RayNeo iO im Test: Wie viel Büroalltag steckt in der KI-Brille?
Kalenderfragen beantworten, Gespräche fast unmittelbar übersetzen und bei einer Präsentation den Text vor Augen haben: Genau dafür ist die RayNeo iO gedacht. Die KI-Brille setzt auf ein transparentes Display und verzichtet auf eine Kamera. Wir tragen sie drei Tage lang im Büro, halten einen Vortrag vor Kollegen und prüfen anspruchsvolle Übersetzungen. Dabei interessiert uns vor allem, ob die Technik im Arbeitsalltag tatsächlich Zeit spart – oder ob das Smartphone für dieselben Aufgaben praktischer bleibt.
RayNeo iO Smart GlassesÜbersetzungen, Notizen, Benachrichtigungen und alltägliche Unterstützung
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Was soll die RayNeo iO können – und was kostet sie?
Die iO ist keine Videobrille und kein Computer. Ihr transparentes Display blendet Informationen ins Sichtfeld ein; die Mikrofone erfassen Sprache, während die gekoppelte Smartphone-App im Hintergrund weitere Aufgaben übernimmt. Gedacht ist sie für Menschen, die Gespräche verstehen, Informationen abrufen oder präsentieren möchten, ohne ständig auf einen anderen Bildschirm zu schauen.
Die UVP beträgt 549 Euro. Wer Korrekturgläser benötigt, muss diese laut RayNeo bereits beim Kauf auswählen; sie kosten 169 Euro Aufpreis. Eine spätere Nachrüstung oder Änderung der Sehstärke ist nach Herstellerangaben nicht vorgesehen. Gerade bei einer Brille, die man täglich tragen möchte, ist das aus unserer Sicht eine erhebliche Einschränkung. Hier hätten wir uns mehr Flexibilität gewünscht.
Design und Verarbeitung
Auf den ersten Blick geht die RayNeo iO als gewöhnliche Brille durch. Die Front besteht laut Hersteller aus einer Magnesium-Aluminium-Legierung, in den Bügeln stecken Titanelemente. Mit 33 Gramm fühlt sich die iO kaum schwerer an als eine herkömmliche Fassung.
Akkus und weitere Technik sind unauffällig in den Bügeln untergebracht; Außenstehende erkennen die grünen Einblendungen im Display kaum. Während unseres dreitägigen Einsatzes entdecken wir keine lockeren Teile oder Verarbeitungsmängel. Über die Langzeitbeständigkeit von Scharnieren und Beschichtungen können wir in unserem kurzen Testzeitraum aber noch nichts sagen.
Tragekomfort
Wir tragen die iO mehrere Stunden am Stück bei der Schreibtischarbeit. Die Nasenpads liegen angenehm auf, und die Bügel drücken nicht hinter den Ohren. Auch nach längerer Nutzung bemerken wir weder klassische Druckstellen noch eine störende Wärmeentwicklung. Die Voraussetzung ist natürlich, dass die Fassung richtig angepasst ist. Selbst bei leichter sportlicher Bewegung bleibt sie sicher sitzen und verrutscht nicht stärker als eine normale Brille. Das geringe Gewicht und die unauffällige Form tragen entscheidend dazu bei, dass wir die Technik nach kurzer Zeit kaum noch bewusst wahrnehmen.
Lieferumfang und Einrichtung
Zum Lieferumfang gehören Ladeclip, Brillenetui und Putztuch. Die Einrichtung erfolgt über die RayNeo-AI-App für iOS und Android. Wir koppeln die Brille mit einem iPhone 17 Pro unter iOS 27. Die App führt verständlich durch Einrichtung, Berechtigungen und Spracheinstellungen. Firmware-Verwaltung und die wichtigsten Funktionen finden wir schnell, die Verbindung bleibt über die drei Testtage stabil. Für viele KI-Funktionen und die Liveübersetzung benötigt die Brille aber weiterhin das Smartphone mit Internetzugang.
Bedienung
Die Krone am rechten Bügel aktiviert die Anzeige, öffnet Funktionen und steuert die Menüs. Sie reagiert schnell, ist anfangs aber gewöhnungsbedürftig: Wir müssen zunächst herausfinden, welche Dreh- oder Druckbewegung die gewünschte Aktion auslöst. Danach wechseln wir zügig zwischen den Funktionen, ohne das Smartphone hervorholen zu müssen.
Den KI-Assistenten starten wir per Sprachkommando oder über die Krone. Im Test versteht er unsere Fragen zuverlässig; wir müssen Befehle nicht wiederholen. Auch die Kopfgesten probieren wir aus: Die vorgesehenen Aktionen werden korrekt ausgelöst. Damit lassen sich kurze Vorgänge erledigen, ohne die Hände zu benutzen.
