Dyson PencilWash im Test: Schlanker Nassreiniger für den Alltag
Der Dyson PencilWash ist ein Nassreiniger, der so schmal ist wie ein dicker Filzstift und sich anfühlt, als hätte man kaum etwas in der Hand. Wir haben ihn auf rund 130 Quadratmetern Fliesen und Laminat ausprobiert, mit Katzenhaaren, Ketchupflecken und allem, was der Alltag so bietet. Was er kann, was er nicht kann und für wen er sich wirklich lohnt, klären wir im ausführlichen Testbericht.
Dyson PencilWash
Design, Verarbeitung und Handhabung
Das Design ist das stärkste Argument des PencilWash. Wer das Gerät zum ersten Mal in die Hand nimmt, merkt sofort, dass Dyson hier nicht gespart hat. Die Materialien fühlen sich solide und durchdacht an, das Gewicht ist sauber verteilt, und beim Bewegen spürt man eine Wertigkeit, die viele Wettbewerber in dieser Klasse einfach nicht haben. Verarbeitung und Spaltmaße sind tadellos, da knarzt nichts, da wackelt nichts, da gibt es keine unsauber sitzenden Übergänge. Der schmale Stab mit seinen 38 Millimetern Durchmesser ist optisch ein echter Hingucker, fühlt sich aber auch in der Hand richtig an. Nicht zu dünn, nicht zu wuchtig, sondern genau so, dass man ihn ganz entspannt fassen kann.
Auch in der Wohnung selbst macht der PencilWash optisch etwas her. Mit 116 Zentimetern Höhe ist er kein Riese, das schmale Profil fügt sich auf erstaunlich kleinem Raum in jede Ecke ein. Das Gerät sieht aus, als wäre es ein bewusster Teil der Einrichtung.
Was beim Wischen wirklich auffällt, ist der Neigungswinkel von 170 Grad. Im Alltag macht das einen spürbaren Unterschied. Der Reinigungskopf ist mit 6,5 Zentimetern flach genug, um unter die meisten Möbel zu kommen. Durch das extreme Abkippen erreicht man aber auch Stellen, an denen ein aufrecht stehender Sauger schlicht nicht hinkommt. Flache Kommoden, Badezimmerschränke mit niedrigem Sockel, der Bereich nah an Sockelleisten, unter der Couch oder unter dem Bett, alles kein Problem. Wo man bei klassischen Wischsaugern oft die Bewegung abrupt unterbricht oder sich umständlich bücken muss, geht hier alles in einem fließenden Zug.
Die Freistehfunktion ist im Alltag praktisch, das Manövrieren in engen Kurven gelingt ordentlich, aber wer von einem schwereren Wischsauger mit breitem Standfuß und viel Eigengewicht kommt, braucht einen Moment, bis sich das leichte Gefühl normal anfühlt. Wenn man am Anfang zu kraftvoll schiebt, kann der PencilWash sich etwas mitbewegen, statt punktgenau dort zu bleiben, wo man ihn haben möchte. Das ist Gewöhnungssache und nach kurzer Zeit kein Thema mehr.
Ausstattung und Bedienung
Der PencilWash verfügt über zwei Modi: Standard für die normale Reinigung und MAX mit erhöhtem Wasserdurchfluss für stärkere Verschmutzungen. Das Bedienkonzept selbst ist erfrischend einfach. Wer das Gerät zum ersten Mal anschaltet, weiß sofort, was zu tun ist. Je nachdem, wie man das Gerät greift, kommt man nicht immer perfekt an die Schalter heran.
Im Lieferumfang des PencilWash befinden sich der Nassreiniger, die Ladestation für den Stil, die Nass-Walze und ein aufsteckbarer Abtropfbehälter. Zusätzliche Düsen oder Spezialaufsätze liegen nicht bei. Das passt zum reduzierten Konzept, sollte Käuferinnen und Käufern aber bewusst sein.
Wer möchte, kann den Nassreiniger mit der kostenlosen MyDyson-App verbinden. Sie hilft vor allem bei Einrichtung, Pflegehinweisen und Anwendungstipps. Eine zentrale Steuerung des PencilWash ist sie nicht. Für den Betrieb empfiehlt Dyson außerdem die eigene Probiotic-Reinigungslösung, was das Gerät wieder enger an das Markenuniversum koppelt. Ein Pluspunkt ist, dass der Akku ausgetauscht werden kann. Das verlängert die Nutzungsdauer des Geräts über einen einzelnen Akkulebenszyklus hinaus und ist bei einem 349-Euro-Gerät auch genau das, was man erwartet.
