HUION Note E im Test: Notizbuch-Debüt mit Papiergefühl
Mit Grafiktabletts hat sich HUION aus Shenzhen längst einen Namen gemacht – digitale Notizbücher überließ der Hersteller bislang der Konkurrenz. Seit Mai 2026 ändert sich das: Mit dem Note E drängt HUION in ein Segment, das E-Ink-Spezialisten wie reMarkable und Supernote bisher weitgehend unter sich aufteilen, und verspricht „zugängliche Produktivität für Beruf und Kreative“. Dabei geht der Hersteller technisch einen eigenen Weg. Ob das Konzept den Arbeitsalltag zwischen Schreibtisch und Baustelle übersteht, klären wir im Praxistest.
HUION Note E 8,4-Zoll Android Elektronisches Notizbuch mit HD Augenschonendem DisplayCloud-Synchronisation und Tragbarem Design
HUION Note E
Design und Verarbeitung
Mit 20,3 × 14,3 Zentimetern ist das Note E kaum größer als ein DIN-A5-Block und ohne Hülle gerade einmal 7,4 Millimeter dünn. Auf unserer Waage bringt es inklusive der mitgelieferten Schutzhülle 504 Gramm, ohne Hülle gibt der Hersteller 348 Gramm an; mit angelegter Hülle messen wir 1,2 Zentimeter Dicke.
Das Gehäuse wirkt durchweg hochwertig: saubere Kanten, keine auffälligen Spaltmaße, eine stabile Arbeitsfläche – an der Verarbeitung finden wir nichts zu kritisieren. Das matte 8,4-Zoll-Display stellt eine nutzbare Fläche von etwa 18 × 11 Zentimetern bereit, was uns zum Arbeiten vollauf genügt. Die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 369 Euro.
Lieferumfang und Stift
Im Karton stecken neben dem Tablet die Schutzhülle, der Stift, Ersatzspitzen und ein USB-C-Ladekabel – für den Start fehlt damit nichts. Der batterielose Stift gefällt uns ausgesprochen gut: Er liegt ausgewogen in der Hand, die Spitzen lassen sich einfach wechseln, und dank der beigelegten Ersatzspitzen sind wir für längere Zeit versorgt.
Einen Kritikpunkt haben wir dennoch: Die Halterung fixiert den Stift magnetisch außen an der Hülle. Wir hätten ihn lieber innenliegend und damit geschützt untergebracht.
Einrichtung
Die Inbetriebnahme geht grundsätzlich zügig von der Hand: Wir melden uns mit einem Google-Konto an, ein Firmware-Update ist nicht nötig, und nach wenigen Minuten steht der erste Notiztest. Bei unserem Testgerät verlangt Android allerdings zusätzlich eine manuelle Registrierung bei Google Play Protect – kein Hindernis, aber ein paar Minuten Mehraufwand.
Zusammen mit der Anmeldepflicht kostet das den ansonsten glatten Start Punkte. Anleitung und Hilfetexte überzeugen uns dagegen – Einrichtung, Nutzung und Updates sind verständlich und praxisnah erklärt.
Ausstattung
Anders als der Produktname mit seinem „augenschonenden HD-Display“ vermuten lässt, arbeitet im Note E kein E-Ink-Panel, sondern ein IPS-LCD mit 1920 × 1200 Pixeln und einer Pixeldichte von 270 Pixeln pro Zoll, dessen nanogeätzte Oberfläche das Papiergefühl erzeugt. Als Basis dienen Android 15, ein Achtkern-Prozessor aus der Mittelklasse, 6 Gigabyte Arbeitsspeicher und 128 Gigabyte interner Speicher; drahtlos funkt das Gerät per WLAN und Bluetooth 5.2, geladen wird über USB-C.
Der batterielose Stift vom Typ PW510 unterscheidet 8.192 Druckstufen und erkennt die Neigung. Dazu kommen eine 8-Megapixel-Kamera für Dokumentenscans, eine Handschrifterkennung (OCR, also die automatische Umwandlung von Handschrift in Text) für 34 Sprachen, Cloud-Abgleich mit Google Drive, OneDrive und Dropbox sowie der Export als PDF, JPG oder Video. Die Zeichen-App HiPaint ist vorinstalliert.
