Tineco Floor One S9 Artist Steam Pro im Test
Der Tineco Floor One S9 Artist Steam Pro positioniert sich klar im Premium-Segment der Saugwischer und addiert zur Standardausstattung mit 22 Kilopascal Saugleistung und Selbstreinigungsstation eine Heißdampffunktion mit bis zu 160 Grad Celsius. Dazu kommen 5 Reinigungsmodi, eine umfangreiche App-Steuerung, Selbstantrieb für leichteres Schieben und eine Lay-flat-Funktion für die Reinigung unter Möbeln. Die Frage ist, ob ein Saugwischer mit so viel Technik im Alltag tatsächlich überzeugt – und ob die Heißdampffunktion den Mehraufwand und den höheren Preis rechtfertigt. Wir haben den Tineco Floor One S9 Artist Steam Pro auf Hartboden mit Grob- und Feinschmutz, mit leichten und hartnäckigen Verschmutzungen sowie an Ecken und Kanten geprüft.
Design und Verarbeitung
Schon beim ersten Anfassen merken wir, dass hier Premium-Qualität verbaut ist. Mit 110 × 26 × 23 Zentimetern und 6,1 Kilogramm gehört der Tineco aber auch zu den schwereren Vertretern seiner Klasse. Zusammen mit der Selbstreinigungsstation braucht das Gerät einen festen Platz – in einer kompakten Wohnung muss man das einplanen. Dafür sieht der Floor One S9 Artist wirklich gut aus: Das moderne Design wirkt nicht wie ein lästiges Reinigungsgerät, sondern eher wie ein Einrichtungsstück, das man auch sichtbar stehen lassen kann.
Die Verarbeitung ist tadellos. Sämtliche Spaltmaße sitzen präzise, die Bauteile greifen sauber ineinander, und nichts wackelt oder knarzt. Auch nach mehrfacher Nutzung gibt es keine Stellen, an denen das Material nachgibt oder unsauber verarbeitet wirkt. Die verwendeten Kunststoffe fühlen sich robust an, die mattierten Oberflächen kaschieren Fingerabdrücke gut. Auch die Verbindung zwischen Stiel, Akkueinheit und Bodenkopf wirkt stabil und hochwertig.
Bei der Bauhöhe zeigt sich ein gemischtes Bild. Die Saugdüse misst 10 Zentimeter – das passt unter die meisten Betten, aber nicht unter jedes niedrige Regal oder Sideboard. Tineco hat dafür aber eine clevere Lösung: Die Lay-flat-Funktion lässt den Sauger komplett flach hinlegen, wodurch die Bauhöhe laut Hersteller auf 12,85 Zentimeter sinkt. So kommen wir auch unter sehr flache Möbel, an die wir mit einem Standardgerät nicht herankämen – ein echter Pluspunkt im Alltag.
Ausstattung und Bedienung
Mit 5 Reinigungsmodi deckt der Tineco eine breite Bandbreite ab: Auto, Max, Steam, Suction und Quiet. Dazu kommt der Scrub-Modus für besonders hartnäckigen Schmutz. In diesem Modus bewegt sich die Bodenwalze rund 10 Sekunden lang stark hin und her und schrubbt intensiv über den Boden. Die HyperSteam-Funktion erzeugt laut Hersteller bis zu 160 Grad Celsius heißen Dampf und macht bei alteingesessenem Schmutz einen spürbaren Unterschied. Die ReverseScrub-Walze arbeitet sowohl beim Vorwärts- als auch beim Rückwärtsziehen, und das DualBlock-Anti-Tangle-System soll das Verheddern von Haaren in der Bürste reduzieren.
Die Bedienung am Gerät ist gut gelöst. Die Tasten sitzen, wo sie hingehören, haben ein angenehmes Tastgefühl und reagieren zügig. Auf dem LCD-Display lassen sich alle Informationen klar ablesen, der Text ist gut zu erkennen. Ein praktisches Detail: Im Auto-Modus zeigt eine farbige Lichtanzeige am Bodenkopf, wie stark der Sauger gerade arbeitet. Blau steht für normale Leistung, Rot für starke Leistung. Auf einen Blick sehen wir damit, wo der Boden besonders verschmutzt ist und wo wir noch einmal nachwischen sollten. Die Sprachausgabe lässt sich nach Belieben ein- oder ausschalten und sagt Bescheid, wenn die Tanks befüllt oder geleert werden müssen.
