Beurer EM 56 im Test: Wie gut ist das TENS-/EMS-Reizstromgerät?
Reizstromgeräte stehen längst nicht mehr nur in Physiotherapiepraxen. Viele nutzen sie inzwischen zu Hause, um verspannte Muskeln zu lockern oder sich einfach massieren zu lassen. Strom auf der Haut braucht allerdings Vertrauen: Die Stärke muss sich fein regeln lassen, und die Anleitung muss klar zeigen, wo die Elektroden hingehören. Wie gut das Beurer EM 56 diese Anforderungen erfüllt, haben wir im Alltag ausprobiert.
Beurer EM 56 Elektrostimulationsgerät mit 22 Programmen und 50 Intensitätsstufen zur Schmerzlinderung und Muskelregeneration
Beurer EM 56: Produktdetails
Lieferumfang und Verarbeitung
Das Beurer EM 56 vereint 2 Verfahren in einem Gerät. TENS steht für transkutane elektrische Nervenstimulation: Schwache Stromimpulse wirken über die Haut auf die Nerven, Beurer bewirbt sie zur medikamentenfreien Schmerzlinderung. EMS, die elektrische Muskelstimulation, bringt Muskeln gezielt dazu, sich zusammenzuziehen. Dazu kommen 22 Programme: 9 für TENS, 8 für EMS und 5 für Massageanwendungen. Die Intensität lässt sich in 50 Stufen auf 2 Kanälen getrennt einstellen.
Im Karton liegen das Gerät, 2 Anschlusskabel, 4 selbstklebende Elektroden mit 45 × 45 Millimetern, ein Gürtelclip, 3 Batterien der Größe AAA und die Gebrauchsanweisung. Mit Abmessungen von 6,5 × 13,1 × 2,7 Zentimetern ist das Gerät handlich genug, um es während einer Anwendung neben sich abzulegen oder mit dem Gürtelclip zu tragen.
An der Verarbeitung gibt es nichts zu bemängeln. Gehäuse, Tasten und Anschlüsse sind sauber gefertigt, die Stecker sitzen fest in den Buchsen. Auch die Anschlusskabel machen einen ordentlichen Eindruck. Knickstellen, beschädigte Isolierungen oder Kontaktprobleme stellen wir während des gesamten Testzeitraums nicht fest. Alle Teile sind in der Verpackung ordentlich verstaut.
Einrichtung und Programmwahl
Vom Auspacken bis zum ersten laufenden Programm vergehen bei uns 4 Minuten. Wie Kabel, Elektroden und Gerät miteinander verbunden werden, erschließt sich auch ohne Anleitung. Für die korrekte Platzierung der Elektroden müssen wir dagegen die Gebrauchsanweisung zurate ziehen. Nach kurzem Ausprobieren sind auch die Einstellungen am Gerät fast selbsterklärend.
Die Gebrauchsanweisung liegt in mehreren Sprachen bei. Die Elektrodenpositionen zeigt Beurer in einem ausklappbaren Deckel. Hier sehen wir die größte Schwäche des Pakets: Die Abbildungen sind sehr klein und schwer zu erkennen. Wo genau die Pads sitzen sollen, ist nicht immer eindeutig. Auch die Nummern neben den Bildern, die wir später für die Programmwahl brauchen, sind winzig gedruckt. Dass sie fortlaufend angeordnet sind, hilft immerhin bei der Orientierung.
Die Programme selbst listet die Anleitung übersichtlich in Tabellen auf, samt Körperregion und Dauer. Für die Einrichtung von TENS am Knie, die Auswahl eines Massageprogramms für den hinteren Nackenbereich und EMS am Oberschenkel benötigen wir jeweils rund 2 Minuten. Am Bauch dauert die Elektrodenplatzierung 3 Minuten, weil die Stelle sehr kitzlig ist und sich die Pads dort schwerer anbringen lassen. Wir empfinden das Anbringen an dieser Stelle als unangenehm; besonders kitzlige Menschen könnten ähnliche Schwierigkeiten haben. Hilfreich ist das Display: Es zeigt zum gewählten Programm bildlich an, für welche Körperstelle es gedacht ist. Dadurch greifen wir nach den ersten Tagen nur noch selten zur Anleitung.
TENS und EMS im Praxistest
Für die eigentliche Stimulationsprüfung konzentrieren wir uns auf TENS am Knie und EMS am Oberschenkel, jeweils in 3 kurzen Durchgängen. Wir verwenden ausschließlich Körperstellen, die die Anleitung für die jeweilige Anwendung vorsieht. Ob die Stimulation Schmerzen lindert oder Muskeln aufbaut, bewerten wir nicht. Das lässt sich in einem Produkttest nicht seriös messen. Im Mittelpunkt stehen Bedienung, Kontrolle über die Stimulation, Elektroden und Sicherheit.