Reinigungsleistung
Hier wird es interessant, und wer den PencilWash kaufen will, sollte aufpassen. Das Konzept des Geräts unterscheidet sich grundlegend von klassischen Wischsaugern. Die Mikrofaserwalze mit ihren 64.000 Filamenten pro Quadratzentimeter wird kontinuierlich über das 8-Punkt-Hydrationssystem mit sauberem Wasser benetzt. Aufgenommener Schmutz wird im Reinigungskopf in den Schmutzwasserbehälter abgestreift. Klassisches Saugen, wie man es vom Staubsauger kennt, findet hier praktisch nicht statt. Bei groben und feinen Partikeln auf Hartböden ist die Aufnahmeleistung entsprechend nur durchschnittlich.
Bei einfachen Verschmutzungen wie Spritzern, Wasserflecken oder leichten Verkrustungen reichen 2 bis 4 Überfahrten. Bei eingetrocknetem Ketchup sind es im Test bis zu 11 Durchgänge, bis der Boden wirklich sauber ist. Hier merkt man: Der PencilWash ist kein Intensivreiniger für hartnäckige Flecken, sondern ein Alltags-Nasspfleger, der sein Stärkenspektrum bei der regelmäßigen, flächigen Reinigung ausspielt.
Wo das Gerät klar punktet: Es nässt gleichmäßig, es reinigt gleichmäßig, und nach dem Wischen sind kaum Streifen zu sehen. Das Ergebnis sieht direkt nach dem Vorgang sauber und gleichmäßig befeuchtet aus. Der Boden trocknet schnell ab, weil die ausgegebene Wassermenge kontrolliert dosiert wird und keine Pfützen entstehen. Das ist gerade auf empfindlichen Böden wie versiegeltem Holz oder Laminat ein echter Pluspunkt, weil stehende Nässe das Material langfristig schädigen kann.
In Ecken und an Kanten bleibt erwartungsgemäß ein schmaler Rand stehen, was bei einem Kompaktgerät dieser Bauform schwer anders zu lösen ist. Wer es millimetergenau bis zur Sockelleiste haben möchte, muss mit einem Tuch nacharbeiten.
Trockenes Saugen ist nicht möglich. Der PencilWash arbeitet immer als Nassreiniger. Wer einfach nur Brösel oder einen umgekippten Salzstreuer aufnehmen will, ist hier am falschen Gerät. Für diese Anwendungsfälle braucht man entweder zusätzlich einen klassischen Akkusauger oder muss vor dem Wischen mit Besen und Kehrblech vorarbeiten.
Dyson gibt bis zu 100 Quadratmeter pro Tankfüllung an. In unserem Praxistest lag der Verbrauch höher: Für rund 130 Quadratmeter Fliesen und Laminat waren drei Frischwasserfüllungen nötig. Das zeigt, dass die Herstellerangabe eher unter Idealbedingungen erreichbar ist und der tatsächliche Verbrauch stark von Boden, Verschmutzung, Fahrweise und MAX-Einsatz abhängt. Die knapp 30 Minuten Akkulaufzeit reichen für eine mittelgroße Wohnung, wenn man den Tank zwischendurch nachfüllt.
Eine Sache zu Tierhaaren: Bei einer Langhaarkatze im Haushalt nimmt der PencilWash die Haare nicht im ersten Anlauf auf, sondern erst nach 3 bis 4 Überfahrten. Lange Haare wickeln sich zunächst zu kleinen Knäueln zusammen, bevor sie schließlich aufgenommen werden.
Lautstärke und Geruch
Im Betrieb messen wir im Standard-Modus 62 bis 65 Dezibel. Das ist für einen Nassreiniger ein angenehmer Wert, etwa auf dem Niveau einer normalen Unterhaltung im Raum. Man kann nebenbei hören, wenn jemand klingelt, telefoniert oder im Hintergrund spricht. Das Geräusch ist monoton, aber nicht störend.