Eine kleine Eigenheit ist das Startverhalten: Sobald wir den Stab nach hinten neigen, läuft der Motor an. Dafür ist allerdings etwas Kraft nötig. Alternativ drücken wir mit dem Fuß vorne aufs Gerät. Beim Aufrichten in die senkrechte Position stoppt der Motor. Da der Selbstantrieb das Gerät aber aktiv nach vorne zieht, ist das Aufrichten bei voller Fahrt unkomfortabel. Die Lösung steckt im Detail: Wer während der Nutzung kurz den Ausschaltknopf drückt, bekommt vom Gerät Hilfe beim Aufrichten. Diese Funktion erklärt die Anleitung leider nicht klar genug.
Die App-Anbindung erweitert die individuellen Anpassungsmöglichkeiten erheblich. Sämtliche Kernfunktionen – also Saugen, Wischen, Dampfreinigung, Selbstantrieb, alle Modi und die Selbstreinigung – funktionieren vollständig auch ohne App. Über die App lassen sich diese Funktionen aber feiner an die eigenen Vorlieben anpassen: Saugkraft und Wassermenge pro Modus können verändert werden, benutzerdefinierte Modi lassen sich anlegen, die Stärke des Selbstantriebs beim Schieben und Aufrichten ist regelbar, und das Bodenbürstenlicht lässt sich ein- und ausschalten. Die Anwendung setzt eine Account-Registrierung voraus.
Tineco Floor One S9 Artist Steam Pro
Saugleistung
Auf Hartboden liefert der Tineco ein hervorragendes Ergebnis. Sowohl bei grobem als auch bei feinem Schmutz ist nach einem einzigen Vorwärtszug bereits alles aufgenommen. Krümel, Reis oder feiner Sand bleiben nicht liegen, nichts wird vor der Düse hergeschoben. Der Rückwärtszug ist im Test fast überflüssig. Der Tineco lässt sich allerdings nicht auf reines Saugen umstellen. Saugen und Wischen passiert immer gleichzeitig. Für den klassischen Anwendungsfall, vor dem Wischen einmal nur trocken durchzusaugen, ist das Gerät damit nicht ausgelegt. Wer einen Trockensauger sucht, wird hier also nicht fündig.
Wischleistung
Bei leichten Verschmutzungen liefert der Tineco perfekte Ergebnisse – streifenfrei, gleichmäßig, ohne Pfützen oder Trocknungsspuren. Hier zeigt sich der Vorteil der ReverseScrub-Technologie: Die Walze arbeitet in beide Richtungen, der Boden wirkt direkt nach dem ersten Durchgang sauber.
Die wirklich überraschende Leistung zeigt der Floor One S9 Artist bei hartnäckigen Verschmutzungen wie eingetrocknetem Ketchup. Anders als bei vielen Konkurrenzmodellen, die hier deutliche Rückstände hinterlassen, entfernt der Tineco die Flecken streifenfrei und ohne sichtbare Rückstände. Die HyperSteam-Funktion und der Scrub-Modus zeigen hier ihre Stärke. Wer durch flüssigen Schmutz fährt, sollte aufpassen, nicht direkt mit den seitlichen Reifen durchzufahren. Dadurch können neue Flecken entstehen. Die lassen sich aber problemlos mit einem weiteren Durchgang entfernen.
An Kanten arbeitet der Tineco zuverlässig und erreicht die Ränder gut. Ecken sind aufgrund der Gerätegröße schwieriger zu reinigen. Aufgrund des Formats lässt sich der Reiniger nicht problemlos in jeden Winkel manövrieren.
Selbstantrieb und Handhabung
Mit 6,1 Kilogramm Gewicht wäre der Tineco eigentlich ein anstrengendes Gerät, wenn da nicht der Selbstantrieb wäre. Ein eingebauter Motor zieht das Gerät beim Schieben aktiv nach vorne, sodass im laufenden Betrieb kaum etwas vom hohen Gewicht zu spüren ist. Diese Selbsttraktion macht den Tineco Floor One S9 Artist auch für Nutzerinnen und Nutzer attraktiv, die mit schwereren Saugwischern sonst nicht zurechtkommen.
Bei der Wendigkeit fällt das Bild gemischter aus. Die 90-Grad-Schwenkfunktion hilft beim Manövrieren um Möbelbeine, das Gewicht und die Größe machen das Gerät insgesamt aber weniger agil als kompaktere Modelle. Die App-Steuerung erlaubt immerhin, die Selbstantriebsstärke an die eigenen Vorlieben anzupassen.
Bei der Bauhöhe zeigt sich ein gemischtes Bild. Die Saugdüse misst 10 Zentimeter – das passt unter die meisten Betten, aber nicht unter jedes niedrige Regal oder Sideboard. Danke der praktischen Lay-flat-Funktion können wir den Sauger komplett flach hinlegen, wodurch die Bauhöhe auf knapp 13 Zentimeter sinkt. So kommen wir auch weit unter flache Möbel.
