RayNeo GT Max im Test: Die Kinoleinwand zum Aufsetzen
Mit der GT Max will RayNeo das Kino auf die Nase holen. Die Videobrille soll eine virtuelle Leinwand von bis zu 307 Zoll vor die Augen projizieren, das Bild per Kopftracking fest im Raum verankern und mit von Bang & Olufsen abgestimmten Lautsprechern auch klanglich überzeugen. Ob sie diese Versprechen im Alltag einlöst und den Fernseher ersetzen kann, zeigt unser Praxistest.
RayNeo GT Max AR-Brille Größe M
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Design und Verarbeitung
Die RayNeo GT Max hat eine UVP von 489 Euro und bringt 78 Gramm auf die Waage. Damit die Brille passt, gibt es 3 Größen, die sich nach dem Pupillenabstand richten: S für weniger als 64 Millimeter, M für 64 bis 67 Millimeter und L für mehr als 67 Millimeter.
Im Test wirken Materialien und Oberflächen sehr hochwertig. Auch an der Verarbeitung finden wir nichts auszusetzen, sie ist präzise, und die Brille macht im Alltag einen robusten Eindruck. Zurückhaltender fällt unser Urteil zur Wirkung nach außen aus: Als gewöhnliche Brille geht die GT Max durch die großflächig verbaute Technik nur bedingt durch.
Tragekomfort
Auf der Nase sitzt die GT Max sehr bequem. Nasenpads und Bügel liegen angenehm an, auch hinter den Ohren drückt nichts, und die Brille erwärmt sich beim Tragen nicht spürbar.
Das Gewicht verteilt sich etwas frontlastig, was angesichts der Displaytechnik im vorderen Rahmen kaum überrascht. Im Test stört uns das auch bei längerem Tragen nicht, unangenehme Druckstellen bleiben aus. Bei Kopfbewegungen sitzt die Brille gut, wenn auch nicht völlig fest.
Lieferumfang und Einrichtung
Im Karton liegen neben der Brille ein USB-C-Kabel, ein Etui, 3 Nasenpads, 4 rutschfeste Polster für die Bügel, ein Mustereinsatz für Korrekturgläser und ein Putztuch. Die Einrichtung mit Hilfe der mehrsprachige Kurzanleitung könnte jedoch besser sein. Gerade Einsteigern fehlen hier ausführlichere Erklärungen, wie man die Brille startet und mit der App einrichtet.
Nach etwas Recherche starten wir die RayNeo und verbinden sie über einen QR-Code mit der RayNeo XR-App auf einem iPhone 17 Pro. Berechtigungen und Kontoanforderungen sind dabei klar nachvollziehbar. Eine kabellose Verbindung ist dabei nicht möglich.
Ausstattung
Das Bild erzeugen Micro-OLED-Displays mit 0,6 Zoll Diagonale und Full-HD-Auflösung (1.920 × 1.080 Pixel). RayNeo gibt ein Sichtfeld von 59 Grad an, die virtuelle Leinwand lässt sich in 3 Stufen auf 227, 267 oder 307 Zoll einstellen. Bei 2D-Inhalten arbeitet die Brille mit einer Bildwiederholrate von bis zu 120 Hertz, bei 3D-Inhalten mit 60 Hertz. Die Helligkeit beträgt bis zu 1.200 Nits.
Ein eigener Chip erfasst Drehbewegungen des Kopfes in 3 Achsen (3DoF, also 3 Freiheitsgrade). Darauf bauen 3 räumliche Modi auf: Im Folgemodus bewegt sich das Bild mit dem Kopf, der stabile Modus glättet Wackler etwa im Zug, und der angeheftete Modus hält die Leinwand an einer festen Stelle im Raum. In diesem Modus sinkt die Helligkeit laut allerdings auf 336 Nits. Über das Bildschirmmenü stehen außerdem 4 Anzeigemodi und 12 Helligkeitsstufen zur Wahl, dazu 3 zusätzliche Verstärkungsstufen.
Den Ton liefern 4 Lautsprecher mit einer Klangabstimmung von Bang & Olufsen. Hinzu kommen räumlicher Klang, der Kopfbewegungen folgt, und ein Flüstermodus, der weniger Schall nach außen dringen lassen soll. Einen eigenen Akku hat die GT Max nicht: Strom und Bildsignal bezieht sie per USB-C vom Zuspieler, der dafür eine Videoausgabe über DisplayPort beherrschen muss. Laut Hersteller gilt das unter anderem für iPhones ab der 15er-Serie (außer iPhone 16e, 17e und iPhone Air), viele Android-Smartphones, neuere iPads mit USB-C, MacBooks und Handheld-Konsolen. HDMI-Geräte lassen sich über einen separaten Adapter anschließen.
