EZVIZ EP4 Türspion im Test: Smarte Türkamera zum Nachrüsten
Besucherinnen und Besucher sehen und mit ihnen sprechen, ohne aufzustehen oder überhaupt zu Hause zu sein: Was lange vor allem Videotürklingeln vorbehalten war, bringt der EZVIZ EP4 in den klassischen Türspion. Das kabellose Gerät ersetzt das analoge Guckloch durch eine hochauflösende Kamera außen und ein Touchdisplay innen, ganz ohne feste Verkabelung. Ob die Nachrüstlösung im Alltag an die Qualität fest installierter Türklingelkameras heranreicht? Wir machen den ausführlichen Praxistest.
EZVIZ EP44K WLAN Türspion mit 5,5-Zoll-Farbbildschirm, 155° Weitwinkel, 7,100mAh Akku, KI-Personenerkennung, PIR Sensor, Silber
EZVIZ EP4
Design und Verarbeitung
Der EZVIZ EP4 ist wertig und robust verarbeitet. Gehäuse und Materialien überzeugen uns, die Bauteile passen perfekt zusammen und auch Kanten und Oberflächen sind sehr gut verarbeitet.
Das Innendisplay samt Basis misst 10,3 × 14,2 × 2,8 Zentimeter. Die Außeneinheit fällt mit 7,2 × 7,2 Zentimetern und gut 5 Zentimetern Tiefe nicht gerade dezent aus. Nutzerinnen und Nutzer sollten dementsprechend vorher prüfen, ob an der Tür genügend Platz ist.
Installation und Montage
Der EP4 ist für Türstärken von 35 bis 105 Millimetern geeignet. Ein bereits vorhandenes Spionloch muss einen Durchmesser zwischen 14 und 50 Millimetern haben. Wenn noch kein Loch vorhanden ist, muss vor der Montage gebohrt werden.
Die Montage gehört zu den großen Pluspunkten. In rund 7 Minuten haben wir Außenkamera und Innendisplay angebracht und über die EZVIZ-App eingerichtet. Das mitgelieferte Montagematerial passt sehr gut, und auch der Rückbau ist sauber gelöst. Die App- und WLAN-Einrichtung läuft reibungslos, lediglich die gedruckte Anleitung fällt sehr klein aus und ist dadurch mühsam zu lesen.
Einen Punkt sollten Interessierte vor dem Kauf allerdings bedenken: Der EP4 unterstützt WLAN nach 802.11b/g/n ausschließlich im 2,4-GHz-Band; 5-GHz-Netze bleiben außen vor. Für den Betrieb sind außerdem ein EZVIZ-Konto und eine bestehende Netzwerkverbindung nötig.
Bedienung und Funktionen
Wir bedienen den EP4 wahlweise direkt am 5,5-Zoll-Farb-Touchscreen auf der Innenseite oder über die kostenlose App. Beides funktioniert flüssig. Im Alltag glänzt vor allem die Reaktionsschnelligkeit: Klingelt jemand oder löst der Bewegungssensor aus, erscheinen Benachrichtigungen im Test sehr schnell, und das Livebild startet ohne nennenswerte Verzögerung. Auch die WLAN-Verbindung bleibt durchgehend stabil. Das Gegensprechen über die App klappt einwandfrei, sodass wir auch aus der Ferne mit Personen vor der Tür sprechen.
Auch der Funktionsumfang überzeugt: Mehrere Nutzer mit eigenen Rechten und Gastzugriffen lassen sich sauber verwalten, und die Smart-Home-Anbindung ist gelungen umgesetzt. Abschreckungsfunktionen wie Sirene und Licht erfüllen ihren Zweck. Kleinere Schwächen bleiben die etwas leise Türklingel und der Umstand, dass keine Speicherkarte beiliegt.
Bild und Ton
Die Bildqualität gehört zu den größten Stärken des EP4. Tagsüber liefert die Kamera ein klares, sehr scharfes Bild mit weitem Blickwinkel, der den Bereich vor der Tür zuverlässig abdeckt. Gesichter und Pakete lassen sich beispielsweise problemlos erkennen. Laut Hersteller deckt der Spion ein diagonales Sichtfeld von 160 Grad ab. Die maximale Auflösung gibt EZVIZ mit 3840 × 2160 Pixeln an und bewirbt sie als 4K. Bei Nacht schaltet die Kamera auf Infrarot um und liefert weiterhin eine überzeugende Qualität. Allerdings ist das Bild dann infrarottypisch schwarz-weiß und zeigt leichte Schleier beziehungsweise etwas weniger Kontrast.
Bei der Tonqualität gibt es wenig zu bemängeln. Mikrofon und Lautsprecher klingen klar und keineswegs billig, die Übertragung ist nur minimal verzögert. Nutzerinnen und Nutzer sollten jedoch prüfen, ob und wann Ton aufgezeichnet wird, da Tonaufnahmen rechtlich deutlich sensibler sind als reine Videoübertragungen.
