Natural Expressions Performance 7 im Test: Ohne Begrenzungsdraht mähen, wenn die Kamera den Rasen findet
Natural Expressions ist bislang vor allem für Gartenmöbel bekannt. Mit dem Performance 7 steigt die Marke nun in den Markt für Mähroboter ein. Das Gerät kommt ohne Begrenzungsdraht und ohne Referenzstation aus und verlässt sich bei Navigation und Kartierung auf Kameras und KI. Ob das reicht, um eine ganze Rasenfläche lückenlos zu erfassen, zeigt unser Praxistest.
Natural Expressions Performance 7
Design und Verarbeitung
Der Performance 7 misst 61,7 × 36,5 × 29,3 Zentimeter und bringt 10,2 Kilogramm auf die Waage. Das Gehäuse besteht überwiegend aus Kunststoff, wirkt aber robust: Wenn wir Druck darauf ausüben, gibt nichts nach und nichts knarzt. Gemessen an der UVP von 999,99 Euro fällt die Verarbeitung gut aus.
Gegen Nässe ist der Mähroboter gut gerüstet. Der Hersteller gibt IPX6 an, was Schutz gegen starkes Strahlwasser bedeutet. Setzt Regen ein, fährt der Performance 7 im Test automatisch zur Station zurück und nimmt die Arbeit später wieder auf.
Lieferumfang und Einrichtung
Im Karton liegen der Mähroboter, die Basisstation samt Dach, ein Schrauben-Set mit Innensechskantschlüssel, Erdschrauben und Befestigungselementen, ein Klingen-Set mit 9 Ersatzklingen und 9 Schrauben sowie Benutzerhandbuch und Kurzanleitung. Damit ist alles an Bord, was der erste Mähgang braucht. Die Garage, die bei vielen Herstellern als Zubehör extra kostet, gehört hier bereits zum Lieferumfang und ist ein praktischer Zusatz.
Die Einrichtung gelingt sehr schnell. Weil weder ein Begrenzungsdraht verlegt noch eine Referenzstation für Satellitennavigation aufgestellt werden muss, beschränkt sich der Aufbau auf das Verschrauben der Station und die Kopplung mit der App. Kurzanleitung und Benutzerhandbuch führen logisch und detailliert durch die Schritte und lassen bei uns keine Fragen offen. Nach weniger als 15 Minuten fährt der Performance 7 das erste Mal los.
Ausstattung
Der Performance 7 navigiert rein über Kameras. 3 Kameras an der Front liefern das Bild, aus dem der Roboter seine Karte in Echtzeit aufbaut; die Technik dahinter nennt der Hersteller V-SLAM, eine Kartierung aus dem laufenden Kamerabild. Begrenzungsdraht und Satellitenempfang braucht er nicht. Als empfohlene Rasenfläche nennt der Hersteller 500 Quadratmeter, dazu bis zu 20 Zonen, 18 Zentimeter Schnittbreite und eine Schnitthöhe von 20 bis 60 Millimetern. Angetrieben wird der Roboter über 2 Räder, die maximale Steigung gibt der Hersteller mit 32 Prozent beziehungsweise 18 Grad an.
Gesteuert wird der Mähroboter über die App AuraMow. Bei unserem Testgerät läuft die Anbindung über WLAN; ein Mobilfunkmodul ist nicht verbaut. Wer eine Rasenfläche außerhalb der Router-Reichweite nutzt, muss also selbst für ausreichende WLAN-Abdeckung sorgen. Die App bietet Live-Karte mit Positionsanzeige, Zonenverwaltung, Sperrzonen, einen einstellbaren Bahnabstand und Mähmuster, Zeitpläne, manuelle Fernsteuerung per Joystick, regelbare Mähgeschwindigkeit, Regensensor, Wildtierschutz mit Nachtausschluss, Push-Benachrichtigungen, automatische Firmware-Updates, Live-Kamerabild, Zugang für mehrere Nutzer, Wartungserinnerungen, Mähhistorie sowie einstellbare Startpunkte und Pfadreihenfolgen.
Beim Diebstahlschutz kommen PIN-Abfrage, Ortungsfunktion und ein Geofence dazu, also ein virtueller Zaun, der beim Verlassen des Bereichs Alarm auslöst. Hinzu kommt eine Klingelfunktion, mit der sich der Roboter akustisch orten lässt. Da unser Testgerät kein Mobilfunkmodul besitzt, ist die Fernverbindung außerhalb der WLAN-Reichweite entsprechend eingeschränkt. Auf der Sicherheitsseite sind Stopp-Taste am Gerät, Kippsensor, Aufhebsensor, Kindersicherung mit Tastensperre, Kollisionssensor und eine Alarmfunktion bei unbefugtem Anheben an Bord.
