Nivona NIVO 8117 im Test: Nitro-Kaffee auf Knopfdruck
Die NIVO 8117 bringt eine ungewöhnliche Kaffeespezialität in die heimische Küche: Nitro-Kaffee, der mit Stickstoff angereichert wird und bislang vor allem aus Cafés oder als Fertiggetränk bekannt ist. Daneben bereitet der Vollautomat klassische Kaffee- und Milchgetränke sowie Chilled Brew zu. Zum Marktstart im September 2026 liegt die UVP bei 1.249 Euro. Im Test klären wir, wie gut die Nitro-Zubereitung gelingt und ob auch Bedienung, Kaffeequalität und Pflege den hohen Preis rechtfertigen.
NIVONA NIVO 8117 perlenblau Kaffeevollautomat
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Design und Verarbeitung
Die NIVO 8117 misst 240 × 340 × 480 Millimeter (Breite × Höhe × Tiefe) und bringt 12 Kilogramm auf die Waage. Damit passt sie auch dort auf die Arbeitsplatte, wo unter dem Oberschrank wenig Luft bleibt, und wir müssen für sie nichts umräumen. Nivona bietet die Maschine in Mattschwarz (NIVO 8111), Titan (NIVO 8113) und Perlenblau (NIVO 8117) an. Unser Testgerät kommt in Perlenblau und kombiniert matte graublaue und schwarze Oberflächen. Im Testalltag bleiben die matten Flächen weitgehend frei von Fingerabdrücken.
Die Verarbeitung ist insgesamt sehr gut. Die Spaltmaße verlaufen gleichmäßig, Übergänge sitzen sauber, und auch unter Druck knarzt das Gehäuse nicht und gibt nicht nach. Scharfe Kanten, an denen wir uns beim Nachfüllen verletzen könnten, finden wir nicht.
Einrichtung und Lieferumfang
Im Karton liegen neben der Maschine eine Bedienungsanleitung mit Pflege- und Reinigungstipps, 2 Reinigungstabletten für den Start, ein Wasserfilter, ein Teststäbchen für die Wasserhärte und ein zweiseitiger Löffel. Der dient auf der einen Seite als Dosierlöffel für Kaffeepulver, das sich alternativ zu den Bohnen einfüllen lässt, auf der anderen als Werkzeug, um den Wasserfilter im Tank festzudrehen. Für den Start reicht das aus, üppig ist der Umfang aber nicht.
Nach dem Auspacken werfen wir zunächst einen Blick in die Anleitung. Sie ist klar aufgebaut und erklärt mit viel Text und passenden Bildern, was wann zu tun ist, sodass auch Einsteiger gut zurechtkommen. Wir schließen die Maschine an den Strom an, montieren den Schlauch für den Milchschaum, setzen den Wasserfilter ein, bestimmen mit dem Teststäbchen die Wasserhärte, füllen den Wassertank und spülen einmal durch. Auch wenn wir am Anfang kurz unsicher sind, in welcher Reihenfolge die Schritte kommen, sind wir nach weniger als 30 Minuten startklar. Das ist zügig für die erste Inbetriebnahme eines Vollautomaten.
Ausstattung
Das Getränkemenü deckt die wichtigsten Klassiker ab: Espresso, Café Crema, Americano, Cappuccino und Latte Macchiato, dazu Heißwasser und Milchschaum als Einzelbezug. Darüber hinaus beherrscht die NIVO 8117 zwei kalte Disziplinen. Chilled Brew steht für Kaffee, der bei niedrigeren Temperaturen gebrüht wird und dadurch milder und säureärmer schmecken soll. Daneben bereitet die Maschine Nitro-Kaffee zu, der nach Angaben von Nivona mit Stickstoff angereichert werden. Diesen gewinnt die Maschine laut Hersteller aus der Umgebungsluft, die zu rund 78 Prozent aus Stickstoff besteht. Kapseln oder Kartuschen braucht sie dafür nicht. Nivona bezeichnet die NIVO 8117 als den ersten eigenen Vollautomaten mit integrierter Nitro-Zubereitung.