Alle 3 TENS-Durchgänge verlaufen ohne unerwartete Unterbrechungen oder auffällige Reizspitzen. Beim Ausschalten endet die Stimulation unmittelbar. Die beiden getesteten TENS-Programme sind klar zu unterscheiden. Das erste erzeugt ein gleichmäßiges, schnelles Kribbeln. Das zweite pikst langsamer, wirkt auf derselben Stufe aber stärker. In den unteren Stufen ist das Kribbeln nicht unangenehm. Ab Stufe 12 empfinden wir die Stimulation als zunehmend unangenehm und reduzieren die Intensität deshalb wieder. Bis Stufe 10 fühlt sich der Reiz bei unseren Anwendungen durchweg angenehm an.
Insgesamt lässt sich die Intensität gut dosieren. Eine Balkenanzeige im Display stellt die gewählte Stärke dar. Besonders deutlich nehmen wir die Steigerung beim Wechsel von Stufe 11 auf 12 wahr. Gleichzeitig erscheint ein weiterer Balken im Display. Bei unserer Anwendung fällt dieser Übergang vergleichsweise kräftig aus.
Auch die 3 EMS-Durchgänge verlaufen gleichmäßig, mit regelmäßigen, leichten Muskelkontraktionen. Das erste EMS-Programm spannt den Muskel gleichmäßig an und hält die Kontraktion kurz. Das zweite wechselt zwischen mehreren Mustern: einer kribbelnden Phase wie bei TENS, einer langsam ansteigenden, einer pulsierenden und einer länger gehaltenen Kontraktion. Diese Abwechslung empfinden wir als sehr entspannend, fast wie eine Massage. An die Kontraktionen muss man sich zunächst gewöhnen. Bis Stufe 12 sind sie angenehm, darüber fühlen sie sich ungewohnt an, aber weder schmerzhaft noch unangenehm. Nach einzelnen intensiveren EMS-Anwendungen spüren wir ein leichtes Muskelkatergefühl. Ob dieses ausschließlich durch die Elektrostimulation entsteht, lässt sich nicht sicher feststellen.
Die beiden Kanäle mit jeweils 2 Elektroden lassen sich getrennt und zuverlässig regeln. Beim Wechsel zwischen den Kanälen verlieren wir nie den Überblick, welche Seite wir gerade verstellen.
Bedienung während der Sitzung
Das EM 56 kommt mit 7 Tasten aus. Die große runde Taste in der Mitte schaltet das Gerät ein und aus und bestätigt Eingaben. Mit 2 Richtungstasten navigieren wir durch die Menüs, wählen Programme und bei Bedarf den gewünschten Kanal aus. Das Display zeigt dabei die vorgesehene Körperregion für die Elektrodenplatzierung an. Plus und Minus regeln die Intensität. Eine weitere Taste dient zum Zurückspringen und zum Speichern eines Favoritenprogramms. Die siebte Taste sitzt an der Seite und aktiviert die Tastensperre. Das Einschalten, die Programmwahl, die Intensitätseinstellung und das Sperren der Tasten gelingen uns auf Anhieb. Auch beim Wechsel zwischen den Kanälen unterlaufen uns keine Fehlbedienungen.
Das beleuchtete Display ist logisch aufgebaut und unter unseren Testbedingungen gut lesbar. Programm, Stärke und Restzeit sehen wir auf einen Blick. Nach 30 Sekunden ohne Eingabe schaltet sich die Beleuchtung laut Anleitung automatisch ab und lässt sich per Tastendruck wieder aktivieren. Zusätzlich beobachten wir den Betrieb über 25 Minuten hinweg. In diesem Zeitraum treten keine Unterbrechungen oder Fehlermeldungen auf.
Eine laufende Stimulation können wir jederzeit über die Ein-/Aus-Taste pausieren. Über das Menü lässt sich anschließend ein anderes Programm auswählen, dessen Laufzeit wieder von vorn beginnt. Bei der Fortsetzung stellen wir die gewünschte Intensität erneut ein. Das Ende einer Anwendung kündigt ein einzelner Signalton an. Wer sich dabei gerade unterhält oder fernsieht, überhört ihn leicht.
Die Tastensperre arbeitet zuverlässig. Wir nehmen das Gerät mehrfach während einer Sitzung in die Hand und legen es wieder ab, ohne dass sich Programm oder Intensität verändern. Außerdem bietet das Gerät ein Favoritenprogramm, das sich beim nächsten Einschalten direkt aufrufen lässt. Ein Therapiespeicher dokumentiert die bisherige Anwendungsdauer in Stunden und Minuten.
Elektroden, Tragekomfort und Batterien
Beim ersten Mal lassen sich die Pads nur schwer von der Transportfolie lösen. Mit jeder Anwendung wird das leichter, ohne dass die Klebkraft nachlässt. Das Aufkleben gelingt problemlos. Überrascht hat uns das Abziehen: Anders als bei Pflastern ziept es nicht. Hautreizungen beobachten wir bei moderater Anwendung nicht.
