EarFun Wave Pro X im Test: Wie gut sind Klang, ANC und Akkulaufzeit?
Zwei Treiber pro Ohrmuschel, Unterstützung für verlustfreie Bluetooth-Übertragung und eine außergewöhnlich lange Akkulaufzeit: Solche Eckdaten gab es bei kabellosen Over-Ears bisher vor allem in der Oberklasse. Der EarFun Wave Pro X bringt sie in die Mittelklasse und hat dazu eine aktive Geräuschunterdrückung mit 8 Mikrofonen. Ob der Kopfhörer im Alltag hält, was das Datenblatt verspricht, haben wir geprüft.
EarFun Wave Pro X
Verarbeitung
Der Wave Pro X ist ein faltbarer Over-Ear-Kopfhörer mit hybrider, adaptiver Geräuschunterdrückung (ANC). Auf unserer Waage zeigt er 260 Gramm, zusammengeklappt misst er etwa 18 × 20 × 6 Zentimeter. EarFun nennt für den deutschen Markt eine unverbindliche Preisempfehlung von 149,99 Euro.
Die Verarbeitung ist sehr gut. Das Gehäuse besteht überwiegend aus Kunststoff. Die Metallplatten an den Außenseiten der Ohrmuscheln und die metallischen Bügelaufhängungen sorgen für einen hochwertigen Eindruck. Ohrpolster und die Innenseite des Bügels sind mit weichem Kunstleder bezogen, die Oberseite des Bügels mit Stoff. Die Spaltmaße sind gleichmäßig, alle Teile sitzen fest, und scharfe Kanten finden wir nicht. In der Hand fühlt sich der Kopfhörer sehr solide an. Trotz des vergleichsweise niedrigen Preises vermittelt der Kopfhörer einen hochwertigen und robusten Eindruck.
Ausstattung
Zum Lieferumfang gehören ein Hardcase, ein USB-A-auf-USB-C-Kabel und ein Audiokabel mit 3,5-Millimeter-Klinke. Neben der analogen Verbindung unterstützt der Kopfhörer auch die digitale Audiowiedergabe über USB-C. Über das Klinkenkabel lässt sich der Kopfhörer auch mit kompatiblen Audiointerfaces oder Unterhaltungssystemen im Flugzeug verbinden. Bei manchen Flugzeugen ist dafür ein zusätzlicher Adapter erforderlich. Weiteres Zubehör, etwa einen Flugzeugadapter oder einen USB-C-auf-USB-C-Adapter, gibt es nicht, das Zubehör fällt damit knapp aus.
Das Case misst 22 × 23 × 6,5 Zentimeter, schützt den Kopfhörer gut und passt problemlos in einen Rucksack. Beim Auspacken nehmen wir einen leichten Kunststoffgeruch wahr. Die Kabel verstauen wir in einem kleinen Innenfach, das nur mit einem Klettband gesichert ist. Ein Fach mit Deckel würde die Kabel zuverlässiger festhalten. Die Ohrpolster lassen sich nicht wechseln. Da Kunstleder mit der Zeit rissig werden kann, ist das ein Nachteil für die langfristige Nutzung. In der Ausstattung ist das der größte Minuspunkt.
Tragekomfort und Bedienung
Der Kopfhörer sitzt sicher und rutscht auch bei schnellen Kopfbewegungen nicht. Auf- und Absetzen, Verstellen des Bügels und Zusammenklappen gehen leicht von der Hand. Auch nach längerem Tragen sitzt er noch gut. Mit einer Mütze darunter können die Bügel allerdings drücken, was im Winter auf dem Weg zur Arbeit stören kann.
Bedient wird der Wave Pro X über physische Tasten: einen Ein-/Aus-Schalter, 2 Tasten für die Lautstärke und eine Funktionstaste. Nach kurzer Eingewöhnung finden wir die Tasten blind. Physische Tasten haben gegenüber Touchflächen einen Vorteil: Beim Zurechtrücken des Kopfhörers lösen wir nicht versehentlich eine Funktion aus.
Die EarFun-App bietet einen 10-Band-Equalizer mit Klangvoreinstellungen, einen parametrischen Equalizer für detailliertere Anpassungen, mehrere ANC-Modi, eine anpassbare Tastenbelegung, Multipoint und eine automatische Abschaltung. Hinzu kommen ein Gaming-Modus und eine KI-Übersetzungsfunktion. Für einige erweiterte Funktionen ist ein Nutzerkonto erforderlich. Die Echtzeitübersetzung ist nach einer Probephase kostenpflichtig.
