myfirst Fone S4 im Test: Kinder Smartwatch mit starker Ortung
Eltern wollen wissen, wo ihr Kind ist. Kinder wollen eine Uhr, die sich nicht anfühlt wie ein Kompromiss. Dieser Spagat ist der eigentliche Maßstab für jede Kinder-Smartwatch – und genau hier trennen sich Anspruch und Wirklichkeit oft schneller als erwartet. Was die myFirst Fone S4 aus diesem Versprechen macht und ob sie das Vertrauen rechtfertigt, das Eltern in ein solches Gerät setzen, zeigt unser Test.
myFirst Fone S4 Kinder-SmartwatchCotton Candy, GPS-Ortung, LTE, 5-MP-Kamera, Sprachanrufe, Fitness-Tracker
myFirst Fone S4
Verarbeitung & Robustheit
Mit 48 Gramm Gewicht ist die myFirst Fone S4 kaum spürbar am Handgelenk. Das Gehäuse besteht aus Kunststoff, das Armband aus Silikon – eine Materialkombination, die im direkten Kontakt deutlich hochwertiger wirkt als erwartet. Übergänge sitzen sauber, Spaltmaße sind gleichmäßig, scharfe Kanten oder Produktionsrückstände finden sich nirgends.
Auch im Alltag überzeugt das Gehäuse. Die Uhr landet auf rauem Asphalt und kommt mit minimalen Oberflächenkratzern davon – das Schutzglas bleibt intakt, nichts klappert, kein Teil löst sich. Für Schwimmbad oder Regenwetter greift die IPX8-Zertifizierung, die Untertauchen bis 1,5 Meter abdeckt. Einzig eine Displayschutzfolie liegt nicht bei.
Bedienung & Handhabung
Der 1,65 Zoll große AMOLED-Bildschirm erreicht bis zu 1000 Nit Helligkeit und ist damit auch bei direkter Sonneneinstrahlung gut ablesbar. Touch-Genauigkeit und Systemflüssigkeit überzeugen vollständig, wir erleben weder Lags noch Fehlbedienungen. Die physische Taste – der SOS-Knopf seitlich am Gehäuse – sitzt gut erreichbar und löst zuverlässig aus.
Für Kinder ist die Menüstruktur einfach gelöst. Anrufe, Nachrichten und SOS finden sich auf Anhieb, und in unserem Test kommen Kinder selbstständig zurecht, ohne dass Erwachsene erklärend eingreifen müssen.
Schwieriger ist die Situation für Eltern bei der Ersteinrichtung. Die Begleit-App myFirst Circle, verfügbar für iOS und Android, setzt zunächst eine WLAN-Verbindung voraus, bevor die eSIM für den Mobilfunk aktiviert werden kann. Das Eingeben des Passworts über den kleinen Touchscreen mit Erwachsenenfingern kostet mehrere Versuche – eine unnötige Hürde. Auch das Onboarding-Erlebnis bleibt hinter den Erwartungen zurück: Für den eSIM-Prozess benötigen wir ein externes Tutorial, weil die mitgelieferte Kurzanleitung die notwendigen Schritte nicht ausreichend erklärt.
Kommunikation
Das Kommunikationsangebot der myFirst Fone S4 ist umfangreich: Anrufe, Videoanrufe, Textnachrichten per SMS oder App, Sprachnachrichten, Fotos sowie Emojis und Sticker stehen zur Verfügung. Alle Kanäle laufen über eine Whitelist – ausschließlich von Eltern freigegebene Kontakte können das Kind erreichen oder angeschrieben werden. Für eine Kinder-Smartwatch ist das die richtige Grundarchitektur.
Die Nachrichtenfunktionen laufen zuverlässig und schnell, auch Kinder kommen intuitiv damit zurecht – Bestnote. Sprachnachrichten, Fotos und Sticker funktionieren im Test gut und erhalten 4 von 5 Punkten. Einschränkungen gibt es bei der klassischen Telefonie: Gespräche kommen zuverlässig zustande und sind gut verständlich, der Klang klingt jedoch blechern und bleibt hinter dem zurück, was wir von anderen Smartwatches kennen. Erfreulich ist dagegen die Videoanrufqualität – sie liegt im Test spürbar über der des myFirst Fone M1.
Ortungs- & Sicherheitsfunktionen
Eltern können den Standort des Kindes zuverlässig über GPS abfragen. Im Test zeigt die Kartenansicht in der myFirst-Circle-App den tatsächlichen Standort präzise und konsistent – sowohl drinnen über WLAN als auch draußen per Satellitensignal. Genauigkeit und Update-Rate stimmen. Der Hersteller gibt eine maximale Abweichung von 2 Metern an; unsere Praxiserfahrungen bestätigen das in etwa.