App und Bedienung
Im Alltag macht die App eine sehr gute Figur. Der Aufbau ist übersichtlich, die wichtigen Funktionen liegen wenige Fingertipps auseinander, und wir stoßen auf keine Funktion, die nicht hält, was sie verspricht. Die Verbindung zum Roboter steht über den gesamten Test hinweg, Befehle setzt das Gerät ohne merkliche Verzögerung um. Abbrüche oder zähe Ladezeiten erleben wir nicht.
Hilfreich sind auch die Fehlermeldungen. Sie nennen in der App und am Gerät konkrete Ursachen statt kryptischer Codes, sodass sich kleinere Störungen ohne Blick ins Handbuch beheben lassen.
Etwas weniger rund läuft die Mähplanung. Zeitpläne und mehrere Zonen legen wir verständlich an und passen sie problemlos nachträglich an, einzelne Einstellungen kosten aber mehr Arbeitsschritte als nötig. Ähnlich fällt die Direktbedienung am Gerät aus: Start, Stopp, Mähhöhe und Heimfahrt sind ohne Smartphone erreichbar und arbeiten im Test fehlerfrei, alles Weitere läuft ausschließlich über die App.
Beim Diebstahlschutz lässt sich dem Performance 7 im Test wenig vorwerfen. PIN, Ortungsfunktion und Geofence arbeiten innerhalb der bestehenden WLAN-Verbindung zuverlässig, und wer den Roboter unbefugt anhebt, löst den Alarm aus.
Navigation und Kartierung
Die Karte legt der Roboter selbst an. Er fährt die Fläche ab und erfasst sie automatisch, ohne dass wir ihn per App an den Grenzen entlangsteuern müssen. Das erspart den mühsamsten Teil der Inbetriebnahme, klappt im Test aber nicht durchgängig. Wo der Rasen dicht steht, erkennt die Kamera die Fläche verlässlich. Bei lückigem Bewuchs oder sichtbar durchscheinendem Boden erfasst der Performance 7 Bereiche dagegen teilweise nicht als Teil der Mähfläche. Das Ergebnis ist eine Karte, die den Garten nicht vollständig abbildet, und das ist die deutlichste Schwäche des Geräts.
Bemerkenswert ist, wie der Performance 7 damit umgeht. Die Karte bleibt nicht statisch, sondern verändert sich im laufenden Betrieb: Mitten im Test kartiert und mäht der Roboter plötzlich Stellen, die er bei der ersten Erfassung übersehen hat. Die Karte korrigiert sich also teilweise von selbst, nur eben erst nach mehreren Mähgängen statt sofort.
Deutlich besser funktioniert die Hinderniserkennung. Die im Test vorhandenen Hindernisse erkennt der Roboter zuverlässig und weicht ihnen frühzeitig aus; zu Kollisionen kommt es nicht. Genauso sicher findet er zur Ladestation zurück, ohne Suchfahrten und ohne Umwege. Festgefahren hat er sich während des gesamten Tests kein einziges Mal, weder an Kanten noch in feuchtem Gras.
Schwächer läuft es an Engstellen. Den 80 bis 100 Zentimeter breiten Durchgang in unserem Testgarten meistert der Performance 7, bei noch enger zulaufenden Passagen tut er sich merklich schwerer. Wer mehrere Teilflächen über solche Verbindungen anbinden will, sollte vorher nachmessen.
Sicherheit im Betrieb
Unsere Igel-Attrappe erkennt der Performance 7 in allen 3 Durchgängen und umfährt sie, ohne sie zu berühren. Das Zeitfenster, das Mähen bei Dämmerung und in der Nacht unterbindet, richten wir in der App ohne langes Suchen ein.
Die mechanischen Sicherheitsfunktionen reagieren ebenso prompt. Heben wir den Roboter an oder kippen ihn zur Seite, stehen die Klingen sofort still. Die Stopp-Taste sitzt gut erreichbar und greift jedes Mal, der PIN-Schutz ist durchdacht umgesetzt. Auch Kollisionssensor, Tastensperre und die automatische Rückfahrt zur Station bei Regen funktionieren im Test zuverlässig. Die von uns geprüften Sicherheitsfunktionen arbeiten damit ohne Auffälligkeiten.
Mähleistung und Schnittbild
Auf den erfassten Flächen liefert der Performance 7 ein sehr sauberes Schnittbild. Streifen oder schwankende Schnitthöhen finden wir nicht. Weil die Kartierung aber Bereiche auslässt, bleiben im Garten Stellen stehen, die das Gesamtbild stören. Über die komplette Rasenfläche betrachtet wirkt das Ergebnis deshalb uneinheitlich, obwohl die eigentliche Mähqualität auf den erfassten Bereichen deutlich besser ist.