Aufzeichnung, Speicher und Erkennung
Die Personen- und Bewegungserkennung arbeitet im Test zuverlässig. Der EP4 kombiniert KI-gestützte Personenerkennung mit PIR-Bewegungserkennung und kann zudem bekannte Gesichter wiedererkennen. Eine aktive Objektverfolgung wie bei schwenkbaren Kameras bietet der fest verbaute Türspion nicht. Praktisch finden wir, dass der EP4 nicht nur beim Klingeln aufzeichnet, sondern auch, wenn jemand einfach an der Tür vorbeigeht.
Wichtig bei digitalen Türspionen: Vor dem Einsatz sollten Nutzerinnen und Nutzer den Erfassungsbereich datenschutzkonform begrenzen, insbesondere in Mehrfamilienhäusern und bei gemeinsam genutzten Fluren. Die Kamera sollte nicht dauerhaft oder anlasslos Gemeinschaftsflächen, Nachbarn oder öffentliche Bereiche erfassen.
Beim Speicher gibt es zwei Wege. Lokal unterstützt der EP4 microSD-Karten mit bis zu 512 Gigabyte. Allerdings liegt keine Karte bei. Alternativ steht der Cloud-Dienst EZVIZ CloudPlay bereit: Die kostenlose Testphase läuft bis zu 30 Tage. Danach kostet der 7-Tage-Verlauf 4,99 Euro pro Monat für eine Kamera, der 30-Tage-Verlauf 9,99 Euro. Für bis zu 4 Kameras nennt EZVIZ 7,49 beziehungsweise 14,99 Euro monatlich. Für die Einbindung in andere Systeme stehen zudem die Standards RTSP und ONVIF bereit, was die Kamera auch für ambitioniertere Smart-Home-Setups interessant macht.
Stromversorgung und Anschlüsse
Die Stromversorgung übernimmt ein wiederaufladbarer Akku mit 7.100 mAh, ein fester Anschluss an der Tür entfällt also. Erfreulich: Selbst bei maximaler Auflösung bleibt der Energieverbrauch im Test gering.
Die deutlichste Schwäche des Geräts liegt bei den Kabeln. Das mitgelieferte Ladekabel ist sehr kurz, ein Netzteil fehlt obendrein. Mehr Sorge bereitet uns aber das Datenkabel zwischen Kamera und Display: Es sitzt sehr beengt im Display und wird bei jedem erneuten Aufsetzen wieder eingeklemmt. Ob das Kabel diese Belastung langfristig schadlos übersteht, können wir nach dem Testzeitraum noch nicht beurteilen. Der eigentliche Anschluss sitzt dagegen stabil.
Fazit
Der EZVIZ EP4 gefällt uns im Test insgesamt sehr gut. Er macht aus einem gewöhnlichen Türspion eine sehr funktionsreiche smarte Türkamera. Er punktet mit einer sehr guten Bild- und Tonqualität, zuverlässiger Personenerkennung, blitzschnellen Benachrichtigungen und einer Montage, die in wenigen Minuten erledigt ist. Die App ist durchdacht, Gegensprechen und Smart-Home-Anbindung funktionieren reibungslos.
Unsere Kritikpunkte: Eine Speicherkarte liegt nicht bei, das eingeklemmte Datenkabel zwischen Kamera und Display weckt Zweifel an der Langlebigkeit, und die Nachtsicht ist minimal ausbaufähig. Auch die große Bauform des Außenmoduls und die Beschränkung auf 2,4-GHz-WLAN sollten vor dem Kauf bedacht werden. Für private Haushalte, die den Erfassungsbereich rechtlich sauber begrenzen können und eine unkomplizierte, funktionsreiche Nachrüstlösung suchen, ist der EP4 zum Preis von rund 200 Euro dennoch eine klare Empfehlung.
So testen wir Digitale Türspione mit Kamera
- +Wertige Verarbeitung
- +Schnelle Montage
- +Reibungslose App-Einrichtung
- +Flüssige Bedienung
- +Schnelle Benachrichtigungen
- +Stabile WLAN-Verbindung
- +Klare Bildqualität
- +Starker Weitwinkel
- +Gute Nachtsicht
- +Klare Tonqualität
- +Zuverlässige Personenerkennung
- +Lokaler Speicher möglich
- +Gute Smart-Home-Anbindung
- –Keine Speicherkarte im Lieferumfang
- –Kein Netzteil im Lieferumfang
- –Kurzes Ladekabel
- –Türklingel etwas leise
- –Großes Außenmodul
- –Nur 2,4-GHz-WLAN
- –Nachtsicht etwas kontrastarm