Geofencing ist vollständig umgesetzt: Eltern definieren in der App individuelle Schutzzonen und erhalten Benachrichtigungen beim Verlassen oder Betreten.
Deutlicheren Nachbesserungsbedarf sehen wir beim SOS-Knopf. Die Auslösung funktioniert, Zuverlässigkeit und Feedback überzeugen im Test aber nur teilweise. Kinder haben keine Möglichkeit, eine versehentliche SOS-Auslösung abzubrechen.
Funktionen für Kinder
Die Fone S4 versteht sich wie ihr Vorgänger als Kommunikations- und Sicherheitsgerät, nicht als Unterhaltungsplattform. Das zeigt sich im Funktionsumfang: Schrittzähler, Wecker, Stoppuhr und ein Fitness-Tracker mit Herzfrequenzmessung stehen zur Verfügung. Über das soziale Netzwerk myFirst Circle können Kinder Nachrichten und Sticker an freigegebene Kontakte senden – ein netter Zusatz, der die Interaktion spielerisch ergänzt.
Die integrierte 5-Megapixel-Kamera mit HDR und Bildstabilisierung liefert spürbar bessere Ergebnisse als die einfache Kamera des Vorgängermodells – als spontanes Spaßfeature taugt sie gut, als ernsthaftes Fotogerät nicht. Ein Musikplayer zum Abspielen lokaler Dateien und ein interner Speicher von 8 Gigabyte runden das Angebot ab.
Abseits der genannten Funktionen gibt es kaum weitere Apps. Spiele, ein Stundenplan oder vergleichbare Erlebnisinhalte fehlen vollständig. Wer dem Kind neben der Erreichbarkeit auch Unterhaltungswert bieten möchte, muss auf ein anderes Gerät zurückgreifen. Positiv zu vermerken ist der Schulmodus, der während des Unterrichts alle Funktionen außer dem SOS-Knopf deaktiviert.
Akku und Laden
Die Uhr lädt über ein magnetisches Ladekabel, das sicher haftet und zuverlässig kontaktiert. Das Laden startet ohne Kontaktprobleme. Der Akku fasst 605 Milliamperestunden; der Hersteller gibt eine Laufzeit von bis zu 2 Tagen an.
Im Alltagsbetrieb mit gelegentlichen Anrufen, aktivem Wecker und regelmäßiger GPS-Standortabfrage erreichen wir diesen Wert in etwa. Für den Schulalltag reicht das komfortabel.
Fazit
Kann die myFirst Fone S4 den Spagat zwischen dem Sicherheitsbedürfnis der Eltern und dem Anspruch der Kinder auf ein Gerät, das sie wirklich tragen wollen? Größtenteils ja – aber mit Einschränkungen, die bei einem Preis von 199 Euro nicht selbstverständlich sein sollten.
Die Uhr ist hervorragend verarbeitet, sehr robust, sitzt angenehm am Handgelenk und bietet eine der intuitivsten Kinderoberflächen, die wir in dieser Kategorie gesehen haben. GPS-Ortung und Geofencing funktionieren vorbildlich. Die breite Kommunikationsausstattung inklusive Videoanrufen und Whitelist rundet das Bild ab.
Auf der anderen Seite stehen klar benennbare Schwächen: Die Einrichtung fordert Eltern mehr als nötig, die mitgelieferte Anleitung lässt im entscheidenden Moment im Stich, und der Telefonklang bleibt blechern. Am schwersten wiegt die Beschränkung auf einen einzigen SOS-Kontakt – eine Entscheidung, die die Sicherheitsarchitektur des Geräts spürbar einschränkt. Wer diese Punkte kennt und damit leben kann, bekommt eine rundherum solide Kinder-Smartwatch. Wer eine echte Notfallabsicherung für die ganze Familie erwartet, sollte genau abwägen.
So testen wir Kinder-Smartwatches
- +Sehr gute Verarbeitung
- +Hohe Robustheit
- +Angenehmer Tragekomfort
- +Sehr gutes Display
- +Intuitive Kinderbedienung
- +Präzise GPS-Ortung
- +Starkes Geofencing
- +Umfangreiche Kommunikation
- +Gute Videoanrufe
- +Zuverlässiger Akku
- –Umständliche Einrichtung
- –Schwache Anleitung
- –Blechern klingende Telefonie
- –Nur ein SOS-Kontakt
- –SOS nicht abbrechbar
- –Wenig Unterhaltung
- –Keine Displayschutzfolie