Test: Honor 10X Lite Smartphone

Die frühere Huawei-Marke Honor gehört zwar mittlerweile nicht mehr zum chinesischen Elektronikgiganten, muss allerdings noch mit den Problemen der US-Sanktionen leben. Das könnte sich zwar in Zukunft ändern, das Honor 10X Lite kommt aber trotzdem ohne Android-Lizenz. Was das in der Praxis bedeutet und wie sich der Rest des Smartphones schlägt, klären wir im Test.

Design und Verarbeitung

Rein optisch hinterlässt das Honor 10X Lite für unseren Geschmack einen guten Eindruck. Das Smartphone ist zwar etwas klobig, kaschiert das aber geschickt durch die abgerundeten Kanten und die leicht zu den Seiten gebogene Rückseite. Letztere erstrahlt bei unserem Testgerät in glänzendem Blau und Pink. Das sieht schick aus, die von uns getestete Icelandic Frost-Variante ist allerdings in Deutschland nicht erhältlich. Hierzulande müssen sich Nutzer zwischen Emerald Green und Midnight Black entscheiden. Die Kameraeinheit auf der oberen Hälfte der Rückseite sticht deutlich hervor. Durch die abgerundeten Ecken liegt das Honor trotz der Größe angenehm in der Hand.  

Das Gehäuse besteht nahezu komplett aus Kunststoff. Gerade die Hinterseite fühlt sich aus diesem Grund nicht allzu hochwertig an. Das matte Finish ist jedoch nicht anfällig gegenüber Fingerabdrücken. Insgesamt liegt die Verarbeitungsqualität in einem guten Bereich. Front, Rahmen und Rückseite gehen bündig ineinander über. Allerdings entdecken wir das ein oder andere zu große Spaltmaß, in dem sich Staub und Schmutz sammeln können. Der Bildschirm ist nicht durch Gorilla-Glas geschützt, allerdings bringt Honor direkt eine Displayschutzfolie an. Somit ist die Vorderseite gut vor Kratzern gewappnet. Bei Druck auf die Front- und Rückseite biegt sich das Smartphone zwar nicht durch, allerdings lässt sich das Material recht leicht eindrücken. Beschädigungen an Body oder Display muss der Nutzer aber nicht fürchten. Während unserer Belastungstests hören wir kein Knacken oder Knirschen.

Die Frontkamera sitzt in einem Loch im oberen Rand des Displays. Damit erzielt das Smartphone eine insgesamt gute Screen-to-Body-Ratio. Honor selbst spricht von einem Verhältnis von 90,3 Prozent. Das macht sich in der Praxis definitiv bemerkbar. An der Unterseite ist der Rahmen mit 0,8 Zentimetern am ausgeprägtesten, der restliche beträgt gerade einmal 0,5 Zentimeter. Mit Abmessungen von 165 Millimetern in der Höhe, 77 Millimetern in der Breite und 11 Millimetern in der Tiefe fällt das 10X Lite nicht gerade kompakt aus und wirkt wie bereits erwähnt etwas klobig. Das macht sich auch beim Gewicht von circa 210 Gramm bemerkbar.

Bildschirm

Honor 10X Lite
Mit einer Pixeldichte von knapp 400 ppi punktet das Smartphone durch eine scharfe Darstellung.

Der 20:9-Bildschirm fällt mit einer Diagonale von 6,55 Zoll sehr groß aus. In Kombination mit einer Auflösung von 2400 x 1080 Pixel ergibt sich eine Pixeldichte von 394 ppi. Damit punktet das Smartphone durch eine scharfe Darstellung. Selbst aus näherer Betrachtung erkennen wir keine Bildpunkte. Die Helligkeit dürfte jedoch gerne höher sein. Selbst auf der Maximaleinstellung haben wir Probleme, das Display bei Sonneinstrahlung zu erkennen.

An der Farbwiedergabe haben wir dagegen nicht viel auszusetzen. Das Honor 10X Lite punktet durch eine recht natürliche Wiedergabe. Auch der Schwarzwert überzeugt und geht, wenn überhaupt, nur minimal ins Gräuliche über. Die Ausleuchtung ist recht gleichmäßig. Die Blickwinkelstabiliät geht in Ordnung. Aus seitlicher Betrachtung nimmt zwar die Helligkeit ab und die Farben werden leicht dumpf, Inhalte lassen sich jedoch noch erkennen. Ein dickes Lob verdienen die Einstellungsmöglichkeiten. Im Menü wählt der Nutzer, ob er lieber eine warme, kalte oder normale Farbtemperatur bevorzugt. Der Wert lässt sich jedoch auch stufenlos anpassen. Zudem integriert Honor einen E-Book-Modus, der Inhalte monochrom darstellt. Das schont die Augen.

Hardware

Honor 10X Lite
Das Honor 10X Lite dürfte gerne etwas mehr Power unter der Haube haben, der interne Speicher fällt jedoch schön groß aus.

