VEVOR Profi WLAN-Wetterstation 7-in-1 im Test: Wie genau misst das Wettercenter mit Solarsensor?
Private Wetterstationen sind schon lange mehr als ein Thermometer auf der Fensterbank. Allein das Netzwerk von Weather Underground umfasst nach eigenen Angaben mehr als 250.000 persönliche Wetterstationen weltweit. Inzwischen bieten auch vergleichsweise günstige Komplettsets Messungen von Wind, Regen und UV-Index. Wie genau so ein Set misst, zeigt sich allerdings erst im Praxiseinsatz und im Vergleich mit geeigneten Referenzwerten. Genau das haben wir mit der Profi-Wetterstation von VEVOR über eine Woche hinweg geprüft.
VEVOR Profi WLAN-Wetterstation 7-in-1
Ausstattung und Messumfang
Die Station besteht aus einem Außensensor im 7-in-1-Format und einer Basisstation mit 7,5-Zoll-Farbdisplay. Der Außensensor misst Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeit, Windrichtung, Niederschlag, UV-Index und Lichtintensität. Die Basisstation erfasst zusätzlich Luftdruck sowie Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Raum. Aus den Messwerten berechnet die Station unter anderem Windchill, Hitzeindex, gefühlte Temperatur und Taupunkt. Dazu kommen eine druckbasierte Wetterprognose für die kommenden 6 bis 12 Stunden, Min- und Max-Werte, einstellbare Wetteralarme, die Mondphase sowie Datum und Uhrzeit. Das Modell trägt die Bezeichnung YT60234 und kostet etwa 80 Euro.
Der Messumfang ist sehr groß und deckt alle wichtigen Wetterdaten ab. Alle aktuellen Werte zeigt die Basisstation direkt an, eine Internetverbindung braucht sie dafür nicht. Auch Min- und Max-Werte und die Regendaten lassen sich lokal abrufen. Über WLAN im 2,4-Gigahertz-Band schickt die Station ihre Messdaten auf Wunsch an Weather Underground oder Weathercloud. Weather Underground und Weathercloud stellen die Messwerte als Verlauf dar. Weathercloud erlaubt darüber hinaus beispielsweise den Export als CSV-Datei.
Eine eigene App von VEVOR gibt es nicht. Eine zeitlich aufgelöste Langzeithistorie speichert die Basisstation selbst jedoch ebenfalls nicht. Lokal stehen vor allem Min- und Max-Werte sowie verschiedene Niederschlagssummen zur Verfügung. Wer längere Verläufe sehen will, ist also auf die externen Dienste angewiesen. Die Prognose auf dem Display fällt eher grundlegend aus. Beim Messumfang und bei der Datennutzung ist die Ausstattung damit gut, aber nicht ohne Lücken.
Montage und Einrichtung
Im Karton liegt alles, was wir für den Aufbau brauchen: Außensensor, Regentrichter, Windfahne, Schalenkreuz für die Windgeschwindigkeit, Montagestangen, Halterung, Netzteil und sogar ein kleiner Schraubendreher. Montiert ist der Sensor allerdings noch nicht. Windmesser, Windfahne und Regenmesser müssen wir selbst anbringen und zum Teil verschrauben. Beigelegt sind eine bebilderte Kurzanleitung und eine ausführliche Anleitung auf Englisch. Eine deutsche Fassung gibt es nur online, und die ist so schlecht übersetzt, dass sie uns an manchen Stellen eher verwirrt als hilft. Einige Montageschritte bleiben deshalb unklar. Für den Aufbau brauchen wir rund 45 Minuten. Montage und Anleitung ordnen wir deshalb nur als durchschnittlich ein.
Die Inbetriebnahme klappt dagegen sehr gut. Nach der Montage richten wir die Außeneinheit mithilfe der integrierten Libelle waagerecht aus, drehen den Regensammler nach Norden und das Solarpanel nach Süden. Den Neigungswinkel des Solarpanels stellen wir passend zu unserem Standort ein. Nachdem wir die Basisstation eingesteckt haben, finden sich beide Geräte automatisch, ohne dass wir etwas koppeln müssen. Die Station zeigt sofort Messwerte an. Solange sie nicht mit dem WLAN verbunden ist, müssen wir Datum und Uhrzeit allerdings von Hand einstellen.
Für die WLAN-Verbindung halten wir die BARO-Taste länger gedrückt, dann öffnet die Station ein eigenes Funknetz. Mit dem Smartphone oder Laptop verbinden wir uns damit, rufen im Browser eine IP-Adresse auf und erledigen dort die restliche Einrichtung, zum Beispiel die Zugangsdaten für den Heimrouter und für Weather Underground.
Display und Bedienung
Das Farbdisplay ist übersichtlich aufgebaut, kontrastreich und gut ablesbar. Die Helligkeit stellen wir mit einer Taste an der Basisstation in 4 Stufen ein, das geht schnell und ohne Umwege. Die Bedientasten an der Basisstation reagieren im Test zuverlässig.
Nicht jede Einstellung erschließt sich so leicht. Für Datum und Uhrzeit müssen wir die SET-Taste länger halten und uns dann durch die Funktionen klicken. Ohne Blick in die Anleitung kommen wir hier nicht weiter, und die hilft wegen der Sprachprobleme nur bedingt. Insgesamt ist die Bedienung trotzdem gut und wird nach den ersten Tagen zur Routine.
Messgenauigkeit
Für den Test befestigen wir den Außensensor an einer frei stehenden Stange. Die Basisstation steht rund 10 Meter entfernt im Keller.