Brillenträger fertigt der Herstellerpartner Lensology Korrektureinsätze zum Einclipsen, die 95 britische Pfund zuzüglich Versand aus Großbritannien kosten. Zusammen mit dem separat erhältlichen Pocket TV Pro für 219 Euro spielt die Brille auch Inhalte in Dolby Vision ab.
Bedienung und App
Die GT Max hat 3 Tasten: eine Lautstärkewippe, eine Menütaste und eine Taste für die räumlichen Modi. Einen Ein-/Ausschalter braucht sie nicht, denn sie startet von selbst, sobald über die USB-C-Buchse hinten am Bügel Strom und Bildsignal ankommen. Die Tasten reagieren zügig, und nach einiger Eingewöhnung ist uns die Bedienlogik klar. Menüs, Töne und Hinweise im Bild sind gut verständlich.
Die App spielt im Alltag dagegen eine Nebenrolle. Abgesehen von der 3D-Umwandlung bietet sie kaum Funktionen, das meiste läuft direkt über die Brille und das angeschlossene Smartphone, auf dem wir die Medien abspielen.
Bildqualität
Bei der Darstellung spielt die GT Max ihre größte Stärke aus. Sobald das iPhone verbunden ist und die Wiedergabe läuft, sehen wir in Innenräumen ein helles, scharfes Bild auf einer Fläche, die das Smartphone-Display weit übertrifft. Das breite Sichtfeld trägt viel zum Kinogefühl bei, und dank des gut arbeitenden Kopftrackings bleibt die Anzeige ruhig an ihrem Platz. Texte und Symbole sind gut lesbar. Auch draußen im Garten ist bei hellem Umgebungslicht alles gut zu erkennen.
Ganz ohne Schwächen kommt die GT Max hier nicht aus. Bei schnellen Bewegungen und an den Rändern franst das Bild leicht aus, an diesen Stellen wünschen wir uns mehr Schärfe. Nervig wird das im Test allerdings nicht, und auch bei längerer Nutzung strengt die Anzeige unsere Augen nicht an.
Klang
Beim Ton kann die GT Max nicht mit dem Bild mithalten. Laut genug werden die Lautsprecher in allen Alltagssituationen, sie klingen aber leicht blechern, stellenweise kratzig und nicht immer klar, zudem fehlt es an Volumen. Für Filme, Serien und Videos reicht das aus, beim Musikhören treten die Schwächen dagegen deutlich hervor.
Pflege im Alltag
Die Pflege macht keine Mühe. Mit dem beiliegenden Putztuch oder einem eigenen Microfasertuch kann man die Gläser schnell reinigen.
Fazit
Die RayNeo GT Max überzeugt uns im Test vor allem mit ihrem Bild: Die virtuelle Leinwand ist riesig und hell, das weite Sichtfeld schafft echte Kinoatmosphäre, und auch längere Nutzung bleibt für die Augen angenehm. Dazu kommen die hochwertige Verarbeitung, ein bequemer Sitz trotz leichter Frontlastigkeit, das sehr zuverlässige Kopftracking und die unkomplizierte Wiedergabe vom Smartphone per USB-C-Kabel. Schwächen zeigt sie beim blechernen, wenig voluminösen Klang, bei leichten Unschärfen an den Bildrändern und bei der knappen Anleitung samt funktionsarmer App.
Mit 489 Euro ist die Brille aber kein günstiges Vergnügen. Wer aber auch unterwegs oder bei belegtem Fernseher nicht auf ein großes Bild verzichten will, bekommt eine Videobrille, die wir ohne größere Einschränkungen empfehlen können. Bei hohen Ansprüchen an den Klang oder knappem Budget lohnt sich dagegen ein Blick auf andere Modelle.
- +Riesige, helle virtuelle Leinwand
- +Sehr zuverlässiges Kopftracking
- +Bequem auch bei längerem Tragen
- +Hochwertige Verarbeitung
- +Gut lesbare Texte und Symbole
- –Blechern klingende Lautsprecher
- –Leichte Unschärfen an Bildrändern
- –App mit wenigen Funktionen
- –Nur kabelgebundene Bildübertragung