Bei den Einstellungen lassen sich Getränkeart, Kaffeemenge, Kaffeestärke und das Aromaprofil vorwählen, dazu kommen ein Doppelbezug für 2 Tassen und eine separate Heißwasserfunktion. Über die Profile des Aroma Balance Systems steuert die Maschine, wie das Wasser durch das Kaffeemehl läuft. Nivona nennt 5 Stufen, im Test arbeiten wir mit Quick, Dynamic, Constant, Harmonic und Intense. Praktisch finden wir, dass sich die Menge noch während der Zubereitung nachjustieren lässt. Klassische Nutzerprofile fehlen dagegen, stattdessen speichert die Maschine bis zu 9 individuell angepasste Getränke. Einen Tassenwärmer gibt es nicht.
Hinter der Front arbeiten die Brüheinheit RomaticaPlus und ein Kegelmahlwerk aus gehärtetem Stahl. Der abnehmbare Wassertank fasst 1,8 Liter, in den Bohnenbehälter passen 250 Gramm.
Bedienung und Menüführung
Das Display lässt uns zunächst an eine Touch-Bedienung denken, wie wir sie von anderen Nivona-Geräten kennen. Tatsächlich läuft alles über einen einzigen Drehknopf unterhalb des Bildschirms, den wir drehen und drücken. Was zunächst nach Rückschritt klingt, funktioniert im aber Alltag gut. Die Menüs sind kurz, die Beschriftungen gut lesbar, und auch selten genutzte Funktionen finden wir ohne langes Suchen. Wer will, schaltet die Darstellung zwischen einer detaillierten und einer vereinfachten Ansicht um.
Nach wenigen Bezügen sitzt die Logik, und wir bedienen die Maschine nebenbei. Der Verzicht auf einen Touchscreen dürfte Käufer irritieren, die in dieser Preisklasse ein Tippdisplay erwarten. Funktional vermissen wir ihn nicht.
Die App im Test
Auf dem Papier ist die NIVO 8117 vernetzt: Bluetooth ist an Bord, dazu gibt es die Nivona App für Android und iOS. In der Praxis bleibt die Vernetzung bei unserem Testgerät jedoch eingeschränkt. Die Nivona App, die als digitaler Begleiter Einstellungen an der Maschine übernehmen soll, findet unser Testgerät nicht, obwohl Bluetooth am Automaten aktiviert ist.
Kaffeequalität und Zubereitung
Als Referenz dient uns ein normaler Kaffee, und der schmeckt uns. Er kommt intensiv aus der Maschine, ohne in eine verbrannte oder bittere Richtung zu kippen, und wirkt rund und vollmundig. Abzüge gibt es allein bei der Crema, die im Test etwas dünn ausfällt. Bei der Temperatur leistet Nivona dagegen ganze Arbeit, wir messen 67 Grad Celsius in der Tasse. Auch nach dem Umrühren und einem kleinen Schuss Milch bleibt der Kaffee angenehm heiß.
Beim Tempo gibt es wenig zu bemängeln. In mehreren Messungen vergehen aus dem Standby heraus rund 16 Sekunden bis zur Betriebsbereitschaft. Über den gesamten Testzeitraum liefert die NIVO 8117 bei den getesteten Getränken zudem gleichbleibend gute Ergebnisse. Kleinigkeiten wie die dünne Crema bleiben, doch die Kritik bewegt sich auf hohem Niveau.
Für Milchgetränke schließen wir seitlich einen Schlauch an die Maschine an und führen ihn direkt in die Milchpackung. Ein separater Milchbehälter, in dem sich die Menge dosieren lässt und der anschließend samt Rest zurück in den Kühlschrank wandert, gehört nicht zum Lieferumfang. Für eine Maschine jenseits der 1.000 Euro ist das zu wenig, zumal die geöffnete Packung bei jedem Milchbezug auf der Arbeitsplatte steht.
Das Ergebnis im Glas fällt besser aus als das System dahinter. Der Milchschaum steht stabil und hat eine cremige Konsistenz. Ganz feinporig gerät er allerdings nicht, immer wieder mischen sich größere Luftblasen unter den Schaum, sodass die Oberfläche gröber wirkt, als uns lieb ist. Für Cappuccino und Latte Macchiato ist die Schaumqualität im Alltag dennoch gut.