Selbstreinigung und Pflege
Die Selbstreinigungsstation übernimmt nach dem Wischeinsatz die Reinigung und Trocknung der Wischwalze. Das funktioniert sehr gut. Die Walze ist nach dem Programm wirklich sauber. Die Standardreinigung dauert allerdings rund 10 Minuten und ist währenddessen recht laut.
Die Alternative findet sich in der App: Hier lässt sich eine leise Reinigung aktivieren, bei der wir wirklich kaum etwas hören. Dafür verlängert sich die Programmdauer auf 40 Minuten. Die FlashDry-Funktion mit 5-minütiger 85-Grad-Heißlufttrocknung beugt Geruchsbildung in der Walze zuverlässig vor. Die Tankreinigung ist insgesamt akzeptabel, durch die etwas verwinkelte Form der Behälter aber nicht ganz unkompliziert. Ein HEPA-Filter sorgt für saubere Abluft.
Akku und Laufzeit
Tineco gibt unterschiedliche Laufzeiten je nach Modus an: bis zu 90 Minuten im Quiet-Modus, bis zu 75 Minuten im Auto-Modus und bis zu 30 Minuten im Steam-Modus. Das deckt sich realistisch mit unseren Erfahrungen im Test. Für einen kompletten Reinigungsdurchgang in einer normalen Wohnung reicht die Batterie problemlos. Wer die Heißdampffunktion intensiv nutzt, sollte allerdings einen 2. Durchgang nach Aufladen einplanen. Die Ladezeit liegt bei rund 3,5 Stunden – zu lang, um im Alltag spontan nachzuladen, aber für eine Übernachtladung absolut ausreichend.
Lautstärke
Im normalen Modus liegt der Geräuschpegel bei gemessenen 73 Dezibel, auf höchster Stufe bei 76 Dezibel. Das ist spürbar laut, aber für einen Nass-Trockensauger mit dieser Leistung im erwartbaren Rahmen. Im Quiet-Modus arbeitet der Tineco hingegen sehr zurückhaltend. Unangenehme Gerüche treten weder während der Nutzung noch nach der Selbstreinigung der Wischwalze auf – hier zeigt die FlashDry-Funktion ihre Wirkung.
Fazit
Der Tineco Floor One S9 Artist Steam Pro überzeugt mit einer der sehr guten Reinigungsleistungen im Test: Saugleistung, leichte Verschmutzungen und sogar hartnäckige Flecken wie eingetrockneter Ketchup werden im ersten Durchgang restlos entfernt.
Dazu kommen durchdachte Details: der Selbstantrieb, der das hohe Gewicht von 6,1 Kilogramm im Betrieb fast vergessen lässt, die Lay-flat-Funktion für unter Möbel, die farbige Statusanzeige im Auto-Modus, die wertige Verarbeitung mit klarem Display und die App-Steuerung mit benutzerdefinierten Modi und einstellbarem Selbstantrieb. Die FlashDry-Trocknung verhindert Gerüche zuverlässig.
Die Standard-Selbstreinigung ist mit 10 Minuten Dauer störend laut. Wer ohne den App-gesteuerten Quiet-Reinigungsmodus auskommen muss, muss sich daran gewöhnen. Reines Saugen ohne Wischen ist zudem nicht möglich. Ecken erreicht das große Gerät nicht optimal. Und die individuellen Anpassungsmöglichkeiten, die die Nutzung spürbar verbessern, sind nur per App verfügbar – was eine Account-Registrierung voraussetzt.
Für Haushalte mit hauptsächlich Hartböden, die einen leistungsstarken Wischsauger mit echter Heißdampffunktion und Premium-Ausstattung suchen, ist der Tineco Floor One S9 Artist Steam Pro eine starke Wahl.
So testen wir Nass-/Trockensauger
- +Sehr starke Reinigung
- +Starker HyperSteam
- +Effektiver Scrub-Modus
- +Gute Hartbodenleistung
- +Streifenfreie Wischleistung
- +Guter Selbstantrieb
- +Praktische Lay-flat-Funktion
- +Umfangreiche App
- +Klare Displayanzeige
- +Wertige Verarbeitung
- +Saubere Walze
- +Geruchsfreie Trocknung
- +Gute Kantenleistung
- +Lange Auto-Laufzeit
- +HEPA-Filter
- –Nur Saugen unmöglich
- –Ecken schwierig
- –Standardreinigung laut
- –App-Account nötig
- –Recht schwer
- –Aufrichten gewöhnungsbedürftig
- –Tankreinigung etwas umständlich
- –Steam-Laufzeit begrenzt
- –Große Station nötig
- –Weniger agil