Testsieger.de

LIEBERGE Buntstifte in Profi-Nylon-Etui | 72 Farben: viel Leistung auf dem Papier, Schwächen im Spitzer

Lakisha
|
21. August 2026
|
6 Min. Lesezeit

72 Farben in einem Etui klingen nach grenzenlosen Möglichkeiten, und genau damit werben inzwischen zahlreiche Anbieter von Buntstift-Sets für Erwachsene. Über die Qualität sagt die Zahl allein allerdings wenig aus – entscheidend ist, was die Mine aushält, sobald sie in den Spitzer wandert. Mit dem Set „Buntstifte in Profi-Nylon-Etui | 72 Farben“ tritt LIEBERGE, ein 2019 gegründeter Anbieter für Künstlerbedarf, gegen deutlich ältere Namen aus dem Schreibwarenregal an. Wir haben die Stifte nach dem Standardverfahren unserer Redaktion durch alle Zeichenaufgaben geschickt.

LIEBERGE Buntstifte in Profi-Nylon-Etui | 72 Farben

UVP59,95 Euro
Farben72
Lieferumfang72 holzgefasste Buntstifte, Anleitung und Nylon-Etui
Stiftlänge175 Millimeter
Durchmesser8 Millimeter
Schaftrund, matt lackierte Softtouch-Oberfläche
Strichstärke1 Millimeter
Gewicht675 Gramm, Etui komplett gefüllt
Minenartkeine Angabe des Herstellers
Lichtbeständigkeitallgemein hoch angegeben, keine normierte Einstufung

Ausstattung und Testaufbau

Das Set umfasst 72 holzgefasste Buntstifte, eine Anleitung und ein Nylon-Etui mit Einzelfächern und Reißverschluss. Die Stifte sind 175 Millimeter lang, messen 8 Millimeter im Durchmesser und haben einen glatten, runden Schaft mit matt lackierter Softtouch-Oberfläche; die Strichstärke gibt der Hersteller mit 1 Millimeter an. Komplett gefüllt wiegt das Etui 675 Gramm. Zur Minenart – ob wachs- oder ölbasiert – macht LIEBERGE keine Angabe. Zur Lichtbeständigkeit nennt der Hersteller lediglich eine allgemein formulierte hohe Beständigkeit für langlebige Werke; eine normierte Einstufung oder farbspezifische Werte fehlen. Die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 59,95 Euro, im Handel wechselt das Set je nach Anbieter zwischen rund 33 und 45 Euro den Besitzer.

Geprüft haben wir 12 repräsentative Testfarben quer durch die Palette, darunter Glutrot, Zinnoberrot, Kadmiumrot, Goldgelb, Pastellgelb, Erdbraun, Solidblau, Himmelblau, Tiefschwarz und Apfelgrün.

LIEBERGE Buntstifte in Profi-Nylon-Etui | 72 Farben: ausgewählte Testfarben mit Beschriftung
Schaftfarbe und tatsächlicher Farbton stimmen bei den geprüften Stiften sehr gut überein, wodurch wir die passende Farbe schnell finden. (Foto: Testsieger.de)

Verarbeitung und Ergonomie

In der Hand machen die Stifte einen guten Eindruck. Der runde Schaft mit 8 Millimetern Durchmesser liegt angenehm zwischen den Fingern, die Softtouch-Oberfläche rutscht nicht, und auch nach längeren Zeichenphasen bleibt der Griff komfortabel. Ebenso sauber gelöst ist die Kennzeichnung: Schaftfarbe und tatsächlicher Farbton stimmen bei allen geprüften Stiften sehr gut überein, was beim Herausgreifen des gewünschten Farbtons aus 72 gleich gestalteten Stiften erheblich Zeit spart.

Die Verarbeitung im Inneren fällt dagegen ab. Beim zweimaligen Anspitzen brechen die Minen reihenweise. Das kann auf bereits im Schaft beschädigte Minen oder einen unzureichenden Verbund zwischen Mine und Schaft hindeuten. Besonders auffällig ist Goldgelb: Hier müssen wir rund ein Viertel des Stifts wegspitzen, bis eine tragfähige Mine erscheint. Frontal betrachtet zeigen die angespitzten Enden entsprechend uneinheitliche Bilder mit unsauberen Bruchkanten. Die Materialqualität bewegt sich damit im ordentlichen Mittelfeld. Die Minenverarbeitung und die Sauberkeit der Stiftenden bilden den schwächsten Bereich des gesamten Tests. Lieberge ist sich des Problems bewusst und empfiehlt das Anspitzen mit einem Kunstmesser. Das ist aber sicherlich nicht für alle praktikabel.