Nitro und Chilled Brew im Test
Die eigentliche Neuheit der NIVO 8117 sind die kalten Spezialitäten, und sie sind zugleich unser Testhighlight. Für 120 Milliliter Kaffee benötigt Chilled Brew rund 3 Minuten, der Nitro-Kaffee rund 2 Minuten und 40 Sekunden. Vor der Ausgabe spült die Maschine zunächst heißes Restwasser aus dem System, um die Temperatur zu senken; dieser Vorgang ist in den genannten Zeiten enthalten. Der mit Stickstoff angereicherte Nitro-Kaffee schmeckt samtig, noch vollmundiger und im Abgang runder als unser heißer Referenzkaffee.
Beide Getränke erreichen unmittelbar nach dem Bezug rund 37 Grad Celsius und sind damit eher lauwarm als kalt. Für ein deutlich kühleres Ergebnis braucht es zusätzliche Eiswürfel. Bemerkenswert bleibt, dass die Maschine nach Angaben von Nivona den benötigten Stickstoff ohne Kapseln oder Kartuschen aus der Raumluft gewinnt. Im Café steckt hinter Nitro-Kaffee meist eine Zapfanlage, hier genügen ein Knopfdruck und etwas Wartezeit.
Lautstärke
Am lautesten wird die NIVO 8117 beim Mahlen, wobei wir aus einem Meter Abstand 69 Dezibel messen. Das ist gut hörbar. Der Brühvorgang selbst bleibt mit 52 Dezibel klar darunter.
Im Alltag stört uns das kaum, weil der laute Teil nur wenige Sekunden dauert. Während des Mahlens ist die Maschine in der Küche dennoch deutlich präsent. Wer sie früh morgens in einer offenen Wohnküche startet, weckt damit womöglich den Rest des Haushalts.
Reinigung und Pflege
Die Maschine erleichtert die regelmäßige Reinigung deutlich. Sie meldet selbst, wann gespült, gereinigt oder entkalkt werden soll, und führt anschließend Schritt für Schritt über das Display durch den Vorgang. Das ist verständlich erklärt und kostet uns im Testalltag kaum Zeit.
Nur einmal stockt der Ablauf: Wo genau die Reinigungstablette einzulegen ist, geht aus der Displayanzeige nicht hervor, wir müssen im Handbuch nachschlagen. Beim zweiten Durchgang sitzt der Handgriff, ein kurzer Hinweis auf dem Bildschirm würde die Sache aber vereinfachen. Davon abgesehen gehört die Pflege zu den angenehmsten Kapiteln dieses Tests.
Fazit
Die Nivona NIVO 8117 überzeugt uns im Test vor allem mit ihrer insgesamt hohen Getränkequalität. Über den gesamten Testzeitraum liefert sie gleichbleibend gute Ergebnisse, vom intensiven, vollmundigen Kaffee bis zum Latte Macchiato. Dazu kommen die sehr saubere Verarbeitung, eine eingängige Bedienung über den Drehknopf und eine verständlich angeleitete Reinigung. Das eigentliche Alleinstellungsmerkmal ist aber der Nitro-Kaffee. Er gerät samtig und schmeckt im Abgang runder als unser heißer Referenzkaffee. Der dafür benötigte Stickstoff kommt nach Angaben von Nivona ohne Kapsel oder Kartusche aus der Raumluft.
Schwächen zeigt die Maschine bei der Vernetzung: Die App erkennt das Testgerät nicht. Abstriche gibt es außerdem für den nicht mitgelieferten Milchbehälter, die zum Teil dünne Crema und die lange Zubereitung des Nitro-Kaffees. Bei einer UVP von 1.249 Euro fällt das auf. Die gute Getränkequalität und die Nitro-Funktion gleichen die Nachteile jedoch weitgehend aus.
So testen wir Kaffeevollautomaten
- +Hohe Getränkequalität
- +Sehr saubere Verarbeitung
- +Übersichtliches Display
- +Verständlich angeleitete Reinigung
- +Samtiger Nitro-Kaffee
- –App erkennt Testgerät nicht
- –Kein Milchbehälter enthalten
- –Teilweise dünne Crema
- –Lange Nitro-Zubereitung
- –Milchschaum teils grobporig