Einhell TP-AP 18/32 Li BL-Solo im Test: Kraftvolle Akku-Säge mit Präzisionsschwäche
Kraftvoll wie ein 1300-Watt-Netzgerät, ausdauernd dank Akku und trotz hoher Leistung gut kontrollierbar: Einhell macht für die TP-AP 18/32 Li BL-Solo einige selbstbewusste Versprechen. Im Praxistest prüfen wir, wie schnell die Säbelsäge durch Holz, Kunststoff und Metall kommt, wie präzise sie sich führen lässt und wie komfortabel sie bei längeren Arbeiten bleibt.
Einhell Professional Akku-Universalsäge TP-AP 18/32 Li BL
Design und Verarbeitung
Die TP-AP 18/32 Li BL ist eine klassische Säbelsäge im langgezogenen Gehäuse, wie sie auf jeder Baustelle steht. Die Verarbeitung gefällt uns. Nichts knarzt, nichts gibt nach, und der Akku sitzt fest in seiner Aufnahme. Für die Geräteklasse ist das eine saubere, robuste Arbeit.
Einhell gibt das Gerätegewicht mit 3,42 Kilogramm ohne Akku an. Betriebsbereit mit dem im Test genutzten 4-Amperestunden-Akku und montiertem Sägeblatt zeigt unsere Waage 4 Kilogramm, der Akku schlägt also mit gut 0,6 Kilogramm zu Buche.
Ausstattung, Lieferumfang und Preis
Für den Antrieb sorgt ein bürstenloser Motor, den Einhell nach Registrierung mit 10 Jahren Garantie absichert. Das Gerät kommt mit 18 Volt Systemspannung, 32 Millimeter Hubhöhe, bis zu 3000 Hübe pro Minute im Leerlauf und Schnitttiefen von 300 Millimetern in Holz sowie 20 Millimetern in Stahl. Die Aufnahme fasst Sägeblätter mit 0,8 bis 1,7 Millimetern Rückenstärke.
An Bedienfunktionen ist alles vorhanden, was wir brauchen: eine Hubzahlvorwahl mit 6 Stufen am gummierten Softgrip, ein zuschaltbarer Pendelhub, ein LED-Arbeitslicht in Richtung Werkstück und eine Anti-Vibrations-Funktion. Der Sägeschuh lässt sich verstellen, neigen und abnehmen, das Sägeblatt um 180 Grad gedreht einsetzen. Ein Gerüsthaken zum Einhängen an Leitern und Gerüsten lässt sich beidseitig montieren.
Der Lieferumfang bleibt dagegen knapp: Neben der Säge liegen nur je ein Sägeblatt für Holz und Metall sowie Anleitung und Sicherheitshinweise bei, einen Koffer gibt es nicht. Das entscheidende Detail steckt im Namenszusatz Solo, denn Akku und Ladegerät fehlen und müssen separat gekauft werden. Einhell ruft für die Solo-Version 169,95 Euro auf, im Handel liegt sie bei rund 155 Euro. In unserem Testkit sind Akku und Ladegerät enthalten, im regulären Lieferumfang nicht.
Sägeblattwechsel und Sägeschuh
Wir führen den Blattwechsel 3-mal vollständig durch. Die Verriegelung öffnet und schließt sich durch Drehen der Aufnahme, Werkzeug braucht es dafür nicht. Das Blatt sitzt danach jedes Mal fest, beim Zugtest mit Handschuhen löst es sich nicht, und auch nach mehreren Wechseln bleibt der Halt gleich zuverlässig. Ein Wechsel dauert nur wenige Sekunden, Fehlversuche gibt es keine. Einen Kritikpunkt notieren wir trotzdem: Mit dicken Arbeitshandschuhen lässt sich die Verriegelung an der Gerätefront nur schwer bedienen.
Besonders gut gefällt uns der Sägeschuh aus Metall. Er sitzt spielfrei, verbiegt sich unter Handdruck nicht und stützt die Säge mit großer Auflagefläche ruhig ab. Verstellen lässt er sich schnell, lediglich die Taste dafür geht recht schwer. Beim Probeschnitt im Fichtenholz liegt er plan am Werkstück an.