Bedienung und Handhabung
Im Alltag finden wir uns auf dem Note E schnell zurecht: Stift, Radierer, Fingergesten und die Android-Oberfläche greifen verständlich ineinander, Notizen und Skizzen entstehen ohne lange Einarbeitung. Legen wir die Hand beim Schreiben auf, bleibt sie in den Standard-Apps folgenlos; in einzelnen Dritt-Apps registrieren wir vereinzelte Fehleingaben – die Handballenerkennung arbeitet gut, aber nicht perfekt.
Auch längere Sitzungen gehen dank des angenehmen Stiftgriffs und des geringen Gewichts gut von der Hand. Deutliche Grenzen zeigt die Individualisierung: Nur wenige Shortcuts lassen sich frei belegen, professionelle Anpassungswünsche bleiben weitgehend außen vor.
Als mobiler Begleiter macht das kompakte Format dagegen eine sehr gute Figur – das Gerät verschwindet samt Hülle problemlos in der Tasche und braucht auf dem Schreibtisch kaum Platz.
Display und Nutzungskomfort
Auf dem matten Display können wir in Innenräumen auch nach Stunden noch entspannt lesen: Es spiegelt kaum, bleibt aus allen Blickwinkeln klar, und die Displaysperre schützt die Inhalte vor fremden Blicken. Die Wärmeentwicklung ist auch nach längeren Sitzungen unauffällig.
Ein E-Ink-Panel ersetzt die Technik trotzdem nicht: Draußen stößt das 300 Nits helle LCD (Nits sind das gängige Maß für die Leuchtdichte) in unserem Test sichtbar an Grenzen, und bei langen Lesesitzungen ermüden die Augen spürbar schneller, als wir es von den reflektiven Anzeigen der E-Ink-Konkurrenz kennen.
Testbedingungen
Für den Test haben wir das Note E mit dem vorinstallierten Android-System genutzt und neben der integrierten Notiz-App weitere Schreib- und Zeichen-Apps installiert. Geprüft haben wir Stifteingabe, Gestensteuerung und den Wechsel zwischen Apps – verteilt über ganze Arbeitstage mit immer wieder eingeschobenen Notiz- und Skizzenphasen.
Schreib- und Zeichenleistung
Im festen Linien-, Handschrift- und Skizzenparcours liefert das Note E gute Ergebnisse: Gerade Linien gelingen sauber, unsere Handschrift wird zuverlässig erkannt, Skizzen entstehen ohne Stocken. Die Eingabe reagiert direkt; erst bei sehr schnellen Schwüngen sehen wir eine leichte Verzögerung, die den Schreibfluss aber nicht stört. Das Highlight ist für uns die Oberfläche: Die Reibung der Filzspitze auf dem geätzten Glas kommt dem Schreiben auf Papier erstaunlich nahe.
Druckverläufe lassen sich gut dosieren, die Neigungserkennung arbeitet nachvollziehbar, und auch in den Ecken und Randbereichen bleibt die Eingabe gleichmäßig; lediglich bei sehr feinen Details und beim Cursor-Abgleich notieren wir kleine Auffälligkeiten.
Weniger gefällt uns die Lösch-Geste: Das Wegstreichen von Strichen erkennt das Gerät öfter nicht, sodass wir zum Radierer wechseln müssen. Zudem braucht es etwas Zeit, bis sich alle Möglichkeiten von Stift und Zeichenfunktionen erschließen.
Notizen, PDF und Organisation
Neue Notizen sind in Sekunden angelegt, gespeichert und dank Ordnern und Suche schnell wiedergefunden; auch PDF-Dokumente importieren und kommentieren wir ohne Umwege. Die Handschrifterkennung trifft bei sauberer Schrift gut, an hastig hingeworfenen Notizen scheitert sie dagegen öfter. Auch sonst wirkt die Huion-eigene Software funktional, aber noch nicht so ausgereift wie die Programme etablierter Notizsysteme.