Innerhalb der kartierten Zonen arbeitet der Roboter systematisch. Er fährt die Fläche vollständig ab, dauerhaft ausgesparte Bereiche gibt es dort nicht. Auch an den Rand kommt er nah heran: Der stehenbleibende Randstreifen liegt unter 5 Zentimetern, nachtrimmen müssen wir nur selten. Den Kantenschnitt fährt der Performance 7 wahlweise automatisch bei jedem Mähgang mit oder auf Wunsch als separaten Modus. Voraussetzung dafür ist aber erneut, dass der Roboter die Kanten richtig kartiert. Hier hatten wir im Test ebenfalls Probleme.
Die Grasnarbe nimmt dabei keinen Schaden. Sichtbare Reifenspuren hinterlässt der Mähroboter trotz seines Gewichts nicht, und beim Wenden dreht er nicht auf der Stelle, sondern setzt in mehreren Zügen zurück, sodass die Räder den Rasen nicht abschaben. Die Schnitthöhe stellen wir mechanisch direkt am Gerät mit wenigen Handgriffen ein. Die gewählte Höhe hält der Performance 7 über die gesamte Fläche konstant.
Steigungen nimmt der Performance 7 sicher. Die Hänge in unserem Testgarten bewältigt er ohne Durchdrehen oder Abrutschen.
Lautstärke im Betrieb
Im normalen Mähbetrieb messen wir mit unserer Messapp seitlich in 1 Meter Abstand rund 55 dB(A). Damit lässt sich der Garten nutzen, während der Roboter arbeitet; als Hintergrundgeräusch fällt er kaum auf. Ganz überhören lässt er sich aber nicht.
Reinigung und Wartung
Die Pflege ist der unkomplizierteste Teil des Tests. Zum Reinigen drehen wir den Mähroboter einfach um: Das Mähwerk liegt frei zugänglich, Grasreste fegen wir mit einer Bürste ab, und dank IPX6 darf auch der Gartenschlauch ran. Einen Hochdruckreiniger sollte man dafür laut Hersteller nicht verwenden. Gehäuse und Ladestation sind glatt genug, dass sich kaum Schmutz festsetzt.
Der Messerwechsel ist in wenigen Minuten erledigt. Der nötige Innensechskantschlüssel liegt bei, Spezialwerkzeug braucht es nicht, und die Klingen sind von der Unterseite her gut erreichbar. Auch der Akku ist kein Fall für die Werkstatt, er lässt sich ohne großen Aufwand entnehmen und tauschen.
Folgekosten und Verschleißteile
Abo- oder Softwarekosten entstehen beim Performance 7 nicht. Weder die Navigation noch Cloud- oder App-Funktionen hängen an einem kostenpflichtigen Abo, und für Kartenverwaltung oder Fernzugriff verlangt der Hersteller keine Gebühr. Für das Hauptgerät nennt der Hersteller 2 Jahre Garantie, für den Akku leider nur 1 Jahr. Das mitgelieferte Klingen-Set reicht für mehrere Wechsel. Einen Satz Ersatzklingen gibt es für etwa 20 Euro. Aus unserer Sicht sehr fair.
Fazit
Der Natural Expressions Performance 7 macht im Einsatz vieles richtig: Er erkennt Hindernisse früh und sicher, umfährt unsere Igel-Attrappe in jedem Durchgang, findet ohne Umwege zur Ladestation zurück und fährt sich im gesamten Test kein einziges Mal fest. Dazu kommen eine Einrichtung in unter 15 Minuten ohne Draht und Referenzstation, eine stabile und sehr gut sortierte App sowie eine Wartung, die sich auf Umdrehen, Abfegen und gelegentliches Klingenwechseln beschränkt. Die große Schwäche liegt bei der Kartierung: Bei lückigem Bewuchs oder sichtbar durchscheinendem Boden erfasst der Performance 7 Bereiche im Test teilweise nicht als Teil der Mähfläche. Ungemähte Stellen sind die Folge. Dass die Karte sich mit der Zeit nachbessert und übersehene Bereiche später doch noch erfasst, entschärft das Problem, löst es aber nicht.
Der Performance 7 bietet Kamera-Navigation ohne Begrenzungsdraht, umfangreiche Diebstahlschutzfunktionen, Wetterschutz nach IPX6 und keine Abokosten. Seine Stärken spielt er vor allem auf überschaubaren, dicht bewachsenen Rasenflächen aus. Bei lückigem Bewuchs, ausgefransten Übergängen zu Beeten oder vielen schmalen Verbindungswegen zeigt die kamerabasierte Kartierung im Test dagegen klare Grenzen.
- +Schnelle Einrichtung ohne Draht
- +Zuverlässige Hinderniserkennung
- +Stabile und übersichtliche App
- +Kein Festfahren im Test
- +Einfache Reinigung und Wartung
- –Erkennt Flächen mit lückigem Rasen oft nicht
- –Fernzugriff nur per WLAN
- –Mähplanung etwas umständlich