Inbetriebnahme und Bedienelemente
Holzsägeblatt einsetzen, Akku einschieben, Sitz des Sägeschuhs prüfen, Hubzahl auf die mittlere Stufe stellen, Schutzbrille und Gehörschutz anlegen, fertig. Die Bedienlogik erklärt sich von selbst. Die Anleitung erklärt alle Schritte verständlich, sodass wir uns schnell zurechtfinden.
Die Bedienelemente verteilen sich sinnvoll über das Gerät. Das Stellrad für die Hubzahl sitzt direkt am Griff und lässt sich ohne Umgreifen zwischen den 6 Stufen verstellen, der Pendelhubschalter liegt mittig am Gehäuse, die Verriegelung des Sägeschuhs vorn. Die Hubzahl folgt dem Auslöser nachvollziehbar: leichter Druck bedeutet langsamen Lauf, kräftiger Druck volle Hubzahl. Die Sicht auf die angezeichnete Schnittlinie bleibt frei, weil weder Gehäuse noch Sägeschuh den Blick verstellen, und das LED-Licht hellt den Arbeitsbereich zusätzlich auf.
Griffkomfort, Gewicht, Vibrationen und Lautstärke
Der Griff gehört zu den deutlichsten Schwächen der Säge. Ein separater vorderer Handgriff fehlt, die zweite Hand findet nur am Gehäuse Halt. Zusammen mit den über 4 Kilogramm Betriebsgewicht ermüdet das sichere Halten schneller, als uns lieb ist. Für kurze Einsätze reicht die Konstruktion aus, bei längeren Arbeiten fordert sie merklich Kraft.
Die Balance selbst passt. Waagerecht, senkrecht und nah am Körper gehalten zieht das Gerät nicht auffällig nach vorn oder hinten, und beide Schnittrichtungen bekommen wir ohne Mühe hin. Für die Geräteklasse ist das gut beherrschbar. Bei 10 Schnitten hintereinander im Fichten-Kantholz werden die Vibrationen dann aber deutlich spürbar. Ein Taubheitsgefühl stellt sich nicht ein, und die Kontrolle behalten wir bis zum letzten Schnitt, doch von einem ruhigen Lauf ist die Säge trotz Anti-Vibrations-Funktion entfernt.
Laut ist die Säge dennoch. In 1 Meter Abstand messen wir während der Fichtenschnitte im Mittel rund 70 Dezibel, in Spitzen jedoch bis zu 90 Dezibel. Ohne Gehörschutz sollte hier niemand arbeiten.
Sicherheit
Die Einschaltsperre muss bei jedem Start gedrückt werden und erschwert damit ein unbeabsichtigtes Anlaufen. Der Anlauf erfolgt gleichmäßig ohne Startschlag, und nach dem Loslassen des Auslösers steht das Blatt je nach eingestellter Hubzahl in 1 bis 2 Sekunden still. Das ist ein kurzer und gut kalkulierbarer Nachlauf.
Auch der übrige Sicherheitseindruck fällt gut aus. Die Verriegelung hält das Sägeblatt zuverlässig fest; durch bloßes Berühren löst es sich nicht. Beide Hände liegen bei normaler Griffhaltung klar hinter Sägeschuh und Schnittlinie. In Hartholz und Metall arbeitet die Säge weitgehend vorhersehbar, ohne abrupte Stopps oder Verkanten. Nach den 10 Serienschnitten wird das Gehäuse lediglich handwarm, verschmorter Geruch, ungeplante Abschaltungen oder lockere Kontakte treten nicht auf.
Sägeleistung und Präzision
Im weichen Holz spielt die Säge ihre Stärke aus. Die 3 Schnitte durch das Fichten-Kantholz dauern im Mittel 4,3 Sekunden. Nachdrücken ist nicht nötig. In trockener Eiche braucht die Säge erwartungsgemäß länger: Hier brauchen wir rund 8 Sekunden. Auch das ist noch voll in Ordnung.
Die Schnitte in PVC und Metall sind ebenfalls schnell erledigt. Das PVC-Rohr trennt die Säge in jeweils rund 2,5 Sekunden, das Stahl-Vierkantrohr in rund 3,5 Sekunden. Im Stahl verkantet nichts, und es bleibt nur minimaler Grat stehen. Am PVC bleibt dagegen deutlicher Grat zurück, Schmelzspuren finden wir keine.