Im Inneren werkelt der HiSilicon Kirin 710A. Der Octacore-Prozessor basiert auf dem Kirin 710, wird jedoch nicht wie dieser im 12nm-Verfahren bei TSMC gefertigt, sondern als 14nm-Variante bei SMIC in China. Dass es sich hierbei um eine Mittelklasse-CPU handelt, merkt man dem Smartphone an. Unterstützung erhält er von 4 Gigabyte LPDDR4 Arbeitsspeicher. Die Performance geht insgesamt in Ordnung, könnte aber auch für das Preissegment etwas höher sein. Das macht sich schon beim täglichen Arbeiten bemerkbar. Beim Durchstöbern der Menüs stellen wir Mikroruckler fest und es dauert teilweise etwas länger, bis Anwendungen starten. Letzteres dürfte am verwendeten eMMC-Speicher liegen. Dieser ist mit 128 Gigabyte jedoch recht üppig bemessen. Hier finden Fotos, Videos und auch Spiele ausreichend Platz. Wer trotzdem noch mehr Speicher benötigt, freut sich über einen dezidierten MicroSD-Kartenslot. Sehr schön: Dieser muss sich nicht mit dem zweiten SIM-Steckplatz streiten. Insgesamt dürften die meisten Nutzer mit der Performance gut durch den Alltag kommen.

Gaming ist mit ein paar Abstrichen ebenfalls möglich. Gerade leistungsintensive Games wie beispielsweise Asphalt 9 Legends laufen mit weniger Details und weniger Bildern pro Sekunde, was zu leichtem Dauerruckeln führt. Spielbar ist es jedoch trotzdem. Grafisch anspruchslosere Spiele laufen jedoch problemlos. Mit der mobilen Version von PlayerUnknown’s Battlegrounds hatten wir im Test beispielsweise viel Freude.  

Betriebssystem und Bedienung

Honor 10X Lite
Der Fingerabdrucksensor ist in die Standby-Taste integriert.

Die Bedienung geht insgesamt gut von der Hand. An der rechten Seite befinden sich die Lautstärke-Wippe und die Standby-Taste. Letztere ist mit dem Daumen der rechten Hand problemlos erreichbar, für das Regeln der Lautstärke müssen gerade Nutzer mit kleineren Händen vermutlich umgreifen. Der Fingerabdrucksensor ist in die Standby-Taste integriert und leistet gute Dienste. Er reagiert zügig und zuverlässig. Wer möchte, kann das Smartphone auch per Face-Unlock entsperren, hier haben wir im Test ebenfalls keine Probleme.  

Als Betriebssystem kommt grundsätzlich Android 10 zum Einsatz. Allerdings nur in der frei zugänglichen Basis-Version. Da Honor jedoch ohne Android-Lizenz auskommen muss, fehlen die bekannten Google-Apps wie YouTube, Chrome, Google Maps und nicht zuletzt der Google Play Store. Das ist sicherlich ein gravierender Nachteil, jedoch unserer Meinung nach kein KO-Kriterium. Als Navigations-Anwendung verwendet das 10X Lite Petal Maps, als App-Store kommt die Huawei App Gallery zum Einsatz. Letztere ist mittlerweile zwar schon ordentlich bestückt, bietet jedoch bei weitem noch nicht die Auswahl der Android-Variante. Wer die gewünschte Anwendung nicht findet, kann sich die meisten aber über den Browser herunterladen. Auch YouTube lässt sich natürlich als Webversion uneingeschränkt nutzen. Das fasst das Betriebssystem-Erlebnis eigentlich ganz gut zusammen. Der Nutzer muss insgesamt nur sehr wenige Einschränkungen in Kauf nehmen, dafür jedoch hin und wieder einen etwas unkomfortableren Umweg beschreiten.

Die Homescreen- und Menüstruktur ist sehr übersichtlich und schnell erlernt. Honor verwendet die hauseigene Benutzeroberfläche Magic UI in der Version 3.1. Neben der bekannten Schnellstart-Leiste am oberen Bildschirmrand kann der Nutzer noch eine Sidebar entweder auf der linken oder rechten Seite einblenden. Diese lässt sich frei mit den installierten Anwendungen bestücken. Magic UI bietet zudem zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten, wie die oben beschriebenen Display-Optionen, die deutlich über herkömmliches Android hinausgehen. Etwas Drittanbieter-Software ist vorinstalliert, diese lässt sich jedoch problemlos deinstallieren. Zudem sind bereits 5 Ordner mit App-Vorschlägen angelegt. Diese sind auf Wunsch ebenfalls schnell wieder entfernt. Wir empfinden es trotzdem als störend, das mag aber von Nutzer zu Nutzer variieren.

Kamera

Honor 10X Lite
Die Kamera ist für einen Schnappschuss bei gutem Licht zu gebrauchen.