Temperatur und Luftfeuchtigkeit messen wir an 10 Zeitpunkten. Die Station zeigt die Werte nur mit minimaler Abweichung zu unseren Referenzmessungen. Dementsprechend können wir hier ein sehr gutes Ergebnis attestieren. Auch der absolute Luftdruck stimmt zu allen Zeitpunkten weitgehend überein. Bei den Innenwerten der Basisstation sehen wir über den gesamten Testzeitraum nur minimale Unterschiede zur Referenz. Auch hier überzeugt uns die Genauigkeit.
Bei der Windrichtung stimmen ebenfalls alle Vergleiche ungefähr mit unserer Referenz überein. Die Windgeschwindigkeit dagegen zeigt die Station tendenziell etwas höher an. Dabei ist die VEVOR fast immer innerhalb der Toleranzgrenze, nur einmal ist sie etwas deutlicher darüber. Der Hersteller gibt unter 5 Metern pro Sekunde eine Genauigkeit von ±0,5 Metern pro Sekunde an; ab 5 Metern pro Sekunde beträgt die Toleranz ±10 Prozent. Die Windanzeige reagiert dabei vergleichsweise träge. Während unser Referenz-Anemometer Änderungen im Luftstrom kontinuierlich abbildet, hält die VEVOR einen Wert häufig längere Zeit und springt anschließend auf die nächste Stufe. Für Durchschnittswerte ist das unkritisch, kurzfristige Änderungen und Böen werden dadurch aber weniger fein dargestellt.
Die Niederschlagsmessung stufen wir nach unserem Niederschlagstest als sehr gut ein. Wir simulieren 10 mm Regen in 3 Durchgängen. Das Mittel liegt dabei bei 10,3 mm. VEVOR gibt für die Regenmenge eine Toleranz von 7 Prozent an. Dementsprechend liegen unsere Messungen im Toleranzbereich. UV-Index und Lichtintensität haben wir mit externen Messdaten auf Plausibilität geprüft. Die Werte wirken auch hier insgesamt stimmig.
Funk und Zuverlässigkeit
Der Keller, in dem die Basisstation steht, hat sehr dicke Wände. Trotzdem steht die Verbindung zum Außensensor sofort, und auch an anderen Stellen im Haus gibt es keine Probleme. Die Übertragung läuft über 868 Megahertz, VEVOR verspricht bis zu 150 Meter Reichweite bei freier Sicht. So große Abstände haben wir allerdings nicht geprüft.
Im Dauerbetrieb über 7 Tage beobachten wir keinen einzigen Verbindungsabbruch und müssen den Sensor nie neu koppeln. Funkverbindung und Zuverlässigkeit sind damit sehr gut.
Verarbeitung und Wartung
Außensensor und Basisstation bestehen aus einer Mischung von ABS- und Polycarbonat-Kunststoff. Der Kunststoff wirkt etwas billig, und die Verarbeitung könnte hochwertiger sein. Stabil ist die Konstruktion trotzdem. In den 7 Tagen im Freien bricht nichts, und es löst sich nichts. Bei der Schutzart macht VEVOR widersprüchliche Angaben: In der Spezifikation der deutschen Produktseite steht IPX7, im Beschreibungstext dagegen IPX6. Der Außensensor misst rund 41 × 40 × 37 Zentimeter, die Basisstation 19,2 × 12,7 × 2,9 Zentimeter. Das Set wiegt 1,35 Kilogramm.
Um die Stromversorgung der Außenstation müssen wir uns im Alltag nicht kümmern. Der Außensensor nutzt einen 3,6-Volt-NiMH-Akku mit 2.000 Milliamperestunden, der über das Solarpanel nachgeladen wird. Während unseres siebentägigen Tests bleibt die Stromversorgung durchgehend stabil. Die Basisstation hängt am Netzteil. Für den Fall, dass wir sie kurz ausstecken, gibt es ein Fach für 3 AAA-Batterien, die nicht mitgeliefert werden. Einen eingebauten Akku hat die Basisstation nicht, was bei diesem Preis in Ordnung ist.
Fazit
Die VEVOR Profi WLAN-Wetterstation 7-in-1 misst Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftdruck und Windrichtung im Test auf einem ähnlichen Niveau wie unsere Referenz, und auch die Innenwerte stimmen. Die Windgeschwindigkeit liegt häufig etwas höher als die Vergleichswerte. Mit Wind, Regen, UV und Licht in einem Sensor ist der Messumfang für diesen Preis sehr groß. Die Funkverbindung hält selbst aus einem dicht gebauten Keller heraus eine Woche lang ohne Unterbrechung, und das Farbdisplay ist gut ablesbar. Dank Solarpanel und Akku braucht der Außensensor kaum Pflege.
Schwächen zeigt die Station vor dem ersten Messwert. Die Montage dauert rund 45 Minuten, die beigelegte Anleitung gibt es nur auf Englisch, und die deutsche Online-Fassung hilft wenig. Für Verläufe und Auswertungen braucht es Weather Underground oder Weathercloud, eine eigene App fehlt. Wer diesen Aufwand in Kauf nimmt, bekommt eine umfangreich ausgestattete Wetterstation, die in unserem einwöchigen Praxistest zuverlässig arbeitet.
- +Sehr genaue Temperaturmessung
- +Präzise Feuchtigkeits- und Druckwerte
- +Sehr gute Niederschlagsmessung
- +Stabile Funkverbindung
- +Keine Aussetzer im Dauertest
- +Umfangreicher Messumfang
- +Gut ablesbares Farbdisplay
- +Zuverlässiger Solarbetrieb
- +Automatische Sensor-Kopplung
- –Etwas umständlicher Aufbau
- –Schlecht übersetzte deutsche Anleitung
- –Träge Windgeschwindigkeitsanzeige
- –Einfache Kunststoffverarbeitung