Tineco FLOOR ONE Station S9 Artist im Test: Lohnt sich die Station mit Wasserautomatik?
Wischsauger nehmen einem das Nachwischen ab, bei größeren Flächen können ihre vergleichsweise kleinen Gerätetanks jedoch mehrere Stopps am Wasserhahn nötig machen. Genau hier setzt Tineco an: Die Station des FLOOR ONE Station S9 Artist fasst 5 Liter Wasser und befüllt das Gerät automatisch. Wir prüfen auf Fliesen, in Fugen und mit eingetrocknetem Ketchup, wie viel Komfort die Wasserautomatik im Alltag tatsächlich bringt.
Tineco FLOOR ONE Station S9 ArtistNass-Trocken-Sauger mit 5L Frischwasserstation, 230 W, 22.000 pa Saugleistung, 110° Heißluft-Trocknung
Tineco FLOOR ONE Station S9 Artist
Design und Verarbeitung
Schon beim ersten Anfassen wirkt das Gerät seiner hohen Preisklasse angemessen. Materialien, Bauweise und Stabilität überzeugen im Test, die Übergänge sind sauber gefügt, nichts knarzt oder wirkt nachgiebig. Auch die Station macht hier keine Ausnahme. Diese ist ebenfalls robust und wirkt hochwertig. Der Sauger misst 110 × 26,5 × 24,5 Zentimeter und wiegt 6 Kilogramm. Damit ist er kein Leichtgewicht und benötigt samt Station einen festen Platz.
Station und Ausstattung
Der Frischwassertank im Gerät selbst hat ein Volumen von 0,85 Litern, der Schmutzwassertank fasst 0,81 Liter. Der Wassertank der Station fasst zusätzlich 5 Liter. Sobald der Frischwassertank leer ist, stellen wir das Gerät hinein und die Station füllt Wasser mit Raumtemperatur automatisch nach. Per Knopfdruck starten wir alternativ die Heißwasserbefüllung. Kein Gang zum Wasserhahn, kein Hantieren über dem Waschbecken. Bei größeren Flächen spart das spürbar Zeit und Nerven. Die Station reinigt außerdem die Wischwalze mit heißem Wasser und trocknet sie anschließend. Der FlashDry-Modus trocknet die Bürstenrolle innerhalb von 5 Minuten mit Heißluft. SilentDry arbeitet mit höchstens 45 dB(A) deutlich leiser und eignet sich daher besser für den Abend.
Der Rest der Ausstattung ist umfangreich. Ein Display zeigt Modus, Akkustand und Tankzustände auf einen Blick. Der iLoop-Sensor passt Wasserabgabe und Saugleistung automatisch an den Verschmutzungsgrad an. Die Reinigungslösung geben wir zuvor gemäß Anleitung manuell in den Frischwassertank. Für hartnäckige Stellen gibt es die HydroBurst-Sprühfunktion mit Hochdruckstrahl. Gegen Schlieren arbeitet ein Schaber, der sich beim Vorschieben anhebt und beim Zurückziehen absenkt. Dazu kommen eine Dreifach-Kantenreinigung, eine Freistehfunktion und eine App, über die sich das Gerät steuern lässt. Im Karton liegen Reinigungswerkzeug, Reinigungslösung, ein Trockenfilter und eine zusätzliche Bürstenrolle. Eine zweite Ersatzwalze oder ein weiterer Ersatzfilter hätten den Lieferumfang noch aufgewertet.
Bedienung und Handhabung
Vier Programme stehen zur Wahl: Auto, Max, Suction und Quiet. Die Tasten sitzen gut erreichbar am Griff, haben einen sauberen Druckpunkt und reagieren direkt. Ganz von selbst erklärt sich die Bedienung allerdings nicht. Mit den Symbolen muss man sich beim ersten Mal kurz auseinandersetzen. Viel Zeit kostet das aber nicht. Nach dem ersten Einsatz ist die Bedienung jedoch schnell verinnerlicht. Ein Blick in die Anleitung schadet zu Beginn trotzdem nicht. Das Begleitheft erklärt alle wichtigen Funktionen verständlich.
Im Betrieb führt sich der Sauger angenehm. Die SmoothDrive-Technik unterstützt beim Vor- und Zurückschieben, sodass die 6 Kilogramm kaum auf die Arme gehen. Auch durch Kurven und um Möbelbeine lässt sich der Sauger gut führen. Der Saugkopf misst rund 9 Zentimeter Höhe. Zwar lässt sich das Gerät dank des Lay-flat-Gelenks fast waagerecht ablegen, sodass wir bequem unter Möbel fahren, aber nur, wenn der Abstand zum Boden hoch genug für den Saugkopf ist. Unter flache Sideboards oder niedrige Betten kommt man damit nicht. Wer viele niedrige Möbel hat, sollte vorher nachmessen.
Saugen und Wischen
Beim Saugen und Wischen zeigt das Gerät seine größte Stärke. Groben Schmutz nimmt es auf Hartboden ebenso zuverlässig auf wie feinen Staub. Auf freien, ebenen Hartbodenflächen bleibt nach einem Durchgang kaum Dreck liegen. Auch beim Wischen überzeugt es bei leichten Verschmutzungen: Der Boden wird sauber, trocknet zügig und bleibt streifenfrei.