Kompatibilität und Datenschutz
Mit den getesteten Schreib- und Zeichen-Apps versteht sich das Note E gut: Druck, Stiftposition und Gesten werden stabil erkannt, Abstürze erleben wir keine. Einschränkend gilt: Nicht jede App unterstützt jede Stiftfunktion, der Funktionsumfang schwankt je nach Programm.
Beim Datenexport und der Cloud-Anbindung gibt sich das Gerät weitgehend transparent – lokale Sicherung und offene Formate sind vorhanden, die gängigen Cloud-Dienste lassen sich einbinden. Wer die Synchronisation nutzt, sollte allerdings bewusst entscheiden, welche Inhalte in die Cloud wandern; sensible Notizen bleiben besser lokal.
Akku, Performance und Stabilität
Den Ausdauertest besteht das Note E ordentlich: Nach einem vollen Tag mit immer wieder eingeschobenen Nutzungsphasen zeigt die Anzeige des mit 4.500 Milliamperestunden bemessenen Akkus noch 55 Prozent Restladung. Für den typischen Notizalltag reicht das aus, gemessen an den tage- bis wochenlangen Laufzeiten der E-Ink-Konkurrenz ist es aber nur Durchschnitt. Geladen wird mit bis zu 18 Watt, eine vollständige Ladung dauert rund 2 Stunden.
Bei Notizen, PDF-Arbeit und einfachen Kreativ-Apps läuft das System stabil, Abstürze erleben wir keine. Durchgehend flott ist es allerdings nicht: App-Starts und -Wechsel wirken teils gemächlich, und bei anspruchsvollen Zeichenprojekten oder viel Multitasking gehen dem Mittelklasse-Chip die Reserven aus. Cloud-Synchronisation und Dateiexport laufen zuverlässig, wenn auch nicht besonders schnell.
Reinigung, Pflege und Folgekosten
Nach dem Test wischen wir Display und Gehäuse mühelos sauber, Fingerabdrücke oder Kratzer bleiben nicht zurück. Die Filzspitze zeigt kaum Verschleiß, und da Ersatzspitzen bereits beiliegen, fallen zunächst keine Folgekosten an.
Fazit
Das HUION Note E überzeugt uns im Test vor allem mit seinem Schreibgefühl: Die matte Oberfläche und der batterielose Stift kommen dem Arbeiten auf Papier erstaunlich nahe. Dazu kommen die tadellose Verarbeitung, das kompakte, leichte Format und der komplette Lieferumfang.
Abstriche machen wir beim teils gemächlichen Arbeitstempo des Mittelklasse-Chips, bei der nur durchschnittlichen Akkulaufzeit, bei der Individualisierung mit ihren wenigen frei belegbaren Shortcuts und bei der noch nicht ausgereiften eigenen Software – dazu kommen die unzuverlässige Lösch-Geste und die außen an der Hülle parkende Stifthalterung. Gemessen an der aufgerufenen Preisempfehlung geht das Gebotene dennoch in Ordnung. Wer ein unkompliziertes Gerät für Notizen, Skizzen und PDF-Arbeit sucht – vom Meeting bis zur Baustelle –, macht hier wenig falsch; wer maximale Akkulaufzeit, E-Ink-Augenkomfort oder tiefe Profi-Anpassungen erwartet, schaut sich besser anderweitig um.
- +Papiernahes Schreibgefühl
- +Tadellose Verarbeitung
- +Kompaktes, leichtes Format
- +Guter Lieferumfang
- +Ausgewogener batterieloser Stift
- +Präzise Linienführung
- +Gute App-Kompatibilität
- +Reflexionsarmes mattes Display
- +Pflegeleichte Oberfläche
- –Gemächliches Arbeitstempo
- –Durchschnittliche Akkulaufzeit
- –Wenige frei belegbare Shortcuts
- –Unausgereifte eigene Software
- –Unzuverlässige Lösch-Geste
- –Schwache Außenlesbarkeit