Verbesserungsbedarf sehen wir bei den Statushinweisen. Wir erkennen nicht immer sofort, welcher Modus gerade aktiv ist. Weil Lautsprecher fehlen, gibt es auch keine akustischen Rückmeldungen. Besonders bei der Mikrofonaktivität wünschen wir uns eine eindeutigere Anzeige.
Display im Alltag
Im Büro überzeugt das Display mit gut lesbarer, kontrastreicher grüner Schrift. Dort sind die Lichtverhältnisse relativ konstant, sodass wir die Informationen ohne Nachregeln erkennen. Das funktioniert bei Kalendereinträgen, KI-Antworten und eingeblendeten Untertiteln gleichermaßen. Für kurze Hinweise ist die Anzeige besonders praktisch: Wir müssen den Blick nicht vom Gesprächspartner oder der Arbeit auf ein Smartphone senken.
Im Freien zeigt sich eine deutlichere Schwäche. Bei starker Sonneneinstrahlung reicht unsere übliche Helligkeitseinstellung nicht immer, um alle Texte mühelos zu entziffern. Erst nachdem wir die Displayhelligkeit weit nach oben regeln, bleibt die Schrift gut erkennbar. Die Möglichkeit zur Anpassung ist hilfreich, die Ablesbarkeit draußen aber weniger selbstverständlich als im Büro. Eine weitere kleine Schwäche ist die Darstellung am Rand des virtuellen Bildes: Dort könnten Zeichen schärfer sein. Abgeschnitten wird bei unseren Versuchen allerdings nichts.
Das Sichtfeld genügt für kurze Informationen, Untertitel und einen Redetext, ersetzt jedoch keinen großen Bildschirm. Auch nach mehreren Stunden empfinden wir die Einblendungen nicht als anstrengend. Bei schnellen Kopfbewegungen wirkt das virtuelle Bild gelegentlich etwas unruhig.
KI-Assistent und Liveübersetzung
Statt nur allgemeine Wissensfragen zu stellen, greifen wir im Büro auf konkrete Informationen zurück: Wir fragen nach Terminen im Kalender, nach dem Wetter und nach Inhalten früherer Besprechungen. Nachdem wir die entsprechenden Zugriffe eingerichtet und vorhandene Meeting-Notizen hinterlegt haben, findet die KI auch Angaben aus vergangenen Aufzeichnungen. Die Antworten sind in unseren Versuchen inhaltlich korrekt.
Besonders interessant ist die persönliche Wissenssuche. Anders als bei einer gewöhnlichen Wetterabfrage nutzt der Assistent dabei bereits vorhandene Informationen aus unserem Arbeitsalltag. Das klappt mit den von uns bereitgestellten Kalender- und Meeting-Daten gut und ist für wiederkehrende Rückfragen tatsächlich hilfreich.
Unsere stärkste Praxiserfahrung machen wir mit der Liveübersetzung. Wir testen Deutsch–Englisch und Englisch–Deutsch und hören uns unter anderem einen fachlich anspruchsvollen Beispielvortrag über Effizienzsteigerungen in Unternehmen durch künstliche Intelligenz an. Obwohl die Aussagen teils komplex formuliert sind, erscheinen die Übersetzungen nach unserem Eindruck meist innerhalb von etwa ein bis drei Sekunden im Display. Bemerkenswert ist, dass die Software laufende Übersetzungen noch überarbeitet, wenn der weitere Satzverlauf eine präzisere Formulierung nahelegt. So bleibt der Sinn des Vortrags erhalten, ohne dass wir auf das Satzende warten müssen.
In unseren Versuchen erkennen wir weder auffällige Übersetzungsfehler noch Abbrüche. Damit schneidet die iO subjektiv besser ab als mehrere Smart-Brillen, die wir zuvor ausprobiert haben: Dort waren Verzögerungen von drei bis vier Sekunden und ungenaue Übersetzungen häufiger. Für wechselseitige Gespräche testen wir auch die Smartphone-Einbindung. Wir lesen die fremdsprachige Aussage in der Brille; unsere Antwort wird für das Gegenüber über das gekoppelte Smartphone übersetzt. Auch das funktioniert.
Teleprompter
Für den Teleprompter laden wir einen vorbereiteten Text in die App und starten die Funktion über die Krone. Anschließend tragen wir den Text Kollegen wie bei einer kleinen Präsentation vor. Die Schriftgröße ist angenehm, und wir können normal nach vorne schauen, statt immer wieder auf einen Zettel oder einen Bildschirm zu blicken. Bei unserem Vortrag fällt den Zuhörenden nicht auf, dass wir den Text direkt in der Brille lesen. Das macht die Funktion für Präsentationen oder Vorträge tatsächlich nützlich.