Beim Geruch gibt es nichts zu meckern. Weder während des Betriebs noch nach der manuellen Reinigung der Walze traten unangenehme Gerüche auf. Die kontinuierliche Befeuchtung der Walze trägt vermutlich dazu bei, weil sich Schmutz nicht in trockenen Rückständen festsetzen kann.
Reinigung und Pflege
Die Tankentleerung läuft hygienisch ab. Der Schmutzwasserbehälter lässt sich abnehmen und der Kontakt mit dem Schmutzwasser bleibt minimal. Eine automatische Selbstreinigung gibt es nicht. Nach dem Einsatz müssen Walze, Tank und wasserführende Teile manuell gereinigt und getrocknet werden. Das ist aus hygienischer Sicht wichtig, kostet aber mehr Zeit als bei Geräten mit Reinigungsstation.
Immerhin ist die Mikrofaserwalze sehr leicht zu entnehmen und unter laufendem Wasser auszuspülen. Wer das nach jedem größeren Einsatz macht, hat lange Freude an der Walze und vermeidet, dass sich Schmutz und Reinigungsmittelreste festsetzen.
Einen HEPA-Filter besitzt das Gerät nicht. Dyson nennt das System bewusst filterlos. Schmutz wird im Reinigungskopf abgetrennt und gelangt direkt in den Schmutzwassertank. Das vereinfacht die Wartung, weil keine Filter ausgetauscht werden müssen, und reduziert die Folgekosten.
Dyson empfiehlt, die Mikrofaserwalze etwa alle 6 Monate zu ersetzen, je nach Nutzungsintensität. Das ist ein Punkt, den man bei der Kaufentscheidung im Kopf haben sollte. Zusätzlich zur Anschaffung kommen Folgekosten für Walzentausch und gegebenenfalls die Probiotic-Reinigungslösung, die Dyson empfiehlt.
Das Gerät selbst sieht nach dem Einsatz immer ordentlich aus. Für die schnelle Pflege zwischendurch ist es bestens geeignet. Spritzwasser oder Reinigungsmittelreste am Gehäuse lassen sich mit einem feuchten Tuch wegwischen. Da der PencilWash keine versteckten Winkel oder kleine Spalte hat, in denen sich Schmutz langfristig festsetzen könnte, bleibt das Gerät auch bei regelmäßiger Nutzung lange ansehnlich.
Fazit
Der Dyson PencilWash ist kein Ersatz für einen klassischen Akkusauger und auch kein großer Nassreiniger für stark verschmutzte Böden. Er ist ein besonders leichter, schlanker Nassreiniger für Hartböden, der vor allem beim regelmäßigen Auffrischen punktet. Design, Verarbeitung, Wendigkeit und die flache 170-Grad-Neigung sind seine größten Stärken. Auch die gleichmäßige Befeuchtung und die schnelle Trocknung des Bodens gefallen im Alltag.
Wer den PencilWash kaufen möchte, sollte aber die Grenzen kennen: Trocken saugen kann er nicht. Grober Schmutz, viele Tierhaare und eingetrocknete Flecken brauchen mehrere Überfahrten oder eine Vorreinigung mit einem separaten Akkusauger. Auch an Kanten bleibt ein schmaler Rand stehen. Der 300-Milliliter-Tank reicht in der Praxis nicht immer so weit wie die Herstellerangabe vermuten lässt, und eine automatische Selbstreinigung gibt es nicht. Nach dem Einsatz müssen Tank und Walze manuell gereinigt werden.
Unsere Empfehlung: Der PencilWash lohnt sich für kleinere bis mittlere Wohnungen mit Hartböden, wenn regelmäßig gewischt wird und bereits ein separater Staubsauger vorhanden ist. Für große Flächen, starke Verschmutzungen oder Haushalte mit vielen Tierhaaren sind größere Nassreiniger oder klassische Wischsauger die bessere Wahl.
- +Sehr schlankes Design
- +Hochwertig verarbeitet
- +Flache 170-Grad-Neigung
- +Gleichmäßige Befeuchtung
- +Austauschbarer Akku
- –Kein Trockensaugen
- –Schwache Partikelaufnahme
- –Kantenrand bleibt stehen
- –Keine Selbstreinigung
- –Kleiner Wassertank