LIEBERGE Buntstifte in Profi-Nylon-Etui | 72 Farben: Nahaufnahme angespitzter Minen
An den angespitzten Stiftenden erkennen wir uneinheitliche Spitzen mit unsauberen Bruchkanten. (Foto: Testsieger.de)

Farbpalette und Etui

Die Palette überzeugt. Die Progression von hell nach dunkel ist innerhalb der Farbfamilien nachvollziehbar aufgebaut, Grundfarben, Erd- und Naturtöne sind ebenso vertreten wie Pastelle und kräftige Volltöne. Nur wenige Paare liegen sehr dicht beieinander, konkret Zinnoberrot und Kadmiumrot sowie Flaschengrün und Kadmiumgrün. Wer nach einem bestimmten Ton sucht, findet in aller Regel eine passende Abstufung – für ein Set dieser Preisklasse ein sehr gutes Ergebnis.

LIEBERGE Buntstifte in Profi-Nylon-Etui | 72 Farben: Farbtafel mit 72 Farbtönen
Die beiliegende Farbtafel erleichtert uns die Orientierung in der breiten, sinnvoll abgestuften Palette. (Foto: Testsieger.de)

Auch das Nylon-Etui erfüllt seinen Zweck sehr gut. Jeder Stift hat ein eigenes Fach, die Sortierung bleibt beim Herausnehmen und Zurückstecken erhalten, das Material schützt beim Transport und lässt sich leicht reinigen. Die beiliegende Farbtafel hilft bei der Orientierung. Auf der Farbtafel selbst fehlen allerdings Angaben zu Techniken und konkrete Lichtbeständigkeitswerte; weiterführende Technikhinweise stellt LIEBERGE in seiner Buntstift-Anleitung bereit. Einzelne Farben bietet LIEBERGE nicht regulär im Shop an. Laut Hersteller können sie jedoch auf Anfrage einzeln nachgekauft werden. Ein Radiergummi oder ein Spitzer liegen nicht bei.

LIEBERGE Buntstifte in Profi-Nylon-Etui | 72 Farben: geöffnetes Nylon-Etui mit sortierten Stiften
Im Nylon-Etui finden wir für jeden Stift ein eigenes Fach, sodass die Sortierung beim Herausnehmen und Zurückstecken erhalten bleibt. (Foto: Testsieger.de)

Anspitzen und Handhabung

Das Anspitzen ist wie bereits erwähnt ein Nachteil des Sets. Von 12 Vorgängen mit ein und demselben Handspitzer endet die Hälfte mit einer gebrochenen Mine, sodass wir nachspitzen, erneut ansetzen und im Fall von Goldgelb deutlich Substanz opfern müssen. Das kostet Zeit, Material und Nerven, vor allem beim ersten Einrichten des Sets, wenn alle Stifte einmal in Form gebracht werden wollen. Vom Herstellerversprechen der leicht anzuspitzenden, bruchstabilen Mine bleibt an dieser Stelle wenig übrig. Der Kraftaufwand selbst ist normal und die Holzabnahme sauber. Das spricht dafür, dass die Ursache vor allem bei der Mine beziehungsweise ihrem Verbund im Schaft liegt.

LIEBERGE Buntstifte in Profi-Nylon-Etui | 72 Farben: abgebrochene Minen nach dem Anspitzen
Beim Anspitzen brechen die Minen im Test auffällig oft, sodass wir mehrfach nachsetzen und teilweise deutlich Material verlieren. (Foto: Testsieger.de)

Ist der Stift einmal in Form, dreht sich das Bild. Die Mine gleitet weich über das Papier, kratzt nicht und gibt schon bei normalem Druck sichtbar Farbe ab, sodass wir nicht nachdrücken müssen. Feine Linien, Konturen und kleine Details gelingen gut, solange die Spitze frisch ist. Im 5-minütigen Flächentest mit Apfelgrün füllt sich das Feld zügig und gleichmäßig, ohne dass ein einziges Nachspitzen nötig wird – lediglich gegen Ende macht sich in der Hand eine leichte Ermüdung bemerkbar, was bei dieser Aufgabe normal ist. Papier, Hände und Tisch bleiben dabei weitgehend sauber, nennenswerte Brösel oder Schmierspuren treten nicht auf.