Bluetooth und Akku
Der Kopfhörer funkt per Bluetooth 6.0. Neben den Bluetooth-Audiocodecs SBC und AAC unterstützt der Kopfhörer auch LDAC, aptX Adaptive, aptX Lossless und LC3. Hinzu kommt Auracast, mit dem sich Audiosignale kompatibler Sender empfangen lassen. Codecs bestimmen, wie viel Klanginformation per Funk übertragen wird. Für die hochauflösenden Codecs benötigt der Kopfhörer ein kompatibles Abspielgerät, etwa ein geeignetes Android-Smartphone oder einen entsprechenden Bluetooth-Sender. Die verlustfreie Übertragung mit aptX Lossless setzt außerdem passende Hardware voraus. Am iPhone erfolgt die gewöhnliche Bluetooth-Musikwiedergabe über AAC.
Die Verbindung zum iPhone steht im Test sofort und läuft ohne Aussetzer oder Stottern. Auch mit zunehmendem Abstand zum iPhone bleibt die Bluetooth-Verbindung in unserer Testumgebung stabil. Über Multipoint lässt sich der Kopfhörer gleichzeitig mit 2 Geräten verbinden, etwa mit Smartphone und Laptop. Der Wechsel funktioniert in unserem Test gut. Für die gleichzeitige Verbindung muss allerdings LDAC deaktiviert werden.
Beim Akku überzeugt der Wave Pro X. Bei höchster ANC-Stufe läuft er in unserem Test 51 Stunden und 30 Minuten. EarFun gibt bis zu 50 Stunden mit ANC und bis zu 90 Stunden ohne ANC an. Mit 51 Stunden und 30 Minuten liegt unser Messergebnis bei höchster ANC-Stufe knapp über der Herstellerangabe. Bei 2 Stunden Musik pro Tag reicht eine Akkuladung rechnerisch für knapp 26 Tage, also fast 4 Wochen. Ist der Akku doch einmal leer, liefern 15 Minuten Laden laut Hersteller Strom für etwa 10 Stunden.
Klang
Technik und Abstimmung
Der Wave Pro X arbeitet mit einem Aufbau, den man bei Over-Ears selten findet. In jeder Ohrmuschel sitzen 2 Treiber koaxial, also auf einer gemeinsamen Achse: ein 40-Millimeter-Tieftöner mit DLC-Membran (diamantähnlicher Kohlenstoff) für Bass und Mitten und ein 10-Millimeter-Hochtöner mit LCP-Membran (Flüssigkristallpolymer) für die Höhen. Durch die Aufteilung in Tieftöner und Hochtöner soll jeder Treiber gezielt den Frequenzbereich übernehmen, für den er ausgelegt ist. EarFun verspricht sich davon eine präzisere Klangwiedergabe.
In unserem Hörtest wirkt die Abstimmung ausgewogen. Der Bass drängt sich nicht zu stark in den Vordergrund, während Stimmen und Instrumente natürlich klingen. Wer einen kräftigeren Tiefton bevorzugt, kann über den Equalizer in der App nachhelfen.
Ortung und Bühne
Mit unserem ersten Testsignal prüfen wir die Stereoabbildung: Ein Ton wandert vom rechten Kanal über die Mitte nach links und zurück. Der Wave Pro X folgt dieser Bewegung sehr genau, ohne Sprünge und ohne Lücke in der Mitte. Beide Kanäle wirken im Hörtest gleich laut, und wir können die Klangquelle über die gesamte Stereobreite präzise orten.
Beim zweiten Testsignal geht es um die akustische Bühne, also darum, wie breit und tief der Klangraum wirkt und wie gut sich einzelne Instrumente darin verorten lassen. Hier liefert der Kopfhörer gute Ergebnisse. Die Instrumente stehen klar getrennt voneinander. Die Klangbühne wirkt im Vergleich zur präzisen Ortung eher kompakt. Ein ausgeprägter räumlicher Eindruck entsteht daher nicht.
Beim Orchesterstück zeigt sich, wie gut der Kopfhörer beides zusammenbringt. Streicher, Bläser und Pauken bleiben auch bei vollem Orchester sauber voneinander getrennt, leise Passagen gehen nicht unter, und laute Einsätze verzerren nicht. Dieser Allround-Test gelingt sehr gut.
Bass
Für den Bass nutzen wir 2 Testsignale. Das erste prüft die Kontur: Tiefe Töne folgen schnell aufeinander. Weniger präzise Kopfhörer können diese nicht mehr sauber voneinander trennen, sodass der Bass verwaschen klingt. Der Wave Pro X hält die Töne gut auseinander, der Bass bleibt konturiert und kontrolliert. Das zweite Signal prüft, ob der Bass bei hoher Lautstärke dröhnt oder Druck auf den Ohren erzeugt. Auch hier schneidet der Kopfhörer gut ab: Der Tiefton bleibt sauber, ohne aufzudicken. Bei schnellen Bassfolgen bleiben die Töne gut unterscheidbar, auch wenn die Wiedergabe nicht in jeder Passage vollkommen präzise wirkt.