Entscheidend ist das automatische Scrollen: Die iO orientiert sich beim Vorlesen an unserer Sprechgeschwindigkeit und führt den Text entsprechend weiter. In unserer Präsentation klappt das zuverlässig; wir müssen das Tempo nicht mit der Krone nachregeln. Die anfängliche Eingewöhnung an die allgemeine Bedienung fällt hier nicht mehr ins Gewicht. RayNeo bietet außerdem andere Scrollmodi an. Unser positives Testergebnis bezieht sich ausdrücklich auf die tatsächlich erprobte sprachgesteuerte Variante, nicht auf einen Vergleich sämtlicher Modi.
Meeting-Mitschriften und Datenschutz
Über die iO nehmen wir Gespräche auf und rufen danach Aufzeichnungen und Mitschriften in der App ab. Ablage und Synchronisierung funktionieren. Die Sprachaufnahme bewerten wir sehr gut, die Unterdrückung von Hintergrundgeräuschen und die Notizfunktion funktioniert dagegen noch nicht immer ganz fehlerfrei.
Der Kameraverzicht ist für uns ein zweischneidiges Merkmal. Positiv ist, dass weder Kollegen noch wir selbst befürchten müssen, dass die Brille heimlich Fotos oder Videos aufnimmt. Bei Tonaufnahmen besteht dieses Problem aber weiterhin: Die vom Hersteller vorgesehene weiße LED ist nach unseren Beobachtungen für Gesprächspartner kein ausreichend deutliches Aufnahmesignal. Gerade im Büro bleibt das ein wichtiger Kritikpunkt.
Akku und Laden
RayNeo verspricht bis zu zwei Tage Laufzeit bei typischer Nutzung. Wir beobachten im Büro einen Verbrauch von ungefähr zehn Prozent pro Stunde. Dabei wechseln wir zwischen einem angehörten Vortrag, Fragen an die KI, gelegentlichen Benachrichtigungen und gewöhnlicher Schreibtischarbeit. Mit diesem Mischbetrieb kommen wir gut durch einen Arbeitstag. Für kontinuierliche Übersetzung nennt der Hersteller separat bis zu 6,2 Stunden; die Zwei-Tage-Angabe ist daher nicht auf jede Nutzungsart übertragbar.
Das Laden per Clip ist unkompliziert: Wir setzen ihn an die Brille und schließen ein USB-C-Kabel an. Schöner wäre aus unserer Sicht eine mitgelieferte Lösung gewesen, die auch unterwegs ohne angeschlossenes Kabel funktioniert; das separat erhältliche Ladecase bietet diesen Komfort gegen Aufpreis.
Grenzen des Konzepts
Die fehlende Kamera, die im Büro für mehr Privatsphäre sorgt, begrenzt zugleich den Funktionsumfang. Wir hätten beispielsweise gern einen Text auf Papier oder am Laptop direkt im eigenen Sichtfeld erfassen und übersetzen lassen. Eine eigenständige Navigation fehlt ebenfalls, obwohl wir diese Funktion von anderen Brillen als praktisch kennen. Ohne Lautsprecher gibt es weder Musikwiedergabe noch Telefonate oder gesprochene KI-Antworten. Diese Grenzen sind bewusst Teil des Konzepts, schränken die Alltagstauglichkeit außerhalb des Büros für uns aber deutlich ein.
Was bringt die Brille gegenüber dem Smartphone?
Der größte Vorteil ist für uns, dass Informationen sofort verfügbar sind, ohne ein Gerät hervorzuholen. Bei der Übersetzung bleibt der Blick auf dem Gegenüber, beim Teleprompter auf dem Publikum. Für diese Situationen ist sie praktischer als ein Smartphone.
Ein Ersatz für Computer oder Smartphone ist die Brille trotzdem nicht: Für unsere gewohnten Geschäfts-Apps und umfangreichere Aufgaben nutzen wir weiterhin andere Geräte. Als zusätzlicher Assistent ergibt sie vor allem für häufige internationale Gespräche und Präsentationen Sinn. Wer die Brille vor allem für Freizeit und unterwegs sucht, dürfte angesichts dieser Grenzen bei einer UVP von 549 Euro enttäuscht sein.
Fazit
Die RayNeo iO überzeugt im Büro mit schnellen, präzisen Übersetzungen, einem zuverlässig mitscrollenden Teleprompter und hohem Tragekomfort. KI-Assistent und Display erleichtern kurze Aufgaben. Bei Sonnenschein ist maximale Helligkeit nötig; Kamera, Navigation und Lautsprecher fehlen. Auch die schlecht erkennbare Aufnahmeanzeige bleibt kritisch. Für internationale Gespräche und Präsentationen ist sie dennoch hilfreich.
- +Schnelle, präzise Liveübersetzung
- +Zuverlässiger Teleprompter
- +Hoher Tragekomfort
- +Gut lesbares Bürodisplay
- +Praktischer KI-Assistent
- –Display bei Sonne schwächer
- –Keine eigenständige Navigation
- –Korrekturgläser nicht nachrüstbar