Bei hartnäckigen Flecken muss man etwas mitarbeiten. Eingetrockneten Ketchup entfernt der Sauger vollständig, benötigt dafür jedoch mehrere Züge oder die HydroBurst-Funktion. Das Ergebnis stimmt danach. Die Reinigung dauert lediglich etwas länger. An Ecken und Kanten arbeitet die Dreifach-Kantenreinigung ebenfalls stark. Groben Schmutz holt sie zuverlässig heraus. Bei feineren Partikeln bleibt gelegentlich etwas am Rand liegen, und wir setzen neu an, um näher an die Kante zu kommen.
Eine Eigenheit zeigt sich bei tiefen Fugen. Dort sammelt sich stellenweise mehr Wasser als auf glattem Boden, und je nach Verschmutzung bleibt auch Schmutz zurück. Mehrmaliges Drüberfahren beseitigt die Rückstände. Wer viele Fugen hat, sollte dafür jedoch zusätzliche Zeit einplanen. Einen klassischen Trockensaugmodus für Staub und Krümel bietet das Gerät nicht. Im Suction-Modus nimmt es jedoch Wasser von nassen Flächen auf, ohne zusätzlich Frischwasser abzugeben. Für Teppiche ist der Station S9 Artist nicht vorgesehen. Wir prüfen ihn daher ausschließlich auf versiegelten Hartböden.
Akku
Der Sauger arbeitet kabellos mit einem Akku. Die Station benötigt dagegen einen festen Stromanschluss. Nach 15 Minuten Betrieb zeigt die Anzeige noch starke 80 Prozent. 130 Quadratmeter reinigen wir somit mühelos mit einer Ladung. Danach bleibt sogar noch genug Reserve für die Selbstreinigung in der Station, die einen Mindestakkustand voraussetzt. Selbst für Häuser und sehr große Wohnungen sollte die Akkulaufzeit problemlos ausreichen.
Lautstärke und Geruch
Beim Geräusch schlägt sich der Sauger gut. Aus einem Abstand von einem Meter messen wir im Normalbetrieb 66 bis 68 dB(A), auf höchster Stufe 69 bis 72 dB(A). Für ein Gerät dieser Bauart sind das moderate Werte, die im Alltag nicht stören. Wer es noch leiser mag, wechselt in den Quiet-Modus, der spürbar zurückhaltender arbeitet.
Auch beim Geruch gibt es nichts zu beanstanden. Während der Nutzung und nach der Selbstreinigung der Walze bleibt alles neutral. Geruch entsteht lediglich beim Leeren des Schmutzwassertanks. Das lässt sich nicht vermeiden, ist aber schnell erledigt.
Hygiene, Filter und Reinigung
Die Tanks lassen sich leicht entnehmen, ausleeren und reinigen. Auch die übrigen Teile sind gut zugänglich, sodass eine vollständige Säuberung möglich ist. Ein HEPA-Filter sorgt dafür, dass die Abluft sauber bleibt. Bei einem Gerät, das trockenen Schmutz und Flüssigkeiten aufnimmt, ist das ein wichtiges Detail.
Die Selbstreinigung nimmt uns die Hauptarbeit ab, hat aber eine Lücke: Die Laufrollen an der Unterseite bleiben ausgespart und müssen bei Bedarf von Hand gesäubert werden. Der zweite Punkt betrifft die Tanks. So komfortabel die Station das Frischwasser nachfüllt, mit 0,85 und 0,81 Litern sind beide Behälter am Gerät knapp bemessen. Bei längerer Nutzung müssen wir das Gerät mindestens einmal zur Station zurückbringen und den Schmutzwassertank leeren. Das Frischwasser füllt die Station automatisch nach.
Fazit
Der Tineco FLOOR ONE Station S9 Artist ist ein sehr starker Hartbodenreiniger. Auf Hartböden liefert er beim Saugen wie beim Wischen überzeugende Ergebnisse. Die Kantenreinigung arbeitet stark, der Akku hält lange durch, und die Verarbeitung ist sehr hochwertig. Die Station mit Wasserautomatik und Heißwasser-Selbstreinigung nimmt genau die Handgriffe ab, die bei Nass-/Trockensaugern sonst nerven. Wer große Hartbodenflächen regelmäßig und mit wenig Aufwand reinigen will, bekommt einen ausgesprochen komfortablen Wischsauger.
Wir hätten uns einen flacheren Saugkopf und damit mehr Spielraum unter niedrigen Möbeln gewünscht. Auch die knapp bemessenen Tanks zwingen uns trotz der 5-Liter-Station regelmäßig zur Basis. Die ausgesparten Laufrollen bei der Selbstreinigung und der fehlende Trockensaugmodus sind ebenfalls Punkte, über die man in dieser Klasse sprechen muss. Alles in allem gibt es von uns jedoch eine klare Kaufempfehlung.
- +Sehr starke Hartbodenreinigung
- +Starke Kantenreinigung
- +Lange Akkulaufzeit
- +Hochwertige Verarbeitung
- +Komfortable Wasserautomatik
- +Heißwasser-Selbstreinigung
- +Gute Manövrierfähigkeit
- –Hoher Saugkopf
- –Kleine Gerätetanks
- –Laufrollen müssen manuell gereinigt werden
- –Kein Trockensaugmodus und damit nicht für Teppiche geeignet