zur Ausstattung zählt darüber hinaus der integrierte Akku. Im Stromsparmodus reicht die Laufzeit in unserem Test für einen kurzen Film oder eine Serienfolge, sodass sich der Vibe One auch im Garten oder beim Camping-Wochenende einsetzen lässt. Sobald das Netzteil abgezogen wird, wechselt das Gerät automatisch in den Eco-Modus und reduziert die Helligkeit, um die Laufzeit zu strecken.
Besonders charmant: Ein Ambient-Light-Modus mit 8 Lichtfarben verwandelt den Standfuß in eine kleine Stimmungsleuchte und im reinen Lautsprechermodus arbeitet der Vibe One als Bluetooth-Box, ohne dass das Projektorbild aktiv sein muss.
Bild- und Tonqualität
Die Bildqualität überzeugt vor allem im abgedunkelten Raum. Wir testen den Projektor auf einer matten weißen Leinwand mit einer Distanz von 180 Zentimetern, was zu einer Bildgröße von knapp 150 Zentimetern führt. Dank der nativen Full-HD-Auflösung von 1.920 x 1.080 Pixel sieht das Bild scharf aus, kleinerer Text franst an den Rändern nur minimal aus. Bei einer mittleren Bildschirmdiagonale und etwas mehr Sitzabstand liefert der Vibe One für ein Gerät dieser Klasse eine wirklich gute Schärfe.
Bei der Helligkeit zeigt sich klar, dass die 250 ISO-Lumen primär für das abgedunkelte Wohnzimmer gedacht sind. In komplett abgedunkelter Umgebung wirkt das Bild kräftig, mit guten Farben und einem ordentlichen Kontrast. Sobald jedoch leichtes Restlicht durch die Jalousien fällt oder eine Wohnzimmerlampe eingeschaltet wird, graut das Schwarz spürbar aus und das Bild verliert deutlich an Tiefe.
Die Farbwiedergabe gefällt uns insgesamt gut. Die Farben wirken natürlich und ausgewogen, ohne zu blass oder zu übersättigt zu erscheinen. Auch bei der Bewegungsdarstellung schlägt sich der Vibe One ordentlich. Schnelle Kameraschwenks und Sportszenen kommen sauber rüber, ohne dass es zu starken Nachzieheffekten oder störendem Ruckeln kommt. Beim Gaming an der PlayStation 5 fühlt sich das Bild im abgedunkelten Wohnzimmer angenehm flüssig an.
Um auch einen guten Klang abzuliefern, greift XGIMI auf 2 Lautsprecher mit jeweils 3 Watt zurück, die mit Sound by JBL abgestimmt sind. Für ein kompaktes Gehäuse fällt das Klangbild gut aus. Vor allem die Mitten überzeugen mit einer klaren Wiedergabe, sodass Filme, Serien und Podcasts sehr gut verständlich bleiben. Der Bassbereich könnte dagegen mehr Wums vertragen.
Lautstärke und Wärme
In Sachen Lautstärke verhält sich der Vibe One angenehm zurückhaltend. Wir messen im Betrieb 38 Dezibel direkt neben dem Gerät, was für einen Projektor in dieser Bauform ein guter Wert ist. Bei absoluter Stille im Raum ist der Lüfter zwar zu hören, das Geräusch wirkt aber dezent und gleichmäßig, sodass es im Filmbetrieb meist nicht sonderlich auffällt.
Auch das Wärmemanagement gehört zu den Stärken des Beamers. Selbst nach mehr als 60 Minuten Dauerbetrieb erwärmt sich die Rückseite zwar spürbar, das Niveau bleibt aber gut im Rahmen und gibt zu keinem Zeitpunkt Anlass zur Sorge.
Fazit
Der XGIMI Vibe One ist ein cleverer, vielseitig einsetzbarer Mini-Beamer. Besonders stark zeigt er sich beim Smart-System dank Google TV mit nativem Zugriff auf alle wichtigen Streaming-Anbieter, bei der Flexibilität durch die 160-Grad-Neigung samt Stativgewinde sowie bei den automatischen Einstellfunktionen, die in wenigen Sekunden ein scharfes, geometrisch korrektes Bild auf die Leinwand zaubern. Auch der integrierte Akku, der Ambient-Light-Modus und der Bluetooth-Lautsprechermodus erweitern das Einsatzspektrum spürbar.
Bei der Bildqualität liefert der Vibe One im abgedunkelten Raum einen guten Eindruck mit scharfer Full-HD-Wiedergabe, natürlichen Farben und ordentlichem Kontrast. Sobald aber Restlicht ins Spiel kommt, gerät er an seine Grenzen. Wer den Beamer in einem hellen Wohnzimmer auch tagsüber nutzen möchte, dürfte mit den 250 ISO-Lumen nicht glücklich werden.
Bei der Verarbeitung merkt man, dass es sich um einen günstigen Einstiegsbeamer handelt. Der knarzende Bügel und die ungleichmäßigen Spaltmaße trüben das Gesamtbild leicht, ohne den Gebrauchswert ernsthaft zu schmälern. Ärgerlicher ist die fehlende USB-C-Ladebuchse: Hier hat XGIMI eine echte Chance verpasst, die Mobilität durch Powerbank-Unterstützung weiter zu pushen. Auch eine Hinderniserkennung und ein Augenschutz wären wünschenswert gewesen.
Wer einen flexibel einsetzbaren Smart-Projektor mit Akku für den dunklen Wohnzimmer-Einsatz, gelegentliche Outdoor-Sessions oder als coolen Allround-Begleiter sucht, bekommt mit dem Vibe One trotz dieser Schwächen ein stimmiges Gesamtpaket.
- +Sehr flexible Aufstellung
- +160-Grad-Neigung
- +Google TV bietet viele Streaming-Apps
- +Guter Autofokus
- +Präzise Trapezkorrektur
- +Integrierter Akku
- +Ambient-Light-Modus
- +Scharfes Full-HD-Bild
- +Natürliche Farben
- +Ordentliche Bewegungsdarstellung
- +Guter Klang
- +Leiser Betrieb
- +Gutes Wärmemanagement
- –Helligkeit sehr begrenzt
- –Materialien wirken nicht hochwertig
- –Kein Laden per USB-C möglich
- –Wenig Tasten am Gerät
- –Keine Tastenbeleuchtung bei Fernbedienung
- –Kein Augenschutz