Die Schwachstelle liegt woanders. Einen exakt geraden Schnitt entlang der angezeichneten Linie hinzubekommen, fällt uns schwer. Beim Ansetzen steht der Sägeschuh wackelig auf dem Material, und bei hoher Hubzahl schlingert das Sägeblatt sichtbar. Für millimetergenaue Arbeit taugt das Gerät nicht, was bei einem elektrischen Fuchsschwanz allerdings auch nicht die Kernaufgabe ist.
Über 10 aufeinanderfolgende Schnitte hält die Säge ihr Tempo. Der letzte Schnitt dauert praktisch so lang wie der erste, Blockaden oder Abschaltungen treten nicht auf, und das Gehäuse erwärmt sich nur leicht. Auch der Materialwechsel geht schnell von der Hand. Wir müssen nur das Blatt tauschen, die Hubzahl anpassen und den Pendelhub zuschalten. Schon sind wir startklar.
Akku und Energieversorgung
Mit einem vollgeladenen 4-Amperestunden-Akku starten wir bei 100 Prozent. Nach 25 Schnitten quer durch alle Materialien zeigt die Anzeige noch 3 von 4 Balken. Sämtliche Standardschnitte absolvieren wir ohne Abschaltung oder Leistungseinbruch.
Für einen Ladevorgang messen wir rund 50 Minuten. Der Ladezustand lässt sich direkt am Akku über die Balkenanzeige ablesen. Das Akkusystem ist für uns das beste Argument dieser Säge: Wer bereits im Power X-Change-System unterwegs ist, greift auf den vorhandenen Bestand zurück und zahlt nur das nackte Werkzeug. Alle anderen müssen den Kaufpreis um Akku und Ladegerät aufstocken. Beides gibt es zusammen online bereits ab 75 Euro.
Reinigung und Wartung
Nach dem letzten Schnitt entnehmen wir Akku und Sägeblatt und reinigen die Säge trocken. Die Späne am Gehäuse lassen sich mit Pinsel und Tuch mühelos abwischen. Hartnäckiger sitzen die Späne vorn im Bereich des Sägeschuhs, wo sie sich in den Ecken sammeln. Mit einem kleinen Werkzeug bekommen wir auch diese Stellen frei. Weil sich der Sägeschuh abnehmen lässt, bleibt die Reinigung dort überschaubar.
Sichtbaren Verschleiß finden wir nach dem gesamten Testprogramm nicht. An Blattaufnahme und Sägeschuh zeigen sich weder Schäden noch Lockerungen, auch die Lüftungsöffnungen bleiben unbeschädigt.
Fazit
Die Einhell TP-AP 18/32 Li BL-Solo überzeugt uns im Test vor allem mit ihrer Kraft: 4,3 Sekunden durch Fichten-Kantholz, rund 8 Sekunden durch Eiche und 3,5 Sekunden durch Stahl-Vierkantrohr stehen für zügige grobe Trennarbeiten. Dazu kommen der werkzeuglose Blattwechsel, die zuverlässige Blattverriegelung, der stabile Metallschuh, die Einschaltsperre mit kurzem Nachlauf und 3 von 4 Akkubalken nach 25 Schnitten.
Schwächen zeigt die Säge bei der Präzision: Wackeliger Ansatz und bei hoher Hubzahl schlingerndes Blatt erschweren gerade Schnitte. Über 4 Kilogramm Betriebsgewicht ohne vorderen Zusatzgriff machen sich rasch bemerkbar; hinzu kommen Lautstärkespitzen um 90 Dezibel. Für rund 155 bis 170 Euro ist das Solo-Gerät vor allem für Nutzer des Power X-Change-Systems interessant, andernfalls kommen Akku und Ladegerät hinzu. Für grobe Trenn- und Abbrucharbeiten ist die Säge ein kraftvoller Allrounder. Wer Präzision oder ein leichtes Gerät für längere Arbeiten über Kopf sucht, sollte sich anderweitig umsehen.
- +Starke Sägeleistung
- +Werkzeugloser Blattwechsel
- +Stabiler Metallsägeschuh
- +Hohe Akkureserve
- +Gute Balance
- –Schwache Schnittpräzision
- –Hohes Betriebsgewicht
- –Kein vorderer Zusatzgriff
- –Deutliche Vibrationen
- –Lautstärkespitzen bis 90 Dezibel