LIEBERGE Buntstifte in Profi-Nylon-Etui | 72 Farben: Flächentest mit Apfelgrün
Im 5-minütigen Flächentest mit Apfelgrün füllen wir das Feld zügig und gleichmäßig, ohne nachspitzen zu müssen. (Foto: Testsieger.de)

Zeichen- und Farbleistung

Auf dem Papier liefern die Stifte ihre stärkste Vorstellung. Die Farben decken bereits bei normalem Druck kräftig, besonders Zinnoberrot, Kadmiumrot und Solidblau setzen sich satt und leuchtend ab. Der Auftrag bleibt über helle, mittlere und dunkle Töne hinweg überwiegend gleichmäßig, kleinere Unterschiede zwischen einzelnen Farben fallen kaum ins Gewicht. Ein Ausreißer bleibt Pastellgelb, das selbst mit erhöhtem Druck deutlich transparenter aufträgt als die übrige Palette und sich damit eher zum Lasieren als zum Füllen eignet.

LIEBERGE Buntstifte in Profi-Nylon-Etui | 72 Farben: Misch- und Schichttest auf Papier
Beim Schichten und Mischen erzielen wir saubere Übergänge, während das Papier auch nach mehreren Schichten weitere Farbe annimmt. (Foto: Testsieger.de)

Bei den Zeichentechniken zeigt sich, wofür die weiche Mine gemacht ist. Helligkeitsverläufe lassen sich über den Anpressdruck sehr fein steuern: Von hauchzartem Ansatz bis zum kräftigen Vollton entstehen mehrere klar unterscheidbare Stufen ohne abrupte Sprünge. Auch das Schichten und Mischen funktioniert gut – in den Mischfeldern Gelb mit Blau sowie Rot mit Blau bleiben die Übergänge sauber, die Farben trüben nicht ein und das Papier nimmt auch nach mehreren Schichten noch weitere Farbe an. Auf schwarzem Tonpapier setzen sich helle und kräftige Töne ordentlich ab, wirken dort aber weniger leuchtend als auf weißem Papier.

LIEBERGE Buntstifte in Profi-Nylon-Etui | 72 Farben: Farbfelder auf schwarzem Tonpapier
Auf schwarzem Tonpapier sehen wir, dass sich helle und kräftige Töne ordentlich absetzen, aber weniger leuchtend wirken als auf weißem Papier. (Foto: Testsieger.de)

Korrekturen gelingen ebenfalls gut. Nach 30 Sekunden verwischt eine aufgetragene Fläche unter dem Finger nur wenig, der Radiergummi nimmt Farbe kontrolliert zurück, und die aufgehellte Stelle lässt sich anschließend erneut überarbeiten, ohne dass die Papieroberfläche weitere Farbschichten schlecht annimmt. Die Spitze hält dabei länger, als die Bruchneigung beim Anspitzen befürchten lässt. Die Linien werden nur allmählich breiter.

Haltbarkeit und Ergiebigkeit

Beim Zeichnen selbst erweisen sich die Minen als deutlich robuster als im Spitzer. Über alle Aufgaben hinweg registrieren wir lediglich einen kleinen Minenausbruch bei bewusst starkem Druck sowie leichtes Bröseln; die Holzschäfte bleiben durchweg unbeschädigt. Auch die Ergiebigkeit stimmt: Der Flächentest über 5 Minuten läuft ohne Unterbrechung durch, eine brauchbare Spitze bleibt lange erhalten.

Fazit

Die LIEBERGE Buntstifte in Profi-Nylon-Etui liefern dort, wo gezeichnet wird, ein überzeugendes Ergebnis. Die 72 Farben sind sinnvoll abgestuft. Die getesteten Farbtöne decken überwiegend kräftig und gleichmäßig, lassen sich fein über den Druck abstufen und sauber übereinanderlegen; lediglich Pastellgelb fällt deutlich transparenter aus. Dazu kommen ein angenehmes Griffgefühl, eine verlässliche Farbkennzeichnung, ein praktisches Etui mit Einzelfächern und ein gutmütiges Verhalten bei Korrekturen. Für ein Set, das je nach Anbieter zwischen rund 33 und 45 Euro kostet, ist das eine starke Leistung.

Getrübt wird der Eindruck durch die Minen. Bei der Hälfte der 12 Anspitzvorgänge brechen sie ab, ein Stift verliert dabei rund ein Viertel seiner Länge. Beim Zeichnen selbst halten die Minen dagegen gut durch. Hinzu kommen fehlender Spitzer und Radiergummi sowie die fehlende reguläre Nachbestellmöglichkeit einzelner Farben.