Nach 15 Minuten sitzen alle 4 Elektroden fest, kein Rand löst sich. Nach 5 Anwendungen an 2 Tagen ist die Haftung unverändert, Nachdrücken ist nie nötig. Für unsere Bewertung betrachten wir die Haftung bis zur vom Hersteller festgelegten Nutzungsgrenze von 20 Anwendungen. Innerhalb dieses Zeitraums bleiben die Pads sicher an der Haut und ihre Ränder liegen weiterhin sauber an. Beurer schreibt vor, die Elektroden spätestens nach 20 Anwendungen auszutauschen; bei nachlassender Haftkraft auch früher. Eine vorsichtige Reinigung nach Anleitung sowie eine Anwendung der Elektroden auf gereinigter Haut helfen, die Haftung innerhalb der vorgesehenen Nutzungsdauer zu erhalten. Dabei achten wir darauf, dass sich das Gel nicht ablöst. Pads und Kabel lassen sich nachkaufen.
Während der Anwendung stören weder Kabel noch Gerät. Hinsetzen und Aufstehen klappen ohne Zug an den Elektroden, das Gerät bleibt immer gut erreichbar. Auch die Batterien halten lange durch. Nach mehr als 30 Anwendungen laufen noch die ersten, die Anzeige steht inzwischen auf 1 von 3 Balken. Aussetzer oder Unterbrechungen hatten wir im gesamten Test nicht.
Sicherheit
Jede Stimulation beginnt kontrolliert, und beim Ausschalten endet der Reiz sofort. Unerwartete Impulse oder Sprünge beim Programmwechsel bemerken wir nicht. Zusammen mit der Tastensperre vermittelt uns das ein gutes Gefühl der Kontrolle. Eine auffällige Erwärmung des Geräts oder Hautreaktionen beobachten wir während unserer Anwendungen nicht. Eine umfassende medizinische Sicherheitsprüfung ersetzt der Praxistest allerdings nicht.
Warnhinweise und Elektrodenpositionen erklärt die Anleitung. Feste Grenzwerte für die Intensität an einzelnen Körperstellen nennt Beurer nicht. Stattdessen hängt die passende Einstellung unter anderem von der Hautbeschaffenheit, dem Elektrodenkontakt und dem Anwendungsort ab. Die Stimulation soll spürbar sein, darf aber keine unangenehmen Empfindungen oder Schmerzen auslösen. Vor der ersten Anwendung müssen die Gegenanzeigen sorgfältig geprüft werden. Beurer untersagt die Nutzung unter anderem bei Herzschrittmachern und bestimmten anderen Implantaten, während einer Schwangerschaft sowie bei Epilepsie. Auch der vordere Brustkorb und der vordere Halsbereich sind für die Elektrodenplatzierung ausgeschlossen. Bei Beschwerden oder Vorerkrankungen sollte vorab ärztlicher Rat eingeholt werden.
Zusätzlich verfügt das EM 56 laut Hersteller über eine Überwachung des Elektrodenkontakts. Sitzt eine Elektrode nicht richtig, lässt sich die Intensität des betroffenen Kanals nicht weiter erhöhen; Anzeige und Kanal-LED weisen auf die schlechte Verbindung hin. Löst sich eine Elektrode während der Anwendung, reduziert das Gerät die Intensität dieses Kanals auf die niedrigste Stufe.
Fazit
Das EM 56 überzeugt uns mit unkomplizierter Bedienung, gut lesbarem Display und 2 separat regelbaren Stimulationskanälen. TENS und EMS arbeiten im Test gleichmäßig, die Programme unterscheiden sich spürbar, und die Tastensperre schützt vor unbeabsichtigten Eingaben. Die Elektroden haften bis zur vom Hersteller vorgesehenen Nutzungsgrenze von 20 Anwendungen zuverlässig und lassen sich ohne unangenehmes Ziehen entfernen. Auch Verarbeitung und Batterien hinterlassen einen positiven Eindruck.
Schwächen zeigen sich vor allem bei den winzigen Positionsgrafiken in der Anleitung. Zudem empfinden wir einzelne Intensitätssprünge als vergleichsweise kräftig, und den Signalton am Sitzungsende überhören wir leicht. Insgesamt gefällt uns das Reizstromgerät aber sehr gut.
Praxistest im Testsieger.de-Produkttester-Programm · Getestet von Tobias, Produkttester · Testprodukt vom Hersteller kostenlos zur Verfügung gestellt · So testen wir Reizstromgeräte ohne Wärmefunktion
- +Saubere Verarbeitung
- +Handliches Gehäuse
- +Schnelle Inbetriebnahme
- +Gut lesbares Display
- +Zwei getrennt regelbare Kanäle
- +Gleichmäßige TENS-Stimulation
- +Kontrollierbare EMS-Stimulation
- +Zuverlässig haftende Elektroden
- –Winzige Elektroden-Grafiken in Anleitung
- –Pads anfangs schwer abzulösen