Honor spendiert dem Honor 10X Lite eine Quad-Kamera mit KI-Unterstützung und Hybrid-Zoom. Die Einheit setzt sich aus einer 48-Megapixel-Hauptkamera, einer 8-Megapixel-Ultraweitwinkel-Kamera, einer 2-Megapixel-Macro-Linse und einem 2-Megapixel-Sensor für Tiefeninformationen zusammen. Die Hauptkamera fasst dabei immer vier Pixel zusammen, um mehr Licht einfangen zu können. Allerdings lassen sich über die Einstellungen auch die nativen 48 Megapixel verwenden. Das klingt auf dem Papier durchaus überzeugend, in der Praxis muss der Nutzer jedoch ein paar Abstriche machen. Bei guten Lichtbedingungen eignen sich die Bilder gut, um Erinnerungen in einem Schnappschuss einzufangen. Die Farbwiedergabe ist natürlich, auch wenn sie unserer Meinung nach ein wenig kräftiger hätte ausfallen dürfen. Die Detailzeichnung überzeugt ebenfalls, jede feine Nuance arbeitet die Kamera jedoch nicht heraus, was bei einem Gerät der unteren Mittelklasse auch nicht unbedingt zu erwarten ist.

Sobald die Lichtbedingungen schlechter werden, leiden die Fotos an Bildrauschen und verschluckten Details. Ein eigener Nachtmodus kann hier zwar noch etwas mehr herausholen, wirklich überzeugend sind die Aufnahmen dann aber auch nicht. Über den Blenden-Modus lassen sich schicke Tiefenunschärfe-Effekte hinzufügen. Die Software-Lösung liefert zwar häufig gute Ergebnisse, hin und wieder stellt sie jedoch zu viel oder zu wenig scharf. Die Videoqualität ist nicht berauschend. Das Smartphone nimmt nur in Full-HD-Qualität auf, Ultra HD ist nicht an Bord. Dementsprechend sind die eigenen Filme in puncto Qualität nicht mehr zeitgemäß. Zudem sind die Videos teilweise verwackelt, da eine Bildstabilisierung fehlt. Die 8-Megapixel-Frontkamera ist für ein schnelles Selfie gut geeignet.

Akku und Anschlüsse

Honor 10X Lite
Bildschirmdiagonale6,67 Zoll
Displayauflösung2.400 x 1.080 Pixel
Betriebssystem Android 10
Interner Speicher 128 GB
Die Akku-Kapazität von 5.000 mAh liest sich auf dem Papier mehr als ordentlich. Auch in der Praxis hinterlässt die Batterie keinen schlechten Eindruck. Allerdings ist der verwendete Prozessor doch ein kleiner Stromfresser. In unserem YouTube-Dauertest bei voller Helligkeit muss das Smartphone nach 7 – 8 Stunden wieder an die Steckdose. Damit sollte der Nutzer bei normaler Verwendung problemlos durch den Tag kommen. Geladen wird das Smartphone per USB-C-Schnittstelle. Dank 22,5-Watt-Quick-Charge vergehen knapp 100 Minuten, bis die Batterie wieder voll ist. Kabelloses Laden unterstützt das Honor 10X Lite nicht.  

Erfreulicherweise hält Honor noch am 3,5-Millimeter-Klinkenstecker-Anschluss fest. Dieser befindet sich genau wie der Ladeanschluss und der Lautsprecher auf der Unterseite. An der Drahtlos-Front ist Bluetooth in der Version 5.1 und NFC integriert. Die Mono-Lautsprecher verrichten insgesamt einen guten Job, Wunder sollte der Nutzer aber natürlich nicht erwarten.

Fazit

Das Honor 10X Lite hat es nicht einfach. Obwohl die Marke nicht mehr zu Huawei gehört, muss es trotzdem noch mit vielen Einschränkungen leben. Gerade die fehlende Android-Lizenz dürfte viele Nutzer vom Kauf abschrecken. Dabei müssen sie auf die wenigsten Funktionen oder Anwendungen verzichten, teilweise nur einen Umweg gehen. Zudem bietet das Smartphone ein durchaus überzeugendes Preis-Leistungs-Verhältnis. Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 229 Euro reiht es sich in die untere Mittelklasse ein, teilweise ist es auch schon deutlich günstiger zu haben. Dafür punktet es durch ein optisch ansprechendes Design, eine gute Verarbeitung und ein scharfes Display. Die Performance könnte allerdings auch in diesem Bereich etwas besser sein, gerade bei alltäglichen Aufgaben. Die Kamera macht bei gutem Licht ansehnliche Schnappschuss-Aufnahmen – nicht mehr und nicht weniger. Die Akkulaufzeit liegt in einem guten Bereich.

Wertung

: Honor 10X Lite

Honor 10X Lite
  1. Verarbeitung und Design
    1,7
    • Bildschirm
      2,0
      • Hardware, Betriebssystem und Bedienung
        3,0
        • Kamera
          2,0
          • Akku und Anschlüsse
            2,5

            Pros

            • Gute Verarbeitung
            • Gutes Display
            • 48-Megapixel-Kamera für Schnappschüsse gut geeignet
            • Gute Akkulaufzeit
            • Großer interner Speicher
            • Optisch ansprechendes Design

            Cons

            • Fehlende Android-Lizenz
            • Hardware könnte besser sein