Damit eignet sich das Set gut für Einsteigerinnen und Einsteiger, Hobbyzeichnende und alle, die eine breite Palette zum überschaubaren Preis suchen und den teils deutlichen Materialverlust beim Anspitzen verschmerzen. Unter dem Strich ein gutes Set mit einer klaren Schwachstelle.

So testen wir Buntstifte

Testergebnisse im Detail
Material- und Verarbeitungsqualität von Stiftkörper, Oberfläche, Mine und Etui
2,4 / 4
Zentrierung und Einfassung der Mine, saubere Enden sowie keine Splitter, Abplatzungen oder lockeren Teile
1,6 / 4
Ergonomie: Form, Durchmesser, Griffgefühl, Rutschfestigkeit und Rollverhalten auf dem Tisch
4 / 4
Farbcodierung und Beschriftung: Lesbarkeit sowie Übereinstimmung von Schaftfarbe, Name/Nummer und tatsächlichem Farbton
3 / 3
Farbvielfalt und sinnvolle Abstufung der Palette statt bloßer Doppelungen sehr ähnlicher Töne
6 / 6
Etui oder Box: Schutz, Sortierung, Übersicht, Entnahme und Transport der Stifte
4 / 4
Dokumentation: Farbnamen/-nummern, Farbkarte, Lichtbeständigkeitsangaben und Hinweise zu Techniken
2,4 / 3
Nachkaufbarkeit einzelner Farben sowie praxistaugliches Zubehör wie Spitzer, Blender, Radierer oder Verlängerer
0,8 / 2
Anspitzen: Kraftaufwand, saubere Holzabnahme, intakte Mine und gleichmäßige Spitze mit einem Standardspitzer
3 / 5
Malgefühl und erforderlicher Druck: weiches, kontrollierbares Gleiten ohne störendes Kratzen
4 / 5
Kontrollierbarkeit bei feinen Linien, Konturen und kleinen Details
3,2 / 4
Flächenfüllung und längeres Arbeiten: Tempo, Ermüdung, Griffkomfort und gleichmäßige Abdeckung
2,4 / 3
Sauberkeit beim Arbeiten: Brösel, Staub, Schmieren sowie Verschmutzung von Händen und Papier
2,4 / 3
Farbintensität und Deckkraft auf weißem Papier bei normalem und höherem Druck
6,4 / 8
Gleichmäßigkeit des Farbauftrags bei hellen, mittleren und dunklen Farbtönen
4,8 / 6
Schattieren und kontrollierte Helligkeitsverläufe über unterschiedlichen Anpressdruck
6 / 6
Schichten und Mischen mehrerer Farben: Übergänge, Farbreinheit und Aufbau ohne frühzeitige Wachssättigung
6,4 / 8
Detailfähigkeit und Spitzenhalt während feiner Linien, Schraffuren und kleiner Flächen
4 / 5
Sichtbarkeit und Deckwirkung ausgewählter heller und dunkler Farben auf schwarzem oder dunklem Papier
2,4 / 3
Wischfestigkeit, kontrollierbare Korrektur mit Radierer und Verhalten nach mehrmaligem Überarbeiten
3,2 / 4
Bruchfestigkeit der Mine bei normalem und bewusst erhöhtem Druck während des Malens
4 / 5
Bruch- und Splitterverhalten beim wiederholten Anspitzen sowie Stabilität von Schaft und Mine
1,2 / 3
Ergiebigkeit, Abnutzung und Dauer, über die eine brauchbare Spitze erhalten bleibt
1,6 / 2
Testsiegel LIEBERGE Buntstifte in Profi-Nylon-Etui | 72 Farben

LIEBERGE Buntstifte in Profi-Nylon-Etui | 72 Farben

Getestet: 08/2026
zum Preisvergleich
Bewertung nach Kategorie
Verarbeitung und Ergonomie
73.3%
Ausstattung und Setkonzept
88%
Handhabung und Anwendung
75%
Zeichen- und Farbleistung
83%
Haltbarkeit und Produktsicherheit
68%
Pro
  • +Breite, sinnvoll abgestufte Farbpalette
  • +Kräftige, gleichmäßige Farbabgabe
  • +Sehr gute Druckabstufung
  • +Sauberes Schichten und Mischen
  • +Angenehmes Griffgefühl
  • +Praktisches Nylon-Etui
  • +Gute Korrekturmöglichkeiten
  • +Gute Ergiebigkeit
Contra
  • Häufige Minenbrüche beim Anspitzen
  • Pastellgelb deutlich transparenter
  • Einzelfarben nicht regulär nachkaufbar