Mitten und Höhen
Das fünfte Testsignal prüft den Hochton, vor allem Zischlaute wie S und Sch in Gesangsaufnahmen. Viele Kopfhörer betonen diesen Bereich, um detailreicher zu wirken, und klingen dadurch auf Dauer scharf. Der Wave Pro X gibt die Höhen klar wieder, ohne Zischlaute übermäßig zu betonen oder unangenehm scharf klingen zu lassen. Die Mitten mit Stimmen und Gitarren klingen natürlich.
Genres
Bei Hip-Hop testen wir mit „Ruff Ryders Anthem“ von DMX. Der Track lebt von einem harten Beat und tiefen Bässen unter einer kräftigen Stimme. Der Kopfhörer gibt ihn gut wieder: Der Bass hat Druck, ohne die Stimme zu überdecken.
„Levitating“ von Dua Lipa steht für modernen Pop mit dichter Produktion, pulsierendem Bass und vielen Effekten. Auch hier liefert der Wave Pro X ein gutes Ergebnis, die Stimme bleibt im Mittelpunkt.
Bei elektronischer Musik mit „Go“ von The Chemical Brothers kommt es auf Tempo und schnelle Basslinien an. Der Kopfhörer hält mit und spielt gut. Wer bei elektronischer Musik ein besonders kräftiges Bassfundament sucht, sollte im Equalizer nachhelfen.
Am besten gefällt uns der Wave Pro X bei Rock. „Everlong“ von den Foo Fighters mit verzerrten Gitarren, treibendem Schlagzeug und viel Energie klingt sehr gut. Gitarren, Schlagzeug und Gesang bleiben auch in den lauten Passagen klar getrennt.
Sprache
Bei Podcasts und Hörbüchern ist die Sprachverständlichkeit sehr gut. Stimmen klingen klar und natürlich, auch bei niedriger Lautstärke verstehen wir jedes Wort.
Insgesamt bietet der Wave Pro X ein gutes, stimmiges Klangbild. Ortung, Orchester, Rock und Sprache gelingen ihm sehr gut, bei Bass, Bühne und den übrigen Genres liefert er gute Ergebnisse. Für diesen Preis ist das eine sehr ausgewogene Leistung ohne echte Schwachstelle.
Geräuschunterdrückung und Telefonie
Die aktive Geräuschunterdrückung nutzt laut Hersteller 8 Mikrofone und passt sich der Umgebung an. Gleichmäßige Geräusche wie Motorbrummen, Lüfterrauschen oder das Summen einer Klimaanlage dämpft sie gut. Der Transparenzmodus lässt Umgebungsgeräusche gezielt durch, damit man etwa eine Durchsage hört, ohne den Kopfhörer abzusetzen. Er klingt sehr natürlich, Stimmen wirken nicht blechern.
Eine Schwäche fällt uns aber auf: Berühren wir versehentlich die Außenmikrofone an den Ohrmuscheln, etwa beim Zurechtrücken, ist ein deutliches Kratzen zu hören.
Als Headset überzeugt der Wave Pro X. In ruhiger Umgebung versteht uns das Gegenüber sehr gut, und auch Hintergrundgeräusche filtert das Mikrofon beim Telefonieren sehr gut heraus. Für Videocalls im Homeoffice ist der Kopfhörer damit gut geeignet.
Fazit
Der EarFun Wave Pro X ist sehr gut verarbeitet, sitzt sicher und klingt für uns ausgewogen. Er ortet sehr präzise, trennt die Instrumente sauber, hat einen kontrollierten Bass und angenehm zurückhaltende Höhen. Bei Rock, Orchester und Sprache spielt er sehr gut, in den übrigen Disziplinen gut. Im Laufzeittest hält er bei maximaler Geräuschunterdrückung über 51 Stunden durch. Die Bluetooth-Verbindung ist stabil, Multipoint funktioniert, und beim Telefonieren ist die Sprachqualität sehr gut.
Abstriche gibt es bei den nicht wechselbaren Ohrpolstern, beim knappen Zubehör und beim Kratzgeräusch, wenn man die Mikrofone berührt. Die Klangbühne bleibt eher kompakt, und mit Mütze kann der Bügel drücken. Für rund 150 Euro ist der Wave Pro X ein guter Over-Ear für alle, die keine In-Ears tragen möchten und Wert auf ausgewogenen Klang, lange Akkulaufzeit und viele Codecs legen.
So testen wir Bluetooth-Kopfhörer
- +Sehr gute Verarbeitung
- +Sicherer Sitz
- +Ausgewogener Klang
- +Kontrollierter Bass
- +Klare Sprachwiedergabe
- +Lange Akkulaufzeit mit ANC
- +Stabile Bluetooth-Verbindung
- +Natürlicher Transparenzmodus
- +Umfangreicher App-Equalizer
- –Nicht wechselbare Ohrpolster
- –Eher kompakte Klangbühne
- –Kratzgeräusche bei Mikrofonberührung